Aufsatz 
Ueber Schiller's "Wallenstein" / Friedrich Schindhelm
Entstehung
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als ſie die Waffen des Hohnes und der Ironie ſchwang und ſchließlich den glücklichen Stand der Planeten mit herbeizog*): entſchließt er ſich; aber er geht nicht freudig oder entſchloſſen an's Werk, ſondernals ein Opfer, auf deſſen Bruſt ſchon der Rache Stahl geſchliffen iſt.

Was alſo die vereinten Bemühungen eifriger Freunde nicht erreicht hatten, das ſollte der Ueberredungskunſt der Gräfin Terzky gelingen!, Allen Reſpekt vor dem Muth, der Entſchloſſen⸗ heit, der, wenn auch zum Theil ſophiſtiſchen Logik dieſer Frau, aber können wir noch Achtung vor einem Manne haben, der von dieſer Frau ſich in die Schule nehmen läßt wie ein Knabe, und zuletzt ihrem Drängen, die letzten Conſequenzen der von ihm mit Bedacht eingeleiteten Handlungen zu ziehen, ſeufzend nachgibt?

Dieſes ewige Schwanken zwiſchen Wollen und Nichtkönnen erinnert unwillkürlich an Hamlet, der auch tapfer in Worten war und nie zur That kommen konnte. Aber ſofort tritt uns doch auch der große Unterſchied zum Nachtheile Wallenſteins entgegen. Während wir es ganz be⸗ greiflich finden, wenn ein ſeither lebensfroher, dem Studium zugewandter Jüngling ſich ſträubt, an dem Gemahl ſeiner Mutter eine blutige That zu vollziehen, deren Erfüllung von außen als Pflicht an ihn herantritt: ſo erſcheint uns verächtlich der Mann, der uns als der kühne, ge⸗ waltige und tapfere Feldherr aus aller Mund geſchildert wird, der ſich ſelbſt wohlgefällig mit einem Cäſar vergleicht, und in unſerem Drama doch ſo gar nichts thut, als Worte zu machen und von der Erinnerung früherer tapferer Thaten zu zehren. Zwar ſpricht er geringſchätzig von den Worthelden und Tugendſchwätzern; aber er trifft mit dieſem Urtheil nur ſich ſelbſt. Und ſo kommen wir nach dieſer Darlegung zu unſerem urſprünglichen Satze zurück: Der Wallen⸗ ſtein, den wir nach des Dichters eigener Schilderung in denPiccolomini und inWallenſtein's Tod ſuchen, iſt nirgends zu finden, und der vorhandene widerſpricht unſerer Vorſtellung von einem tragiſchen Helden. Wir können nicht begreifen, wie man in Wien vor einem ſolchen unentſchloſſenen General Beſorgniſſe hegen, ja wie man dieſem überhaupt einen ſo wichtigen Poſten anvertrauen konnte!

Schiller fühlte ſicher das Traurige eines ſolchen unthätigen Helden und brachte, ermuntert durch Goethe's Rath, als neues entſchuldigendes Moment die Aſtrologie herein, alſo das Schickſal mit ſeinem beſtimmenden Einfluß auf die Denk⸗ und Handlungsweiſe der Sterblichen. Zwar hatte er noch 1792 in ſeiner Abhandlung über die tragiſche Kunſt entſchieden ſich gegen

*) Es könnte auffallen, daß ſie unter den Motiven nicht das gelegentlich von Wallenſtein ſelbſt betonte an⸗ bringt, dem Reiche den Frieden zu geben. Max, der Vergötterer des Feldherrn, hat uns noch verſichert, daß dem edlen Manne an Europas großem Beſten mehr liege, als an ein paar Hufen Landes, die Oeſtreich mehr oder weniger habe. Wenn auch die geſcheide Gräfin an derlei Redensarten aus dem Munde ihres Schwagers wenig glauben mochte, ſo konnte ſie doch die Phraſe verwerthen, um Wallenſtein in ſeinen bedrängten Umſtänden daran glauben zu laſſen; aber aufrichtig geſagt, wir vermuthen, daß der Dichter, der ſeinem Helden dieſes Streben unterlegte, eben weil es nicht im Charakter des dramatiſchen Wallenſtein lag, ſpäter nicht mehr daran gedacht. Ranke hat uns jetzt aus den Quellen den Beweis geliefert, daß Wallenſtein bei den heimlichen Friedensverhandlungen mit Sachſen aller⸗ dings vielfach ſich auf das Wohl des Reichs(will ſagen: der Reichsfürſten) bezogen.