Aufsatz 
Die Vereine der fabri, centonarii und dendrophori im römischen Reich : I. Die Natur ihres Handwerkes und ihre sakralen Beziehungen : mit einem Anhang, enthaltend die Inschriften / von Hermann C. Maué
Entstehung
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diese merkwürdige Thatsache aufmerksam gemacht, und doch möchte ich glauben, daß dieselbe einen Fingerzeig gibt für die Geschichte dieser weitverbreiteten Zunft ¹z).

Eine Handwerkerzunft lateinischer Benennung, welche die Holzlieferung zu besorgen hatte, existiert nämlich neben den dendrophori nicht. Man muß daher annehmen, daß die Hand- werker, welchen von jeher die Holzlieferung oblag, erst dann den griechischen Namen erhielten, als sie zur religiösen Bruderschaft der Cybele oder Magna Mater wurde. Der Dienst derselben wurde zwar schon im J. 204 v. Chr. in der Stadt eingeführt. Mit demselben scheint, wenn auch noch in bescheidenen Grenzen, der zu ihrem Cultus gehörige Apparat nach Rom verpflanzt worden zu sein. Für unsere Frage erscheint in dieser Beziehung besonders interessant, die Aus- prägung eines Denars durch den Consul v. 204 Cethegus, auf welchem Attis, auf einem Bock reitend und einen Astauf der Schulter tragend, dargestellt ist(St.-V. III. p. 368 A. 5). Jedoch beschränkte der Senat mit großeer Vorsicht diesen fremdländischen Dienst soviel als mög- lich. Obwohl die Pessinuntische Göttin die staatliche Anerkennung erhielt unter der Fiction, daß sie die Magna Mater, d. i. die Maia oder Ops, die Frau des Saturnus sei ¹⁶), mußte ihr Priester ein Phrygier, ihre Priesterin eine Phrygierin sein. Deren Gehülfen, die Galli, waren

Diese hier gemeinte Göttin war ursprünglich ganz verschieden von der ächt italischen und römischen Kriegs- göttin Bellona und Duellona und hat ihre Heimat in Klein-Asien. Eine Art von Mond- und Naturgöttin, deren Haupt- sitz Comana in Cappadocien war(Hirt. Bell. Alex. 66),»wurde sie von Staatswegen nach Rom verpflanzt, wo Sulla, den sie im Traum zum blutigen Triumph über seine Gegner vor seinem Einzug in Rom im J. 83 ermuntert hatte, ihren Cult besonders befördert zu haben scheint«.[Vgl. über sie Marquardt, St.-V. III, 75 f.]»Man übertrug auf sie den alten Namen der Bellona, während ihr Dienst von einem Collegium cappadocischer Priester.... ver- sehen wurde, welche an den Festen der Göttin Aufzüge durch die Straßen hielten, in ihrem Tempel sich unter Laufen, Toben und Rasen um den Altar zugleich an Armen und Lenden verwundeten und unter Pauken und Trompetenschall weissagten.«(Becker p. 48)[Vgl. auch Juv. Sat. IV, 123 f.»sed ut fanaticus oestro Percussus, Bellona, tuo divinat«.] Offenbar aber ist im Volksglauben diese asiatische, orgiastisch verehrte Gottheit, wie schon die Erzählung von Sulla zeigt, ganz verschmolzen mit der altitalischen Kriegsgöttin, und die fremde Gott- heit, die wie die Pessinuntische Göttin einen altlateinischen Namen annahm, galt für identisch mit ihr. Wenn nun auch die Verehrung der altitalischen Kriegsgöttin in ihrem Tempel außerhalb des Pomoerium, vor welchem die columna bellica stand, keine Veränderung erfuhr und in der alten Weise fortgesetzt wurde, so ist doch sicher, daß der orientalische, fanatische Dienst*) der Göttin bei der großen Anziehungskraft, welche die orgiasti- schen Dienste in der späteren Republik und in der Kaiserzeit hatten, bei weitem überwog. Daher wurde die Bellona in dieser Zeit allenthalben in orgiastischer Weise verehrt: ihre Priester veranstalteten in schwarzen Kleidern lärmende Aufzüge, verwundeten sich mit Beilen und vergossen ihr Blut zum Opfer, und unter wildem Lärm von Waffen, Pauken und Trompeten weissagten sie(St.-V. III, p. 76). Was ist also natürlicher, als daß in Analogie zu den Baumträgern bei den Attisprocessionen, so hier bei der Bellonafeier Lanzenträger auftraten. Die hasta in Verbindung mit der Göttin der Kriegswut,(bei Plut. Sulla 9 wird sie Evo genannt), ist etwas sehr Natürliches: zum Überfluß möge an die Stelle bei Tibull. I, 6, 49 erinnert werden, wo es von einer weissagenden Driesterin der Bellona heißt:»Statque latus praefixa veru, stat saucia pectus«. Daher sind die hastiferi keines- wegs mit den dendrophori zu identificieren, sondern gehören gleich den cistophori(vgl. Or. 2318 cistophori aedis Bellonae Pulvinensis) zu dem chorus furentis Bellonae, wie Juvenal(VI, 512) das Gefolge dieser Göttin nennt. Ganz in ähnlicher Weise gehören die cannophori zum Gefolge der Magna Mater(vgl. Henzen, Indices p. 171) und die pastophori(Apul. Met. XI, 17; 27; 30) zu dem der Isis.(Vgl. über sie noch Boissier, I, p. 372.)

*) Fanatici de aede Bellonae Pulvinensis(vgl. darüber Marquardt St.-V. III, 76 A. 4 u. 5).

¹⁵) Erst später ersah ich in der mir erst nach obiger Bearbeitung bekannt gewordenen Abhandlung v. O. Hirschfeld, p. 12(248), daß der Verf. ebenfalls der Ansicht ist, daß die dendrophori»ihren griechischen Namen wahrscheinlich ihren Functionen im Culte der Magna Mater verdanken«.

¹⁰) St. V. III, 369. Khnlich mußte sich wie wir A. 14 gesehen, die Comanische Göttin, um die staat- liche Anerkennung zu finden, die Identificierung mit der Bellona gefallen lassen.