Aufsatz 
Die Vereine der fabri, centonarii und dendrophori im römischen Reich : I. Die Natur ihres Handwerkes und ihre sakralen Beziehungen : mit einem Anhang, enthaltend die Inschriften / von Hermann C. Maué
Entstehung
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. Für die Römer selbst waren ja dergleichen Bezeichnungen, namentlich für die zu Collegien ver- einigten opifices unzweideutig: wir können erst mit Hülfe von mancherlei Nebenumständen und Combinationen zum richtigen Verständnis gelangen, und manche collegiati wie die utricularii die m. E. allerdings sicherlich Schlauch(floß)schiffer waren(n. 218. 223) sind immer noch nicht genügend aufgeklärt. Ahnlich wie die cisiarii und lecticarii nicht Wagen- und Sänften- macher, sondern Kutscher und Sänftenträger gewesen seien, so seien die centonarii nicht»Kissen- faprikanten oder gar Flickschneider«,»sondern eine Vereinigung von Männern gewesen, die ihren Namen nach den centones führen, von denen sie einen dem Gemeinwesen förderlichen Gebrauch zu machen sich verpflichtet haben«. Mit andern Worten: sie seien gar keine Handwerker, sondern als»freiwillige Feuerwehr« zu erklären.

Der Beweis dafür scheint mir keineswegs gelungen, im Gegenteil: es lassen sich Gründe genug dafür anführen, welche die centonarii als ein den beiden andern ganz adaequates Kolleg erscheinen lassen. Denn:

1. sind die fabri wie ja auch Hirschfeld(p. 8,(244)) zugibt Producenten; nicht minder sind die dendrophori, wie wir im folgenden Kapitel nachweisen werden, eine Handwerker- gilde, folglich müssen die an zweiter Stelle genannten ebenfalls eine solche sein.

2. Es wäre ganz unverständlich wollten wir Hirschfelds Ansicht adoptieren wes- halb in dieser Verbindung von drei Collegien, die doch anerkanntermaßen zu dem Zweck, den Löschdienst zu versehen, geschlossen wurde(so auch nach Hirschfeld, vgl. p. 6(242), wo- selbst die Zeugnisse), eines derselben, und zwar das conseduent an zweiter Stelle genannte 24), noch einmal besonders das Colleg der Freiwilligen Feuerwehr genannt wurde. Daau soll dieses zweite Colleg in seinen Mitgliedern im ganzen identisch mit den fabri gewesen sein.

lIch kann mir überhaupt gar nicht vorstellen, wie Hirschfeld sich das Verhältnis der fabri zu den centonarii denkt, wenn er sagt, daß die Mitglieder des coll. centon. wohl zugleich dem coll. fabror. angehören mußsten und meist das erstere aus dem letzteren hervorgegangen sein werde. Scheint es wohl verständlich, wenn ich mit Ubersetzung der Namen sage: den Lösch- dienst hatten in den Landstädten die Vereine der Zimmerleute, der(freiwilligen) Feuerwehr, oder sagen wir lieber, um dem Wortbegriff näher zu kommen: der Centolöschmannschaft und der Holztransporteurs zu besorgen, die Centolöschmannschaft und die Zimmerleute, auch wohl die Holztransporteurs(vgl. p. 12(248)) sind aber dieselben Personen?

3. Alles weist bei den centonarii auf eine ganz selbständige und den fabri coordinierte Bedeutung hin. Es gibt zu Ehren eines und desselben Mannes ganz gleichlautende Inschriften, die eine von dem coll. fabr., die andere von dem coll. centon., so aus Industria(n. 171 u. 172), aus Sentinum(n. 97 u. 98) und aus Ariminum(n. 30 u. 32).

4. In Mediolanium wurden die officiellen Schriftstücke der fabri und centonarii nach den Jahren seit der Verschmelzung der beiden Collegien(concordiae eorum) zu einem collegium datiert 35). Wie wäre eine solche Datierung möglich, wenn nicht beide früher zwei selbständige Handwerkervereine gewesen wären? Seit ihrer Verschmelzung haben sie gemeinsame Kasse und Vorstände. Wären aber, wie Hirschfeld will, fabri und centon. dieselben Personen, so müßte doch

³⁴) Die Abweichungen auf zwei Steinen von Brixia(n. 150 u. 151) kommen gegen den constanten

sonstigen Gebrauch nicht in Betracht. ²³) Vgl. n. 177 und ebendaher zum Zeugnis der Verschmelzung den sing. eidem coll. in n. 179 u.

collegium fabrum et ſcent.] in n. 180. 3