Aufsatz 
Ueber Schiller's "Wallenstein" / Friedrich Schindhelm
Entstehung
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In denPiccolomini und inWallenſtein's Tod iſt das Zerwürfniß zwiſchen dem Kaiſer und Wallenſtein entſchieden. Der Wiener Hof hat ſich immer mehr überzeugt, daß der mit unbeſchränkteſter Gewalt ausgeſtattete General nicht bloß keine Stütze für die kaiſerlichen Pläne biete, ſondern daß er ſogar ſeinen eigenen Weg trotzig zu gehen entſchloſſen ſei. Darum war der Entſchluß gefaßt worden, natürlich im tiefſten Geheimniß, den läſtigen Führer des Heeres zu ſtürzen. Man verhehlt ſich keinen Augenblick das ungeheure Wagniß, und ſendet vor⸗ ſichtig Queſtenberg in's Lager, um das Terrain näher kennen zu lernen, vor Allem, um die Stimmung der Offiziere zu erfahren.

Aber Wallenſtein, der in einem wohlbegründeten Mißtrauen gegen die kaiſerliche Politik fortwährend ſeine geheimen Agenten als Beobachter am Hofe hielt, war zeitig gewarnt worden, und trifft in der Stille ſeine Gegenmaßregeln, entſchloſſen, nicht zum zweiten Male einer Hof⸗ intrigue zu weichen. So ſpricht es die in derAllgemeinen Zeitung von 1799 von Schiller ſelbſt verfaßte Anzeige deutlich aus:Wallenſtein beſorgt, daß man ihn abſetzen und zu Grunde richten will. Am Hofe fürchtet man, daß Wallenſtein etwas Gefährliches machinire, jeder Theil trifft Anſtalten, ſich der drohenden Gefahr zu erwehren, und der Zuſchauer muß beſorgen, daß gerade dieſe Anſtalten das Unglück, welches man dadurch verhüten will, beſchleunigen werden.

Ganz gewiß! Wir fürchten von Wallenſtein und ſeinem Zorne das Schlimmſte. Mit der höchſten militäriſchen Macht ausgerüſtet, nachdem man ihn einmal trotz ſeiner gewaltigen Siege ſchmählich dem Neide ſeiner Nebenbuhler geopfert hatte; von einem brennenden Ehrgeize erfüllt, der wie er nach dem höchſten Ziele trachtete, vor keinem Mittel zurückſchrickt, und die blutig haſſend, die ihm mit oder ohne Abſicht den Weg vertraten, umgibt er ſich mit den beſten Offizieren, die, nur ſeines Winkes gewärtig, in ſchwärmeriſcher Verehrung geloben, für ihn das letzte Blut des Herzens zu verſpritzen; ſteht er an der Spitze eines Heeres, das er ſelbſt durch den Zauber ſeines Namens geſchaffen und vom Belt bis zur Schildwacht an der Kaiſerburg mit gleich gewaltigem Zügel leitet. Er hat den Plan ſeiner Gegner durchſchaut:Der Kaiſer iſt's müde, die Macht in meiner Hand zu ſehen, will mich auf bequeme Art bei Seite ſchieben, ihn drückt das Pactum. Weib und Kind hat er in's Lager kommen laſſen, um auch auf den ſchlimmſten Fall gerüſtet zu ſein.

Gewiß Stoff genug zu einer großartigen Tragödie, deren Gang ſich nach unſerer Idee etwa folgendermaßen geſtalten würde: Der vom Kaiſer in der höchſten Noth gerufene, durch einen förmlichen Contract mit unbedingter Gewalt bekleidete Oberfeldherr wird von dieſem Kaiſer beleidigt, indem derſelbe ihn unter einem Vorwand erſt ſchwächen, dann ſchmählich ent⸗ laſſen will. Dieſe gewaltige Natur entſchließt ſich daher zu einem Kampfe gegen den Kaiſer, alſo zugleich gegen die althergebrachten geheiligten Rechte der Majeſtät, zu einem Kampfe gegen ſeinen Kaiſer, der ihm den höchſten Poſten im Reich anvertraut hat; dabei unterſtützt von egoiſtiſchen Böſewichtern, die mit ihm durch die Bande des Blutes oder durch dieſelben Intereſſen verbunden ſind. Er muß, das verlangen wir von einer reſoluten Natur, auf ein beſtimmtes Ziel losſteuern. Das kann nur ſein, den Kaiſer zu zwingen, daß er dem Reiche den Frieden

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