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kommen, Temples Buch zu excerpiren und zu benutzen, um ein Werk zu schreiben, erfüllt von Begeisterung für Holland und besonders die Oranier mit entschiedenster Tendenz gegen Frank- reich, gegen den Katholicismus! Ebenso ist es eine Schwierigkeit, dass er 1690 dies Buch geschrieben haben und erst 1695 nach Holland gekommen sein soll. Aber unsere Quellen über seine Persönlichkeit sind auch im höchsten Grade einseitig, indem sie vom katholischen Standpunkt aus den katholischen Kirchenhistoriker darzustellen suchten. Es mögen da grosse Lücken sein, Dinge, die sie uns nicht erzählen und nicht erzählen können.
Da der Verfasser Temple stark benutzt hat, so ist es trotz der lokalen Färbung, trotz der hübschen Schilderungen, die zu dem Glauben veranlassen könnten, das kann nur ein Augen- zeuge geschrieben haben, nicht nöthig, dass er in Holland vor der Veröffentlichung der Schrift lebte. Was er an eignem Material hat, kann er immerhin als Mitglied einer französischen Congregation wissen. Und warum sollte er nicht vorher einmal als Priester in den Niederlanden gewesen sein? Auf eine geistliche Bildung lässt schliessen, dass die Partien, in denen er am selbständigsten ist, religiöse Dinge behandeln, da zeigt er kirchenhistorische Kenntnisse, mit deren Hülfe er die Anmassungen der Jesuiten zurückweist. Merkwürdig wäre es, dass unsere Schrift ein Katholik geschrieben, der allerdings, wenn auch erst in demselben Jahre, aus seiner Congregation austrat, aber aus seinen 1688 und 1689 geschriebenen Büchern treten uns Ansichten entgegen, die den in unserer Schrift aufgestellten nicht entgegen sind. In allen spricht er sich für ein reines, geistiges Christenthum aus, in unserer mit Anführung von Bibel- stellen, in allen gegen die Sektirer, die Socinianer und Arminianer; an vielen Stellen unserer Schrift ist der Ton salbungsvoll, priesterlich.
Seine Ansichten sind dieselben geblieben nach seinem öffentlichen Uebertritt zur angli- kanischen Kirche. Ein späteres Werk von ihm führt den Titel Lettres et mémoires de François de Vargas, de Pierre de Malvenda et de quelques evéques d' Espagne touchant le concil de Trente. Traduit de l'espagnol avec des remarques par Michel le Vassor. Amsterdam. Er gibt die Schrift heraus, um die Gegner auch in ihren letzten Verschanzungen anzugreifen, er trachtet nach einem freien Concil, wie die ersten Reformatoren es verlangt haben, spricht von den guten Christen, den Hugenotten, die alles verlassen haben, um die Reinheit der Lehre zu bewahren. Dann kommt er darauf, was in unserer Schrift das ceterum censo ist, dass früher Spanien der Freiheit Europas gefährlich gewesen, und dass jetzt Frankreich an die Stelle des Hauses Oest- reich getreten ist.
Sein letztes mir bekanntes Werk ist histoire du règne de Louis XIII. par Michel le Vassor. Seconde édition. Amsterdam 1700— 1711. 10 Bände. Die Tendenz, soweit bei solchem grösseren Werke davon die Rede sein kann, ist die nämliche, wie in obigen Schriften. Gewidmet hat er dies Werk seinem Schüler, dem Vicomte de Woodstock, dem Sohne des Grafen Portland. Dieser hiess ursprünglich Bentink, war Minister Wilhelms und erst nach dessen Erhebung zum König von England Graf geworden. Auch diese Widmung begeistert sich für den grossen Fürsten Wilhelm, wie für seine Vorfahren und für das theure und berühmte Vaterland des Vicomte, dessen muthige Anstrengungen er erzählen will. Auffallend ist, wie er als Franzose der französischen Regirung auch hier feindlich gegenübersteht im schärfsten Gegensatz zu der staunenden Bewunderung und der niedrigen Schmeichelei, mit welcher die damals in Frankreich gedruckten Schriften den König feiern. Er bezeichnet als seinen Hauptzweck zu zeigen, wie man sich nach dem Tode Heinrichs IV. bemüht hat, die geringe Freiheit, die noch in Frank- reich blieb, zu vernichten, den Klerus, den Adel, das Volk zu unterdrücken, endlich den Grund


