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fordert. Nach den vereinigten Niederlanden schickt man einen grossen Plauderer, der sich des holländischen Frauenzimmers Gunst empfiehlt, weil man von diesen Damen, die eine grosse Macht über den Geist ihrer Männer haben,(dass bei den Holländern die Frauen das Regiment führen, davon ist auch der Verfasser der dritten Schrift überzeugt) öfter etwas erfahren kann. Für die Höfe in Deutschland erwählt man besonders starke und dauerhafte Leute, welche den Wein ertragen, da es öfter geschieht, dass bei dem Trunk, wenn der Wein zu operiren anfängt, die Wahrheit entdeckt wird, Ebenso erscheinen an den Höfen Leute, die unter dem Vorwande, dass sie wegen eines Duells aus Frankreich geflohen sind, Dienste nehmen und spioniren. Demselben Zweck dienen die Verheiratungen mit französischen Prinzessinnen. Der französiche Geist ist immer fertig, weil er zu jeder Frist ganze Armeen hat, jedes Vorhaben in's Werk zu setzen.
Das zweite Kapitel, Frankreichs Geist in Betrachtung des heiligen Vaters, stellt das Ver- hältniss der beiden in den letzten Jahren richtig dar. Allerdings sieht es nur den Zwiespalt beider, keine Kenntniss hat er von den Verhandlungen im Frühling 1687, deren Grundlage die Solidarität des katholischen Interesses und deren Zweck war, unter Vermittlung des Pabstes die Häuser Bourbon, Oestreich, Stuart zur Vernichtung der Ketzer, zunächst der Generalstaaten zu vereinigen. Es ergibt sich, dass der Verfasser Katholik ist, ohne allerdings von grosser Ehrfurcht vor dem heiligen Vater, den er einen recht räsonablen Herrn und Biedermann nennt, erfüllt zu sein. Dass er katholisch ist, hindert ihn nicht, sich gegen die Verfolgung der Reformirten in Frankreich auszusprechen, die Bekehrungen müssten vermittelst der Vernunft und der guten Exempel, nicht durch Dragoner und Henkersknechte, am allermeisten aber kraft eines frommen und stillen Lebens geschehen, welches gerade bei dem französischen Klerus nicht gefunden würde.
Der erste Theil des dritten Kapitels enthält ausser den Beschuldigungen, dass Ludwig, mit den Türken im Bunde, selbst mit türkischer Grausamkeit Krieg führe, dass er die Streitig- keiten zwischen dem Kaiser und anderen Fürsten veranlasst habe, und dass er nach der Kaiser- krone trachte, zwei Geschichten von Verräthereien, welche die N. N. während des letzten Krieges begangen. Solche geheimnissvollen N. N., mit denen sich der Verfasser wichtig macht, kommen häufig vor.
Um zum Kaiserthum zu gelangen, sucht Ludwig die Kurfürsten zu gewinnen, aber das heroisch blühende Gemüt des jungen Prinzen von Baiern(es ist Max Emanuel gemeint, seit zehn Jahren Kurfürst) hat sich von Frankreich abgewendet, mit Ihro siegprangenden kaiser- lichen Majestät Leopolds Tochter verehelicht und in Ungarn so viel Lorberkränze, als Tage im Jahre sind, erworben. In dem verstorbenen grossen Kurfürsten sieht der Verfasser einen Verbündeten Frankreichs. Die Verfolgung der Reformirten hätte ihm freilich die Augen ge- öffnet, wenn sie ihm der französische Gesandte nicht wieder geschlossen hätte. Und doch weiss ich wohl, dass der französische Gesandte den Anschlag zum Tode des Prinzen Ludwig gegeben, und glaube, dass dem jetzigen Kurfürsten die Ursache seiner Krankheit mehr als zu bekannt ist. Dass der Prinz vergiftet sei, darüber schwirrten allerdings genug Gerüchte, unserer Schrift passt es, die Schuld auf Frankreich zu wälzen. Bei der Besprechung der anderen Kur- fürsten fällt das Lob auf, welches dem Charakter des verstorbenen Kurfürsten von Köln, der wie kein andrer Reichsfürst dem französischen Iteresse zugethan war, gezollt wird. Die nächst liegende Erklärung ist wol, dass er als Katholik einen deutschen Erabischof nicht streng beurtheilen mochte, alle Schuld wird auf den Cardinal von Fürstenberg gehäuft, der vom


