Aufsatz 
Bericht über drei Flugschriften / Hirschberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Persönlichkeit lässt sich aus dem ganzen nur schliessen, dass er ein gelehrter Jurist und aus der Erwähnung der Tyrannei des Papstes, dass er evangelisch war.

Zum Schluss noch eine Bemerkung über die zehn Reichsstädte im Elsass, die der He fasser, da sie schon vorher von Frankreich besetzt waren, wenig berücksichtigt. Durch den Artikel tertio Imperator erhielt Frankreich auch die Landvogtei der zehn Städte(praefectura provinciali decem civitatum imperialium) Hagenau, Colmar, Schlettstadt, Weissenhurg, Landau (in der Pfalz), Oberehnheim, Türkheim, Rossheim, Kaisersberg, Münster im Gregorienthal. Allerdings war durch den Artikel teneatur bestimmt, dass sie reichsfrei bleiben sollten. Dieser feine Unterschied war für deutsche Staatsrechtslehrer, aber nicht für den König von Frankreich verständlich. Er hatte dieselben bereits 1674 besetzt. Bei den Verhandlungen zur Ausführung des Nimweger Fricdens suchten die kaiserlichen Gesandten zu behaupten, dass der Friede zu Münster nicht so hart auf die Abtretung der zehn Städte dringe. Als sie aber sahen, dass die Franzosen fest darauf bestanden, dass man ihnen diese Plätze in Münster und Nimwegen ver- sprochen, gaben sie nach.

Ganz andrer Art ist die zweite zu besprechende Flugschrift. Mit grosser Gelehrsamkeit scheint der Verfasser nicht ausgerüstet, die Beispiele nimmt er nur aus der Gegenwart, er wendet sich offenbar an das grössere Publicum in der Absicht, es vor dem schrecklichen Frank- reich zu warnen.

Der volle Titel lautet: Frankreichs Geist oder des jetzt regierenden Königs Ludwigs XIV. allergeheimste Staatsmaximen, aus dero secretestem Cabinet hervorgesucht und bei gegenwärtigen Conjuncturen dem ganzen Europa geoffenbart, worin zugleich enthalten, wie die Krone Frank- reich vermittelst seiner Abgesandten, Envoyen, Residenten und anderer dergleichen Bedienten mehr, so allenthalben an den fürstlichen Höfen gleich den Bienen umherschwärmen, sich auf den allgemeinen europäischen Regierungswagen zu zwingen sich vermeint. Köln, Bei Peter Marteau. 1689. Letzateres ist pseudonym und findet sich auch auf anderen gleichzeitigen Flug- schriften. Dieselben sind wol in den Niederlanden gedruckt, denn in dem vom französischen Einfluss beherrschten Köln wären derartige Schriften nicht geduldet. Die Schrift enthält 108 Quartseiten nebst einem poetischen Anhang von 16 Seiten. Aus beiläufigen Aeusserungen Seite 19. 37. 77. lässt sich schliessen, dass sie Anfang Oktober 1688 geschrieben ist, und dies stimmt auch mit der Anführung der Thatsachen, auf welche der Verfasser sich bezieht. Doch hat er von dem französischen Kriegsmanifest(24. September) noch keine Kenntniss, erwähnt wird nur der vor der Kriegserklärung im vorigen Monat September erfolgte Einfall in die Pfalz.

Kapitel 1. Frankreichs Geist in Ansehung des ganzen Europas. Frankreich ist von dem Jucken, seine Herrschaft von einem Ende Europas bis zum andern zu erswecken, besessen. Bei ihm gilt kein Friede noch Stillstand, weder Zusage noch Eid. Die Macht, welche helfen könnte, sind die Niederlande, diese haben bereits einmal mit England und Schweden durch die Tripleallianz Ludwig gezwungen von seinem Unternehmen abaustehen. Dass der Verfasser noch in dem Irrthum befangen ist, die Tripleallianz habe Frankreich zum Zurückweichen ge- zwungen, ist erklärlich. Auffallend erscheint, dass er und z. B. auch die dritte Flugschrift eine so hohe Meinung von der Bedeutung der Generalstaaten haben, trotzdem sie durch die Ereignisse seit 1672 eines andern belehrt sein sollten. Es zeigt, wie lange es dauert, bis selbst die handgreiflichsten Thatsachen eine Aenderung in der einmal vorgefassten Meinung veranlassen. Die Schrift fährt fort; Dass Frankreichs Politik so wohl geräth, rührt daher, dass es an die Höfe nur hochtückische Leute sendet, wie es die Beschaffenheit des Ortes