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Wir werden im Folgenden den Nachweis zu liefern ſuchen, daß der Held unſeren Er⸗ wartungen durchaus nicht entſpricht, daß alſo das Drama in dieſer Beziehung als ein verfehltes bezeichnet werden muß. Selbſtverſtändlich ſehen wir gänzlich ab von dem hiſtoriſchen Wallenſtein, deſſen Characterbild damals noch ſchwankte, das ſich aber weſentlich durch die gründlichen Forſchungen Ranke's in immer feſteren Umriſſen zu geſtalten beginnt. Wir benutzen zunächſt die Schilderung, die uns der Dichter von Wallenſtein in ſeinem„Lager“ entwirft, auf deſſen Baſis fußend wir unſere Anforderungen an den tragiſchen Helden ſtellen.
„Allen dieſen rohen Leuten, denen nichts mehr heilig iſt, iſt der Feldherr ein Gegenſtand abergläubiſcher Verehrung. Sie beugen ſich ehrerbietig vor dieſer Majeſtät, mag ihnen nun ſeine unerhörte Stellung oder ſein Kriegsglück oder das Dämoniſche ſeines Auftretens imponiren. „Der führt's Commando nicht wie ein Amt, das vom Kaiſer ſtammt.“„Abſolute Gewalt hat er, Krieg zu führen und Frieden zu ſchließen, Geld und Gut kann er confisciren, kann henken laſſen und pardonniren. Offiziere kann er und Oberſten machen; er iſt ein Unmittelbarer und Freier, des Reiches Fürſt, ſchlägt Geld wie der Ferdinand. Er fährt auf der Fortuna ihrem Schiff. Ihm ſchlägt das Kriegsglück nimmer um. Wer unter ſeinem Zeichen thut fechten, der ſteht unter beſonderen Mächten. Denn Jedermann weiß, daß er einen Teufel aus der Hölle im Solde hält, daß er feſt iſt.“
Wie Wallenſtein, erſt ein ſchlichter Edelmann, es zum nächſten Mann nach dem Kaiſer gebracht hat(ja wer weiß es, welche Gunſt ihm das Schickſal noch vorbehalten hat) ſo ſteht jeder in ſeinem Heere auf der Leiter zur höchſten Macht.
So ſammelt ſich alſo ein furchtbarer Haufe um den Feldherrn, der es verſtanden hat, dieſe wilden Elemente zuſammenzuhalten, an ſich zu feſſeln, und der mit ihnen das Kühnſte wagen kann.
Und wir erhalten bereits Andeutungen, daß zwiſchen dieſem Gewaltigen und dem Kaiſer eine gewiſſe Spannung herrſcht, daß man in Wien anfängt, den allmächtigen Führer der zügel⸗ loſen Banden unbequem, ja gefährlich zu finden, während ſeine Leute, überzeugt, daß er ſich nichts Unwürdiges bieten läßt, ihm ihre unbedingte Beihilfe zu jedem Unternehmen in Ausſicht ſtellen.„Sie ſind ihm, heißt es, am Hofe nicht grün; er iſt ihnen zu hoch geſtiegen, möchten ihn gern herunter kriegen. Sie fürchten des Friedländers heimlich Geſicht; darum ſenden ſie den Queſtenberg, den Spürhund von Wien, damit er Jagd auf den Herzog mache.“
Aber er kennt genau die ihm drohende Gefahr, er weiß, daß es am Hofe gar nicht ge⸗ heuer, und hat die Herren Generäle und Commandanten zu ſich bemüht, gewiß nicht für die Langeweile. Ja,„wir halten ihn aufrecht. Alle Hauptleute ſetzt er ein, ſind alle mit Leib und Leben ſein, daß keine Gewalt noch Liſt uns von dem Friedländer weg ſoll treiben, der ein Soldatenvater iſt. Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenſtein, der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen. Werden uns wenig um den Kaiſer ſcheren.“ Sie ſollen es nur einmal verſuchen, das Heer durch Abberufung eines Theils in die Niederlande ſchwächen zu wollen.„Wir geben nicht nach und marſchiren nicht, wir leben und ſterben bei dem Vallenſtein.“


