an die Stadtmädchenſchule dazu über, dieſe Aufgabe in Angriff zu nehmens). Es verdient aber auch hier feſtgeſtellt zu werden, daß in Darm— ſtadt ſchon lange vorher eine größere Zahl höherer Privatſchulen die eigent— liche Vorarbeit auf dem Gebiete der höheren Mädchenſchule geleiſtet haben ⁵⁶). Gewiß, neben ihnen und den öffentlichen höheren Schulen gibt es eine Menge von Strickſchulen und mancherlei Elementarſchulen privater Art?), und auch die Geſtalten der franzöſiſchen Sprachlehrer, ein Erzeug— nis des Barockzeitalters, bevölkern noch die Straßen Darmſtadts. Die letzteren nicht immer zur Freude der Darmſtädter Bevölkerung, wovon ein Bericht der Darmſtädter Bürgermeiſterei an den Landrat aus dem Jahre 1827 uns Kunde gibt:„Seit mehreren Jahren, namentlich in neuerer Zeit iſt Darmſtadt mit einer nicht unbedeutenden Anzahl von franzöſiſchen Sprachlehrern in der Art verſehen, daß die temporere Auf— nahme für die Bewohner Darmſtadts und vor allem für die Handwerker eher Schaden wie Nutzen bringt“).
Die Darmſtädter höheren Privatſchulen, die daneben auch die Auf— gaben einer modernen Grundſchule erfüllten, wurden zumeiſt von Theo— logen, die als Mit- und Freiprediger auch der Kirchengemeinde dienten, zum geringeren Teile von Frauen geleitet. Die Zahl der von Theologen geſührten Schulen war nicht gering. Wir erfahren wieder aus einem Be— richte der Bürgermeiſterei an den Landrat(182⁰) von 13 ſolcher„höheren wiſſenſchaftlichen Privatlehranſtalten“*), an deren Spitze Theologen ſtan⸗ den, und die nicht nur für Knaben, ſondern z. T. auch, wie wir noch ſehen werden, für Mädchen beſtimmt waren. Es ſind Namen von gutem Klange darunter, die ſpäter als Geiſtliche und als Leiter und Lehrer an den öfſentlichen Schulen in Heſſen z. T. Tüchtiges geleiſtet haben, wie Sell, Ritſert, Rautenbuſch, Schäfer, Scriba. Die Zahl der von Frauen geleiteten höheren Privatmädchenſchulen betrug 1821: 3 In dieſem Jahre ſuchten F. und C. Langerhahn aus Mainz bei der Regierung um Genehmigung nach, ein Mädcheninſtitut zu errichten, in dem junge „Frauenzimmer“ u. a. in deutſcher und franzöſiſcher Sprache, in Rechnen, Geographie und Mythologie unterrichtet werden ſollen. Daneben beſtanden aber noch zwei andere Inſtitute, die von Frauen geführt wurden, wie wir dem gleichen Bericht entnehmen, und wir wiſſen auch von einer be— reits 1808 durch Eliſabeth Amboß aus Irheim unternommenen Gründung
³) Vergl. K. Bergmann: Feſtſchrift zur Jahrhundertfeier der Viktoriaſchule 1929 S. 8 f.
⁶) Für das folgende vergl.: Ungedruckte Akten, Städtiſches Archiv aus der Regiſtratur des Stadtſchulamtes, XIV. Abt. Abſchnitt 2 und 3, Akten die Privat⸗ ſchulen betr., insbeſondere die Hofmann'ſche Privatmädchenſchule.(Zitiert: Stadt⸗ arch. Priv. Schul.)
*) 1829 gab es in Darmſtadt z. B. 18 ſolcher Elementarſchulen, die ſich„in ihrem Unterricht auf ſolche Unterrichtsgegenſtände beſchränken, die nur zum tägl. Leben notwendig ſind“. Bericht d. Bürgerm. v. 18. 1. 29(Stadtarch. Priv. Schul.); ſie waren natürlich ſehr unbedeutend.
³) Stadtarch. Priv. Schul.
9) Stadtarch. Priv. Schul.; oft hatten ſich verſchiedene Theologen zu einem gemeinſamen Wirken verbunden, vergl. Gr. Heſſ. Zeitung v. 31. 12. 1832.
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