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zu dieser ungeheueren Macht zu legen, welche jetzt die Furcht von ganz Europa erregt. Er redet mit Bedauern von seinem YVaterlande und spricht sich dann mit einer seltenen Unbe- fangenheit über den Charakter der Franzosen aus: Gewöhnlich wirft man den Franzosen vor, dass sie ihr eignes Volk zu hoch schätzen, ich muss mich rechtfertigen, dass ich zu wenig vor- theilhaft von Frankreich spreche. Meine Landsleute wären ungerecht, wenn sie glaubten, dass ich mein Vaterland aus Zorn verlassen habe, es ist aus Gewissensbedenken geschehen. Ich bin Franzose und rechne es mir zur Ehre, aber ich bin nicht so von meinem Volke eingenommen, dass ich es den anderen überlegen glaube. Wenn man in einigen Ländern mehr Lebhaftigkeit oder mehr Höflichkeit findet, so haben die Völker, welche gewisse Leute für plump halten, gewöhnlich mehr gesunden Menschenverstand, Rechtlichkeit als die, welche sich etwas auf ihren Geschmack, ihre Feinheit, ihren Esprit einbilden. Das eine ist unendlich achtungswerther als das andere. Mit den plumpen Leuten meint er wol seine wackern Holländer.
Zu bemerken wäre noch, dass er etwas von Burnet gehört zu haben behauptet, dies stimmt damit, dass er dessen cliens genannt wird. Seine oft wiederholte Gleichgewichtstheorie legt er dem Prinzen Friedrich Heinrich als Weissagung in den Mund, der kurz vor seinem Tode gesagt habe, seine Kinder würden nicht gezwungen sein sich gegen Frankreich zu erklären, wie er sich dem Hause Oestreich widersetzen müsse. Er fügt dann hinzu: das Haus Oranien hat die ersten Schläge geführt, welche die Macht Spaniens erschüttert haben, und der einzige Spross dieses Heldenstammes ist jetzt die festeste Stütze der wankenden Krone Philipps II.
In der Vorrede zeigt er sich in den Klassikern belesen, und es ist wol interessant, dass er den Herodot angefüllt mit Fabeln, der nur daran denkt, zu gefallen, nicht zu unterrichten, und den Cicero den eitelsten Menschen, der je gelebt hat, nennt..
Dieser eigenthümliche Mann scheint also der Verfasser unserer Schrift zu sein. In die- ser gibt er sich selbst als Franzosen zu erkennen, indem er sagt, das Land hiesse eigentlich Holtland, qui signifie en notre langue pays de bois.
Die Schrift zerfällt in drei Theile: Die Lage der Provinzen, das heisst die Neigung der Einwohner, ihre Religion und Regirung, 2. die Stärke und Schwäche der Provinzen und zuletzt ihr wahres Interesse in der gegenwärtigen Zeit.
Der sachliche Inhalt der Schrift kann im wesentlichen unberücksichtigt bleiben, da er nicht unserem Verfasser, sondern Temple angehört. Le Vasseur begeistert sich für die Ver- fassung. Die Regirung, meint er, ist die beste, da sie friedlich ist im Gegensatz zu der mo- narchischen. Diese vorzügliche Verfassung schreibt sich schon von den alten Batavern her; da gab es nach Tacitus Schilderung einen König, principes et le peuple. Die Stelle des ersten nimmt jetzt der Statthalter ein, die zweiten sind die Stände, und das Volk repräsentiren les magistrats et conseils des villes. Diese Verfassung, der Friede und der Handel hängen eng zusammen. Mit besonderer Vorliebe spricht er von den Oraniern, die Kämpfe derselben mit den Staaten und das immer noch starke Misstrauen gegen Wilhelm übergeht er seinem opti- mistischen Standpunkt gemäss mit Stillschweigen.
Der Charakter des Volkes ist ganz vorzüglich. Einige Kauffeute sind so aufrichtig, dass sie für ihre Waaren nicht mehr fordern, als sie als letzten Preis haben wollen, sie nehmen nicht mehr, selbst wenn man es ihnen geben wollte. Jetzt ist dies allerdings anders geworden durch die vielen Fremden, besonders Franzosen, welche, an Uebertheuerung gewöhnt, weniger bieten, als gefordert wird.
Auch von dem Handel hat le Vasseur die beste Meinung. Nur einmal berührt er einen


