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die Wiedereinſetzung des Schickſals ausgeſprochen, weil eine blinde Unterwürfigkeit unter daſſelbe immer demüthigend und kränkend für freie, ſich ſelbſt beſſimmende Weſen ſei. Aber Humboldt's Einfluß und die Lectüre der griechiſchen Tragiker brachte hierin eine Wandlung in ihm her⸗ vor. Jene allwaltende Gottheit, die im Hintergrund des ganzen griechiſchen Lebens thätig war, die in dem Schaffen der Naturkräfte, in den dunklen Sprücheu der Orakel ſich äußerte, und deren Willen die Götter vollziehen, indem ſie ſich oft mit dem Schickſal geradezu identifiziren, ſagte ihm ſo zu, daß er in ſeinen Dramen häufig davon Gebrauch machte. So beruft ſich der ganz von Rache erfüllte Buttler zur Rechtfertigung ſeiner That auf die geheimnißvolle Macht, die über Wallenſtein unheilbringend waltet.„Nicht mein Haß macht mich zu ſeinem Mörder, ſein böſes Schickſal iſt's. Es denkt der Menſch, die freie That zu thun, umſonſt! Er iſt das Spielwerk nur der blinden Gewalt, die aus der eigenen Wahl ihm ſchnell die furchtbare Nothwendigkeit verſchafft.“ Und Wallenſtein ſpricht es einmal aus: den Samen legen wir in ihre(der Schickſals mächte) Hände, ob Glück, ob Unglück aufgeht, lehrt das Ende.
Würde alſo Wallenſtein in ſeinen Vorſätzen und Handlungen wirklich von einer ſolchen geheimnißvollen Macht aus fühlbar geleitet, etwa wie ein Oedipus oder ein Macbeth, ſo würden wir ihm manches zu Gute halten und auf Rechnung des Schickſals ſetzen, wofür wir ihn jetzt verantwortlich machen. Immer vorausgeſetzt, daß er ſich nicht auf Declamiren beſchränke, ſondern in kräftigem Handeln den Impulſen des Schickſals ſolge. Aber es läßt ſich unſchwer erkennen, wie der Glaube an die Sterne nur eine Fiktion iſt; wie er aus ſeinem Innern heraus erſt ängſtlich überlegt, ob und wann er handeln ſoll, ſo daß er, mögen ihm die Sterne auch günſtig ſtehen, ſich nicht dadurch beſtimmen läßt, weil er eben nicht geneigt iſt. Er muß ſelbſt einräumen, daß die beiden Siegesſterne, Jupiter und Venus, den verderblichen tückiſchen Mars in die Mitte genommen haben, ohne ſein Bedenken fallen zu laſſen, oder ſich zum Handeln zu ermannen. Darum beruft ſich die Gräfin mit Recht auf dieſen Scheinglauben (von dem ſie natürlich eben ſo frei iſt, als die beiden Realiſten Illo und Terzky) und meint, es ſei kein Mark in dieſer Kunſt, wenn ſie nichts über ihn vermöge im Augenblick der Entſcheidung. So fällt alſo das unentſchloſſene Weſen auf ihn mit der ganzen Verantwortlichkeit ſeiner Stellung, und bereitet uns ein unerquickliches Schauſpiel, wie es jederzeit ſtattfindet, wenn zwei an einem Dritten herumarbeiten, um den Unſichern zum Handeln anzuſpornen. Entweder die Sache endigt komiſch, oder wir wenden uns mit Widerwillen von dem Unmännlichen ab.
Es fragt ſich nun, ob der gänzliche Mangel an Energie des Willens nicht vielleicht in gewiſſen anziehenden Seiten ſeines Charakters eine Art Erſatz finde. Schiller urtheilte in ſeinen Briefen an Körner über Wallenſtein:„In ſeinem Betragen war er ſchwankend und unentſchloſſen, in ſeinen Plänen phantaſtiſch und excentriſch, und in der letzten Handlung ſeines Lebens, der Verſchwörung gegen den Kaiſer, ſchwach und unbeſtimmt, ja ſogar ungeſchickt. Darum nicht geeignet zu einem tragiſchen Helden, mußte er durch edlere Züge uns menſchlich näher gebracht werden.“
Prüfen wir darauf hin ſeine ſpeziellen Beziehungen zu den Perſonen, mit denen er über⸗ haupt uäheren Umgang hatte, oder denen er als Familienhaupt nahe ſtand.
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