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Meinung ist diese Ehe von Ludwig gestiftet und kostet ihm 160 000 Reichsthaler, wodurch er in England eine Kreatur und einen Prinsen, der des Königs Eidam ist und immer zu seinen Diensten stehen wird, erworben. Bis zur Geburt des Prinzen von Wales hat er ihn mit Hoff- nungen gespeist, indem er ihm Volk und Geld versprochen hat, um nach dem Tode Jakobs den Thron zu erlangen. Ob der Prinz von Wales echt sei, wird mit dem Satze:„dafern er ein rechter Kronprinz zu nennen ist“ in Zweifel gezogen. Nur bezweifelt, während die Feinde Lud- wigs und Jakobs als sicher annahmen, dass das Kind untergeschoben sei. Unser Verfasser ge- hört zu den entschiedensten Feinden Ludwigs, nach seiner ganzen Art musste man erwarten dass er, der sich sonst nicht scheut, unerwiesene Behauptungen als wahr anzunehmen, auch in der Geburt dieses Kindes eine Erfindung des französischen Geistes sehen werde. Aber er ist Katholik und nimmt als solcher Rücksicht auf den katholischen König von England.
Im Widerspruch damit steht das Lob, mit dem er die grosse und tugendhafte Prinzes- sin von Oranien überhäuft, die Gott vielleicht als eine zweite Judith, um den Friedensstörer der ganzen Christenheit des Lebens zu berauben, ausersehen hat. Ihr Gemahl, der Prinz von Oranien, der grosse Staatsmann und tapfere Held, ist der einzige, vor welchem sich der fran- zösische Geist fürchtet, besonders die Gedanken der Nachfolge der Prinzessin auf den englischen Thron verursachen ihm gewaltige Grillen im Kopf. Um ihm den Pass nach England zu ver- wehren, sucht Ludwig das Bündniss Dänemarks.
Das Kapitel schliesst mit dem Wunsche, dass ein guter Oculist die Schuppen von den Augen mancher Fürsten nehmen möge, damit sie sich nicht mehr von Frankreich blenden lassen, sondern ihm eine kleine Wagschale halten. Solches in's Werk zu setzen, ist es um einen ein- zigen Streich zu thun, den ich jedoch verschweigen will. Natürlich meint er mit dem Streich das Unternehmen Wilhelms gegen England. Die Sache in ein geheimnissvolles Dunkel zu hüllen, war nicht nöthig, denn die Schrift hat schon vorher davon gesprochen und sagt selbst von dem Streich, dass ganz Europa ihn sehe. In der That war der Plan Anfang Oktober zur Abfassungs- zeit unserer Schrift kein Geheimniss mehr.
Nachdem im folgenden Kapitel die Thätigkeit des päbstlichen Nuntius gerühmt ist, der die Streitigkeiten der Schweizer beigelegt habe, und nachdem diesen guten, aber groben und rauhen Leuten die Augen in Betreff des französischen Geistes geöffnet sind, wird zuletzt der Nachweis versucht, dass Ludwig nichts weniger als gut katholisch sei. Um dies zu erhärten, wird sein unsittliches Leben und seine barbarische Kriegführung besprochen. Den Eidschwur, den Frieden mit den Reformirten betreffend, hat er verletzt, und die katholische Kirche erkennt denjenigen Fürsten, der sein eigenes Volk verfolgt, nicht als ein wahres Glied ihres Leibes an, denn die wahre Kirche kann wol verfolgt werden, aber niemanden verfolgen. Dass der Kaiser in Ungarn dasselbe that, erwähnt der Verfasser wolweislich nicht, vielmehr macht er Ludwig das Bündniss mit Graf Tököly und den Türken zum Vorwurf. Dass er eben die schönsten Grund- sätze der Toleranz gepredigt hat, vergisst er vollständig, indem er sagt, Ludwig habe wegen seines Pochens und Schnarchens gegen des heiligen Petri Nachfolger das Feuer gar wohl verdient,
Am Schluss folgt ein dramatisches Gedicht, betitelt: Geheimes Cabinet Frankreichs, ent- deckt durch Mercurium 1689. Die Tendenz ist, darzustellen, wie gefährlich die Lage Frank- reichs sei, und so zur Ermuthigung der Feinde desselben beizutragen. Geschrieben ist das Gedicht im April 1689, das grosse Ereigniss, welches in der Flugschrift selbst nur angedeutet ist, ist eingetreten, Jakob ist aus England vertrieben und eine der Personen des Gedichts, welches am französischen Hofe spielt.


