Aufsatz 
Herrn Prof. Herling wichtigste Lehren der sphärischen Astronomie nach einer neuen Darstellungsweise / Johann Theodor Vömel
Entstehung
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der Stern unter; und wenn der Meridian PI. des Ortes dann mit PE zusammen- fällt, so culminirt Sonne oder Stern im mitternächtlichen Meridian, und es ist Mitternacht rücksichtlich des Sonnenlichts.

Anmerk. Der Stern oder die Sonne als sich bewegend dargestellt, haben Stern oder Sonne im Meridiane des Orts die Hälfte ihres Laufes über oder unter dem Horizonte des Ortes zurückgelegt. Der Horizont des ruhenden Ortes schneidet des Sterns oder der Sonne Parallelkreise in ihre sichtbaren und unsichtbaren Theile, welche nur gleich sind, wenn O oder* im Himmelsäquator stehen, oder der Ort im Aequator der Erde liegt. Die Ungleichheit dieser Theile wächst mit der Abweichung des Sternes, und die Parallelkreise der Sonne können ganz über oder unter den Horizont fallen.

§. 14. Fig. 3.

1) Die Meridianebene eines Sterns ist unbeweglich; und wenn der Meridian eines Ortes bei der Rotation der Erde um ihre Achse aus dieser Ebene ausgehend wieder zu ihr zurückkehrt, so hat die Erde genau eine Umdrehung, eine side- rische Umdrehung, vollendet. Die darauf verwandte Zeit heifst Sterntag, der in 24 Sternstunden getheilt ist. Ein Sterntag ist immer gleich lang.

2) Die Meridianebene der Sonne Pll aber ist veränderlich und rückt mit wachsender Länge der Erde, indem sich die Erdachse um den Pol der Ekliptik E dreht, so fort, dafs sie sich P., der Neigungsebene der Erde nähert und dann jenseits wieder von ihr entfernt. Daher ist ein Sonnentag länger als ein Stern- tag, eine Sonnenstunde länger als eine Sternstunde.

Es giebt zwei Ursachen der Verschiedenheit der Länge der Sonnentage:

α.) die verschiedene Schnelligkeit, mit der sich die Erde in ihrer Bahn be- wegt(§. 4, 1), welche bald wächst, bald abnimmt;

5) die verschiedene bald abnehmende, bald zunehmende Declination der Sonne.

24 Stunden mittlerer Sonnenzeit sind 24 Stunden 3/56,5 Sternzeit.

Erläuterungen. Wenn MP Fig. 3 die Meridianebene eines Sterns ist; so hat der Meridian eines Orts, wenn er sich aus PS durch L nach Osten bewegt und über Pf durch E wieder zu PS zurückkehrt, genau 3600 zurückgelegt, wozu er einen unveränderlichen Sterntag gebraucht.

Ist MS Meridian der Sonne; so nähert sich MS mit wachsender Länge der Sonne, indem sich Pum E bewegt, dem EP, ihm, also auch dem Meridiane des Orts folgend, so dafs derselbe längere Zeit gebraucht, um den Sonnenmeridian wieder einzuholen.

Es hängt diese Annäherung von der Veränderlichkeit des Winkels