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Waͤret ihr Schwaͤrmer im Stande, die Ideale zu faſſen, Ol ſo verehrtet ihr auch, wie ſich's gebuͤhrt, die Natur! Derſelbe.
»Ehedem wurden unter uns die Natur; jetzt werden die Ideale ausſchließend gepredigt. Man vergißt oft, daß dieſe Dinge innig vereinbar find, daß in der ſchoͤnen Darſtellung die Natur idealiſch, und das IWdeslfatärltl) ſein ſoll.⸗
egel.
So ſchaͤtzbar auch Naturkunde durch ihre bisher beſprclhene bildende Kräft iſt, ſo erlangt ſie doch noch einen ungleich hoͤheren Werth durch den ſegensrei⸗ chen Einfluß, welchen ſie auf das religioͤſe und ſittliche Gefuͤhl und ſo auch auf die Geſinnungs⸗ und Handlungsweiſe auszuuͤben geeignet iſt. Da dieſe Seite des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts haͤufig zu wenig beachtet, ja ihm wohl gar eine entgegengeſetzte Wirkung von ſeinen Gegnern zugeſchrie⸗ ben wird, ſo will ich mich hieruͤber etwas ausfuͤhrlicher verbreiten.
Das hoͤchſte Weſen hat ſich in der aͤußeren Natur dem Menſchen ebenſo deutlich offenbart, wie in der inneren Natur ſeines Geiſtes und in der Geſchichte. Die Natur iſt daher mit Recht eine zweite Offenbarung, eine zweite Bibel, ein Tempel des Hoͤchſten genannt worden. Daß ſie dieſes dem Menſchen in Wahr⸗ heit werde, daß aus ihrer Betrachtung ein lebendiger Glaube an die Gottheit und ihre erhabenen Eigenſchaften hervorgehe, dafuͤr ſoll ein zweckmaͤßig ertheilter Unterricht uͤber die Naturkunde ſorgen, und dieſes Reſultat muß ein ſolcher Un⸗ terricht auch nothwendig haben. Denn, jedes Geſchoͤpf traͤgt den Stempel ſeines Schoͤpfers, und erinnert nothwendig an den Schoͤpfer, wenn man es in ſeiner Lebendigkeit, Zweckmaͤßigkeit und Vollendung betrachtet.« Deinhardt.„ Die Dinge des Himmels und der Erde erkennen heißt nichts Anderes, als die Siegel, die Gott ihnen bei der Schoͤpfung aufgepraͤgt hat, deuten und in Worte faſſen. Die Erkenntniß der Dinge iſt die Erinnerung an ihren goͤttlichen Urſprung.“⸗ Derſelbe. 3 3
„Natur und Menſchenleben ſind Spiegel der ewigen Gottheit, »Aber ſie zeigen dir nur, wenn du ſie kenneſt, ihr Bild.«
Moͤgen wir betrachten die ſtarren Gebilde der unbelebten Steinwelt, oder die wundervolle Ordnung des unermeßlichen Weltalls, den einfachen Bau der Infuſorien, oder den kunſtvollen Mikrokosmus des menſchlichen Koͤrpers, aus den kleinſten und alltaͤglichſten, wie aus den groͤßten und erhabenſten Erzeugniſſen und Erſcheinungen der Natur ſpricht zu den Menſchen ein goͤttlicher Verſtand, leuchtet hervor die Macht, Weisheit und Vaterhuld Gottes; uͤberall in der Na⸗ tur, wohin er ſeine Tritte ſetzt und ſeine Sinne richtet, muß er laut ſich aufge⸗ fordert fuͤhlen zur Verehrung und Anbetung ihres Schoͤpfers.
Es predigt deine Guͤte mir der Raum, Die Erde deine Groͤße, dein Glanz die Sterne. Lamartine.,


