Aufsatz 
Ueber Schiller's "Wallenstein" / Friedrich Schindhelm
Entstehung
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durch Unterhändler(Seſina) aus der Ferne, oder in eigener Perſon Aug in Auge mit dem Feinde verhandelſt, das iſt in dieſem Falle ausreichend, um Dir das Prädikatrein abzuſprechen.

So ſchmal, fährt er fort,iſt die Grenze, die zwei Lebenspfade ſcheidet. Von der Kanzel geſprochen, aus dem Munde eines Moralpredigers ganz vortrefflich! Aber Wallenſtein muß uns geſtatten, dieſen Satz aus ſeinem Munde trivial zu nennen. Was hat dieſer Mann, ohne die geringſte Anfechtung ſeines Gewiſſens, geſündigt!Mit Feuer und Schwert durchzog er Deutſch⸗ land, ſchwang die Geiſel über alle Länder, ſprach Hohn allen Ordnungen des Reichs, trat jede Landeshoheit nieder. Er ſelbſt ſagt, daß er den Fürſtenmantel nur Verbrechen danke. Dieſe philoſophiſche Erwägung der Möglichkeit, von dem Pfade des Rechts abzukommen, ſchließt den Monolog überhaupt. Das Reſultat deſſelben iſt alſo, daß Wallenſtein, allerdings mit einem Seufzer über die zähe Natur des Menſchen, ſich entſchließt, den ſchwediſchen Oberſten zu empfangen. Das kann doch nur ſoviel bedeuten, als daß er die Brücke hinter ſich abbricht und eine Ver⸗ ſtändigung mit dem Feinde herbeiführen will.

Er(der Unſchuld ſich bewußt) verſichert nun dem Oberſten, er ſei im Herzen ſtets gut ſchwediſch geweſen, und beruft ſich auf ſeine Unthätigkeit in Schleſien und bei Nürnberg. Er iſt bereit, Garantie zu bieten, aber da er neue Bedenklichkeiten hat, ſo muß er ſich am Schluß der reſultatloſen Verhandlung ſagen laſſen, in's zweite Jahr ſchon ſchleiche die Unterhandlung, durch raſche That nur könne der Schritt gelingen. Und mit welchen Worten empfängt er die beiden neugierig fragenden Freunde Illo und Terzky?Hört, ich will es lieber doch nicht thun. Was war denn vorgefallen, wodurch er von Neuem wankend gemacht wurde? Der Schwede hatte(was ſich von ſelbſt verſteht) die unerläßliche Bedingung geſtellt, daß Wallen⸗ ſtein entſchieden mit dem Kaiſer breche. Nun auf einmal fällt ihm ein(ein Wunder, daß er es nicht ſchon philoſophirend im Monolog vorgebracht hat), daß, wenn er ſeines Vaterlandes Feinden ſich verkaufe, er den Fluch der Menſchen auf ſich lade, wie er überhaupt zugleich der Treue ein beredtes Lob ſpendet. Das würden wir mehr am Platze gefunden haben, ehe er die Verhandlungen mit dem Kanzler hinter dem Rücken des Kaiſers begann.

Dieſe Bedenken werden jedoch niedergeſchlagen durch die Beredſamkeit der Gräfin Terzky, die ihren Mann genau kennt, wenn ſie ihntapfer in Entwürfen, feig in Thaten nennt. Da noch Alles lag in weiter Ferne, da hatteſt Du Entſchloſſenheit und Muth, und jetzt, da aus dem Traume Wahrheit werden will, da die Vollführung nahe, der Erfolg verſichert iſt, da fängſt Du an zu zagen? Sie läßt allerdings ein ganzes Heer von Gründen vom Stapel laufen, um den Schwankenden zu einem feſten Entſchluß zu vermögen..

Er muß zugeben, daß wie das friedſamſte Geſchöpf ſich ſeines bedrohten Lebens wehrt, ſo die Noth den Angriff gegen den Kaiſer rechtſertigt, verfällt aber gleich wieder in eine ſenti⸗ mentale Stimmung bei der Erinnerung an die vielen Wohlthaten, die er vom Kaiſer erhalten. Erſt als ſie an den ſchmählichen Undank deſſelben bei der erſten Abſetzung, an die nur vom Egoismus diktirte Wiedereinſetzung erinnert, und an das Riſiko, das der Hof leichtſinnig auf ſich nahm, indem er einem ſo furchtbaren Manne eine ſo außerordentliche Machtfülle anvertraute;