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ſchenkt und ihm ſelbſt für ſeine Mühe als Erſatz die Krone von Böhmen aufſetzt. Aber er muß raſch handeln, ehe der Kaiſer ſeine Maßregeln beendet hat, ehe die Offiziere wankend werden. Da er in ehrgeiziger Abſicht gegen die heilige Ordnung des bürgerlichen und des Sittengeſetzes ſich auflehnt— und er weiß das genau, in freiem Entſchluſſe übernimmt er kühn die Ver⸗ antwortlichkeit für ſeine Handlung, ſo ſind wir von vornherein auf ſeinen Untergang gefaßt, ſowie er ſich klar bewußt iſt, ein Hazardſpiel um eine Königskrone zu ſpielen, für die man wohl ſeine Exiſtenz einſetzt.
Wir ſind in dieſem Kampfe, bei dem ſo gewaltige Kräfte um die höchſten Ziele in Be⸗ wegung geſetzt werden, auf's Höchſte geſpannt, weniger wegen des Ausganges, der als Gottes⸗ gericht gegen den Frevler und ſeine Mithelfer entſcheiden muß, als in Bezug auf die von dem Kühnſten gewählten Mittel.*
So etwa haben wir uns, geſtützt auf des Dichters eigene Aeußerungen aus dem Munde ſeiner Anhänger, den Helden einer ergreifenden Tragödie gedacht. Vergleichen wir damit den Wallenſtein in unſerem Dramal!
Auf die Mittheilungen ſeiner Gemahlin von der bedenklichen Stimmung am Hof iſt ſeine erſte Aeußerung, die durch die Natur der Umſtände hervorgerufen wird:„Keine Zeit verlieren!“ Wir erwarten nunmehr, daß er keinen Augenblick verſäumt, um den unvermeidlichen Schritt zu thun. Auch ſeine Freunde rechnen darauf, ſind aber nicht wenig erſtaunt, von ihm zu hören: „Es macht mir Freude, meine Macht zu kennen; ob ich ſie brauchen werde, ja das weißt Du(Terzky) nicht und kein anderer.“ Ja, wir behaupten, Wallenſtein weiß ſelbſt nicht, was er will— das Schlimmſte, was wir einem tragiſchen Helden nachſagen können. Zwar hat er angeordnet, die Offiziere ſollen Parole geben, eidlich, ſchriftlich, ſich ſeinem Dienſte un⸗ bedingt zu weihen, d. h. doch, im ſchlimmſten Fall mit ihm gegen den Kaiſer zu ziehen, denn außerdem hat er ſie ja, und kann, wenn es gilt, die Sachſen oder Schweden zu bekämpfen, auf ihre ſchon oft bewährte Bereitwilligkeit rechnen. Wir müſſen daher annehmen, daß der, welcher es unternimmt, die Offiziere gegen den Kaiſer auf ſeine Seite zu ziehen, eine bereits drohende Gefahr erkennt, und ihr zu begegnen ſeinen Entſchluß gefaßt hat. Aber wir hören nur tönende Phraſen von ſeiner Macht, ohne daß er das Geringſte thut, dieſelbe zu entfalten.„Ich könnt' dem Kaiſer recht viel Böſes thun. Er muß zittern in ſeiner Hofburg.“ Alſo darum dieſe ungeheuern, ihn auf's Höchſte compromittirenden Maßregeln, um den Kaiſer zu ängſtigen? Als ob nicht eben die Furcht des Kaiſers vor Wallenſtein's Uebermacht längſt vorhanden geweſen wäre, und die feindſeligen Maßregeln gegen ihn dictirt gehabt hätte. Illo hält ihm die ganz richtige Alternative entgegen: Entweder Du läßt Dir die beſten Regimenter ablocken, dann biſt Du machtlos, oder Du widerſetzt Dich dem Befehle des Kaiſers, dann iſt der Bruch fertig, dann iſt es aber Unſinn, noch zögern zu wollen.*)
*) Wir werden hier durch die Aehnlichkeit der Situation lebhaft an das Zögern erinnert, mit dem der Kurfürſt von Sachſen in den ſchmalkaldiſchen Krieg eintrat. Auf der einen Seite die unzweideutigſten Feindſeligkeiten gegen


