Aufsatz 
Hundert Jahre Elisabethenschule. Hofmannsches Institut Darmstadt. 1832 - 1932 / Hrsg. v. d. Leitung der Elisabethenschule
Entstehung
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Von ihren Ahnen hat Jeanette, die als zweites Kind unter ſechs, am 20. Mai 1803 in Gelnhaar geboren iſt ²⁰), zweifellos den klugen Verſtand, den frommen Sinn und ein außergewöhnliches pädagogiſches Talent emp⸗ fangen, während der kämpferiſche Scharfſinn des Vaters bei der Tochter, wie es ſcheint, ſich verwandelte in einen klaren Willen. Davon künden auch die Bilder, die wir von ihr beſitzen. Sie zeigen einen klugen Kopf, dunkle ruhig und klarblickende Augen, eine ſcharf geſchnittene Naſe, in der Mitte geſcheiteltes Haar, der Sitte der Zeit entſprechend, kein unbe dingt ſchönes, aber durchaus anſprechendes Geſicht mit Charakter und Willen. Ein Geſicht, in das eine zweifellos oft entbehrungsreiche Jugend inmitten eines mit mancherlei Sorgen beladenen kinderreichen Landpfarr⸗ hauſes, und der Ernſt eines das Leben ſelbſt geſtaltenden Daſeins ſeine Spuren eingegraben hat. Darum auch unähnlich manchem Geſicht, wie wir es von Frauenbildniſſen jener Biedermeierzeit kennen, mit ſeinem empfindſamen, nach innen gerichteten Ausdruck, wenn auch Jeanette jene Seite der Zeit nicht fremd blieb ²¹).

Eine Lehrerinnenprüfung hat Jeanette Hofmann nie abgelegt. Sie wurde auch damals nicht gefordert. Ihr Wiſſen hat ſie wohl im Eltern haus durch Privatunterricht ſeitens des Vaters und durch Eigenſtudium erworben. Und trotzdem hat ſie das beweiſt der große Aufſchwung, den ihre Schule nahm mit hervorragendem Geſchick ihre Erzieherauf gabe erfüllt. Ein Hinweis auch für unſere Zeit, in der ja jeder Beruf, trotz des RufesFreie Bahn dem Tüchtigen durch das Berechtigungs weſen wie mit Stacheldraht abgeſperrt iſt, daß eine wahre Bildung von Prüfungen nicht abhängig iſt und eine Erzieherperſönlichkeit auch ohne ſtaatliche Titel und Würden Peſtalozzi befand ſich ja in der gleichen Lage ſich zur Geltung bringt.

Eine Zahl von Mitarbeitern die Lehrer waren wohl zumeiſt Theo logen ²²) trat ihr von Anfang an zur Seite. Wir kennen nicht alle ihre Namen, wiſſen aber, daß ihre Schweſter Eliſabeth ſie unterſtützte ²³), und daß es vor allem ihr Bruder Theodor war, der von Anbeginn an ſeine Kraft mit einſetzte. Nicht nur für die Schule ſeiner Schweſter, ſon dern auch für das geſamte Darmſtädter Schulweſen wurde das Wirken dieſes Mannes von Bedeutung. 1809 geboren, hatte er von 1827 an in Gießen ſich dem Studium der Theologie gewidmet. Dort war er ein eifriges Mitglied der Burſchenſchaft. Nach beſtandenem Examen wurde er Hauslehrer, wir ſehen, auch hier bricht das väterliche Erbe durch bis er dann 1832 mit ſeiner Schweſter ſich zu gemeinſchaftlicher Arbeit verband. Seine pädagogiſche Tüchtigkeit blieb nicht lange verborgen. Schon 1833 wurde er an die Darmſtädter Realſchule berufen, von 1867

²0) Kirchenbücher Gelnhaar, Die Mutter Jeanettes, Magd. Erneſtine, war die Tochter des Pfarrers Joh. Tobias Schwind zu Reichenbach. ²¹) Vergl. d. Brief ihres Bruders v. 23. 5. 1830(Beſitzer Pfr. Grein, Arheilgen). ²²) z. B. Mitprediger Vogt. Vergl. Eingabe vom 12. 11. 1865.(Akten Hof⸗ mann'ſches Inſtitut, Kultusminiſterium Darmſtadt.) ²³) Eine andere Schweſter Amalie(geb. 1805) führte den Haushalt im Penſionat.

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