Aufsatz 
Hundert Jahre Elisabethenschule. Hofmannsches Institut Darmstadt. 1832 - 1932 / Hrsg. v. d. Leitung der Elisabethenschule
Entstehung
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nur ein tiefes Wiſſen, ſondern auch eine warme, fortreißende Begeiſterung mit. Vier Jahre nur durfte ſie ſich an ihrer Arbeit freuen. Wie ſie in dieſer kleinen Zeitſpanne die verſchiedenſten Unterrichtsgebiete geſtal tete und belebte, möge ein kurzer Überblick zeigen.

Eine beſondere Herzensſache war ihr der Religionsunterricht. Immer war ſie bemüht, in ihren Stunden vor allem die Geſtalt Jeſu den Seelen der ihr anvertrauten Kinder nahe zu bringen und die Liebe zu ihm, von der ſie ſelbſt erfüllt war, zu wecken. In den deutſchen Stunden gab ſie neben dem unvergänglichen Schatz klaſſiſcher Dichtung auch wert voller moderner Proſa und Lyrik Raum. Feſtſtunden waren es immer, wenn ſie Proben davon vorlas, beſonders die Legenden und Erzählungen ihrer Lieblingsdichterin Selma Lagerlöf. Wie ſehr die Schülerinnen auch im Verſtändnis und in der Wiedergabe ſchwerer, gedanklich tiefer Dich⸗ tungen gefördert wurden, zeigte am beſten die Aufführung einiger Scenen aus HölderlinsEmpedokles durch Schülerinnen der erſten Klaſſe. Sie gehört mit zu den ſchönſten Schulerlebniſſen in Fräulein Tubes Zeit. Auch die zu ihrer Überraſchung ganz ſelbſtändig eingeübte, wundervoll ſtilechte Darſtellung von Hugo v. Hofmannsthal:Tod des Tizian durch Semi nariſtinnen des Sprachlehrerinnenſeminars, bewies Fräulein Tubes große Fähigkeit, Geſchmack und Urteil ihrer Schülerinnen zu bilden und ihren Sinn zu erſchließen für die Werte einer hohen, geiſtigen Kultur.

Fräulein Tube war nicht nur einſeitig auf die Pflege des Geiſtes bedacht. Auch die praktiſche Ausbildung und körperliche Ertüchtigung ihrer Schülerinnen ließ ſie ſich unter ſtändigem Eingehen auf neue Be⸗ ſtrebungen ſehr angelegen ſein. Schon in der Elementarklaſſe fanden die verſchiedenen Formen des Handfertigkeitsunterrichtes Eingang. Seine reizenden Ergebniſſe konnte man dann bei einer Handarbeits⸗ und Zeichen⸗ ausſtellung der Schule prüfen und bewundern. Viel Freude machte ein Kurſus im Buchbinden, der für die erſte Klaſſe, Seminariſtinnen und Lehrerinnen eingerichtet war. Wertvoll für die Kräftigung der heran⸗ wachſenden Mädchen war ein ganz neuer Zweig der Ausbildung: ein Kurſus im Gartenbau. Am Nordbahnhof wurde ein großes Stück Brach⸗ land gepachtet, und unter fachmänniſcher Leitung ging man mit Freude und Eifer daran, das Land umzugraben und es nach allen Regeln dex Gartenbaukunſt zu bebauen. Freilich, es koſtete manche Mühe, und mancher Seufzer wurde laut. Aber mit welchem Stolz brachte man dann die erſte Ernte heim! Auch an beſonders eingerichteten Kurſen für rhythmiſche Gymnaſtik, beteiligten ſich zahlreiche Kinder der verſchiedenſten Klaſſen. Wie ſo vielem anderen, wurde auch dieſer Einrichtung ein ſtarkes Hemmnis bereitet durch die ſtetig wachſende, alles beeinfluſſende Kriegsnot!

Kriegszeit die Zeit unerhörten Schreckens und Leidens! Und doch die wunderbare, reiche Zeit, in der Schranken fielen und die Liebe ſich frei verſtrömen konnte! Noch nie ſchien ſoviel Liebe nötig zu ſein wie damals, und man wußte nicht, wer mehr brauchte: die,

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