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muß er denn auch nach einigem Nachſinnen, das Vertrauen ſei nicht mehr herzuſtellen.„Und müßt ich's in Erfüllung bringen, jetzt, da die Macht noch mein iſt, müßt's geſchehn. Wie um ſeinen Entſchluß zu beſchleunigen, wird ihm der ſchwediſche Oberſt Wrangel angemeldet. Ehe er dieſen empfängt, hält er, wie Cäſar vor der Ueberſchreitung des Rubicon den berühmten Monolog.
Wann führt uns der Dichter ſeine Helden in ſolchen Monologen vor? Jedesmal, wenn eine ernſte, vielleicht die ganze Zukunft beſtimmende Handlung erfolgen ſoll. So nimmt die Jungfrau von Orleans in ihrem Selbſtgeſpräch feierlichen Abſchied von ihrer Heimath, ahnend, daß eine Wendung in ihrem Leben eintreten werde. So rechtfertigt Tell, der ſich an der hohlen Gaſſe bei Küßnacht aufgeſtellt hat, vor ſeinem eignen Gewiſſen die bevorſtehende blutige That an Geßler. So müſſen wir alſo darauf gefaßt ſein, daß Wallenſtein, nachdem er lange gezögert, endlich, wenn auch mehr durch die Umſtände und durch das Drängen ſeiner Freunde, zu dem Entſchluß gebracht iſt, den entſcheidenden Schritt zu thun; daß er ſich wohl noch einmal alle Schwierigkeiten ſeines Unternehmens vergegenwärtigt, aber am Ende dahin kommt, zu rufen Es ſei; alea jacta est!
Hören wir alſo das Selbſtgeſpräch Wallenſtein's. Wir trauen unſeren Ohren nicht.„Ich müßte die That vollbringen, weil ich ſie gedacht!“ Wallenſtein ſollte doch ſo ehrlich ſein, ſich ſelbſt nicht betrügen zu wollen. Alſo das nennt er: eine That denken, wenn er alle die Vorbereitungen bis zum offenen Abfall getroffen hat, wenn er eben im Begriff iſt, den Unter⸗ händler zu empfangen, um die letzten Beſtimmungen mit ihm zu vereinbaren?„Der Unſchuld mir bewußt gab ich der Laune Raum.“ Eine wunderbare Unſchuld, die Boten an die Feinde des Kaiſers ſchickt; eine eigene Laune, die eben durch einen Betrug ſich die Unterſchriften der Offiziere verſchafft hat und nun mit Wrangel das Bündniß abſchließen will! So macht er viele Worte, die darauf berechnet ſind, ihn ſelbſt über ſeine eigene Handlungsweiſe zu täuſchen. Oder der ſonſt ſo nüchterne Wallenſtein geräth in's Philoſophiren und entwickelt(wir hören hier nur zu vernehmlich den philoſophiſchen Dichter heraus) eine Fülle tiefer Gedanken,“) die, an ſich ganz treffend, in herrlicher Sprache vorgebracht ſind, aber nur nicht aus dem Munde Wallen⸗ ſtein's kommen ſollten. Faſt wie ein armer Sünder klagt er ſich als ſtrafbar an, und fürchtet, man möchte aus manchem unbedacht geſprochenen Worte eine furchtbare Anklage gegen ihn be⸗ reiten. Dazu hat er auch alle Urſache und er ſollte, ſtatt zu lamentiren, ſich um ſo mehr zu einer kühnen That emporraffen. Aber womit ſchließt er nun dieſe lange Selbſtbetrachtung? Mit einer neuen Unwahrheit.„Noch iſt ſie rein(dieſe Thüre), das Verbrechen kam nicht über dieſe Schwelle noch.“ Ganz recht, das Unrecht, perſonifizirt als Wrangel, ſteht noch vor der Thüre, aber ſonſt muß Wallenſtein uns erlauben, ihn einen Sophiſten zu nennen. Ob Du
1*)„Ernſt iſt der Anblick der Nothwendigkeit.— Nicht ohne Schauder greift des Menſchen Hand in des Ge⸗ ſchicks geheimnißvolle Urne.— Aus Gemeinem iſt der Menſch gemacht und die Gewohnheit nennt er ſeine Amme. — Das Jahr übt eine heiligende Kraft.— Sei im Beſitze und Du wohnſt im Recht.“


