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Dieſen vernünftigen Gründen gegenüber hat Wallenſtein nur die Worte:„Die Zeit iſt noch nicht da!“ Nun, wir laſſen uns belehren. Handelt es ſich alſo um den günſtigen Augen⸗ blick, loszuſchlagen, ſo muß er kraft ſeiner Einſicht, als Feldherr und in Folge der ihm gewordenen geheimen Mittheilungen, das Recht haben, in der Wahl des Termins anderer Meinung zu ſein, als die vielleicht plump drängenden Freunde. Aber wir werden doch bedenklich, wenn er gleich. darauf den ungeduldigen Terzky mit den Worten abfertigt:„Ich kann jetzt noch nicht ſagen, was ich thun will. Nachgeben aber werd' ich nicht. Ich nicht! Abſetzen ſollen ſie mich auch nicht. Darauf verlaßt euch.“
Er ſcheint ſich alſo in einer Art Defenſive halten zu wollen, eine eigenthümliche Taktik, mit der ſich ein Friedrich II. wohl nicht einverſtanden erklärt haben würde.
Da erſcheint Queſtenberg mit den Aufträgen des Kaiſers. Fürwahr eine imponirende Scene, wie der von ſeinen ſämmtlichen Generalen umgebene Feldherr den kaiſerlichen Geſandten empfängt und ihm erſt aus dem Munde der Offiziere die Ungerechtigkeit der gegen ihn erhobenen Anklage entgegenhält, um ihn dann mit dem ganzen Bewußtſein verletzter Unſchuld zu ent⸗ laſſen. Die Generale ſind durch die diplomatiſchen Aeußerungen Wallenſteins, daß er abdanken wolle, auf's Aeußerſte erregt, ſo daß Illo keine große Anſtrengung nöthig hat, um ihre Unter⸗ ſchriften für den Feldherrn zu erhalten. Er ſelbſt hat dem Octavio vertraulich mitgetheilt,„daß er zu den Schweden wolle übergehen und an der Spitze der beiden Heere gegen den Kaiſer ziehn.“
Wir ſcheinen alſo doch, wenn auch ſehr allmählich, vorwärts zu kommen und ſind faſt froh, daß der Unterhändler Seſina, der um Wallenſtein's ganzes Geheimniß weiß und die Aus⸗ einanderſetzungen mit den Schweden und Sachſen beſorgte, den Kaiſerlichen in die Hände gefallen iſt.„Das ganze Paket an Kinsky, Matthes Thurn, an Oxenſtirn, an Arnheim führt er bei ſich, das alles iſt in ihrer Hand, ſie haben die Einſicht nun in alles, was geſchehen.“
Denn nun muß ſich Wallenſtein doch ſagen, daß ſelbſt der Schein nicht mehr zu wahren iſt.„Wär' es auch, ruft ihm Illo entgegen, Du wollteſt allen Plänen jetzt entſagen, man weiß, was Du gewollt haſt. Vorwärts mußt Du, denn rückwärts kannſt Du nun nicht mehr.“ Aber der ewig Zögernde hat ſchon wieder eine Ausrede bei der Hand. Er iſt ſo naiv, zu glauben, daß, weil er dem Seſina nichts Schriftliches anvertraut, man ihm nichts anhaben könne. Er getröſtet ſich mit dem Gedanken, daß er ſich auf das Heer verlaſſen könne, und daß er im Noth⸗ falle Caution für ſeine Treue ſtellen werde. Wozu, fragen wir, alle die ſeitherigen Vorbereitungen, wenn das Bewußtſein genügen ſoll, des Heeres ſicher zu ſein? Müſſen wir nicht der Ver⸗ muthung Raum geben, daß der, welcher ſo gefliſſentlich das Handeln verſchiebt, überhaupt nicht die Kraft oder den Muth zu handeln in ſich fühlt? Heißt das nicht, mit ſehenden Augen blind ſein, wenn er ſich noch einredet, den Feind von ſeiner Unſchuld überzeugen zu können? Zugeben
den Kaiſer, auf der andern Seite noch immer das Streben, die äußerſten Schritte zu vermeiden— ein Verfahren, durch welches man den Gegner reizt und ihm zugleich hinlänglich Zeit läßt, ſeine Vorbereitungen zu unſerer Unter⸗ drückung erfolgreich zu treffen.


