Aufsatz 
Hundert Jahre Elisabethenschule. Hofmannsches Institut Darmstadt. 1832 - 1932 / Hrsg. v. d. Leitung der Elisabethenschule
Entstehung
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hätte, die Geiſt und Willen beſaß, die verwaiſte Küchlerſche Schule zu übernehmen.

Als Jeanette Hofmann von Sprendlingen nach Darmſtadt über⸗ ſiedelte, umfaßte die neue Heimat 22 000 Einwohner. Trotz ſchwerer wirt⸗ ſchaftlicher Lage war die Stadt in einem gewiſſen Aufſtieg begriffen. Noch immer gab der Hof und die Regierung auch geiſtig dem Ganzen weithin das Gepräge. Daneben aber ſuchte das ſeit den Freiheitskriegen erwachte Bürgertum ſeinen Einflußbereich zu ſtärken; trotz äußerer Ruhe brandeten auch in Heſſen die national⸗politiſchen Wogen immer wieder empor, man denke an Geſtalten wie Büchner und Weidig. Auch der Bruder Jeanettes ſtand als ehemaliger Burſchenſchafter dieſem Gedanken⸗ kreis nicht fern. Im großen und ganzen jedoch beſtimmte der Lebens ſtil desBiedermaiers auch in Darmſtadt die gebildeten bürgerlichen Schichten.

Aber nicht nur die geiſtige und landſchaftliche Umwelt, in die der Menſch hineintritt, nicht nur das Eigenſchöpferiſche in ihm, ebenſoſehr ſind es die Vorfahren, die den Charakter eines Menſchen bewußt oder unbe⸗ wußt formen. Jeanette Hofmann ſtammte aus einem kinderreichen Pfarr⸗ und Gelehrtenhauſe. Der Vater Dr. Johann Philipp Hofmann ¹⁸), 1768 in Bieber bei Hanau geb. war ein kluger, in dem Wiſſen ſeiner Zeit wohl bewanderter Mann, mit einer ausgeſprochenen pädagogiſchen Ader, die er wohl als ein Erbteil ſeiner Familie empfangen hatte. War er doch ſelbſt der Sohn eines Lehrers. Auch manche ſeiner zahlreichen Bücher und Schriften, die er in ſeinem Leben hat drucken laſſen ²⁹), zeugen davon. In ihnen verſucht er die pädagogiſch-rationaliſtiſchen Strömungen ſeiner Tage nutzbar und fruchtbar zu geſtalten für die Theologie und den kirch⸗ lichen Unterricht ſeiner Zeit. Schon die Titel einiger ſeiner Bücher geben davon Kunde: Sokratiſche Darſtellung des hannöv. Landeskatechismus (1795); Volksbelehrungen in katechetiſcher Form(1796); Sokrates bei den Kindern oder Schulbeſuche für die Prediger in der Schule(1821). Eine Seite ſeines Weſens aber brachte ihm und ſeiner Familie viel Un ruhe und Leid. Er war, wie es ſcheint, Zeit ſeines Lebens von einem ſtarren Gerechtigkeitsſinn erfüllt, eine Michael-Kohlhaas⸗Natur, ſo wie ſie uns Kleiſt gezeichnet hat die ihn vor allem gegen Ende ſeines amtlichen Wirkens mit manchenhochſtehenden Perſönlichkeiten in ſcharfen Kampf geraten ließ. Eine gewiſſe Unſtetheit ruht deshalb auch über ſeinem Leben. Längere Zeit war er Religionslehrer und freier Schriftſteller in Frankfurt a. M., 1797 geht er ins Pfarramt, das ihn über verſchiedene Orte 1810 nach Sprend lingen bei Offenbach bringt. 1832 muß er das Pfarramt hier aufgeben und zieht mit ſeiner Familie nach Darmſtadt. Dort ſtirbt er 1850, die letzten 18 Jahre ſeines Lebens aufs engſte verbunden mit dem Wirken ſeines Sohnes Theodor Hofmann und vor allem ſeiner Tochter Jeanette.

u) f. Leben: Staatsarchiv Darmſtadt: Referate 1832, weiterhin: Mitteilungen durch die Nachkommen der Familie Hofmann. ¹9) Vergl. Scriba: Heſſ. Gelehrtenlexikon.

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