Aufsatz 
Die Vereine der fabri, centonarii und dendrophori im römischen Reich : I. Die Natur ihres Handwerkes und ihre sakralen Beziehungen : mit einem Anhang, enthaltend die Inschriften / von Hermann C. Maué
Entstehung
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Auch Burmann zu Petron. 45(I., p. 289 f.) gelangt zu einer falschen Ansicht von dem Zweck der Verbindung der drei Collegia miteinander, erklärt aber auch das Handwerk der centonarii in ganz sonderbar verkehrter Weise. Nachdem er festgestellt, daß wir durch die alten Schriftsteller über sie nichts erfahren und aus den Inschriften bezüglich ihrer Thätigkeit nichts entnehmen können, schließt er aus ihrem Zusammenhang mit den fabri, daf sie selbst zu den fabri gehörten. Und zwar sollen sie diejenige Art fabri sein, welche die einzelnen von andern fabri behauenen und geglätteten Balken zu einem ganzen Bau zusammenfügen, wie andere Arbeiter, welche Kleider für die Armeren aus einzelnen Lappen machen, auch diesen Namen führten. Er rechnet also die centonarii geradezu zu den fabri und nimmt das Wort in über- tragener Bedeutung, als ob es gar nicht der ursprüngliche Name für das Handwerk wäre. Wie die»Flickschneider«, weil sie aus mannigfaltigen Lappen, die Centonendichter, weil sie aus mannigfaltigen Homer- und Virgilstellen ihre Werke zusammensetzten, den Namen centonarii führten, so hätten auch die»fabri centonarii« diesen Namen getragen, weil sie ihre Bauwerke aus mannigfaltigen Balken zusammensetzten, die schon von andern bearbeitet waren. Die Unmög- lichkeit dieser unwissenschaftlichen Deutung liegt so sehr auf der Hand, daß wir sie nicht be- sonders zu widerlegen brauchen.

Im übrigen spricht auch Marquardt(St.-V. II., p. 530, A. 5) von fabri centonarii. Da- gegen ist zu erinnern, daß die centonarii trotz ihrer engen Verbindung mit den fabri doch nicht zu den fabri gehören und auch nicht als solche galten. Die fabri haben nur mit hartem Material zu thun. Das Wort centonarii steht niemals appositionell mit fabri verbunden, sondern immer ganz coordiniert durch»et« verbunden, und nur wenn dendrophori folgt, asyndetisch. In der Regel stehen die fabri in den Inschriften an erster Stelle, doch in der Inschrift aus Brixia C. J. L. V., 4454 und 4459= 150 und 151, heißt es: collegia centon. et fabror. 5⁹).

Ich hatte bereits alle nötigen Vorarbeiten beendet, um außzeer den andern unsere Vereine berührenden Fragen in einem besonderen Abschnitt auch die ihnen obliegende Verpflichtung zum Feuerwehrdienst eingehend zu behandeln, da wurde mir erst die oben citierte Arbeit von 0. Hirschfeld bekannt, welche gerade diesen Punkt sich zur Darstellung nimmt. Ein Eingehen auf denselben gehört ja nicht zu dem Thema der vorliegenden Abhandlung, allein Hirschfeld legt den centonarii in seinem Aufsatz eine von allen bisherigen Annahmen und auch von der oben dargestellten vollständig abweichende Bedeutung bei. Bei der Gewichtigkeit, welche das Urteil des ausgezeichneten Epigraphikers beanspruchen darf, halte ich es für geboten, auf seine Deutung von den centonarii hier einzugehen.

Hirschfeld(p. S f., 244 f.) geht aus von der allerdings richtigen Thatsache, daß die Namen mancher zu Collegien vereinigter Handwerker eine doppelte Auffassung zulassen; nämlich man könne sie auffassen als Producenten oder als solche, die von dem im Namen liegenden Sach- begriff eine berufsmäßige Anwendung machen. Wir werden selbst weiter unten uns in dem Beispiel der plostrarii für die letztere der beiden möglichen Auffassungen zu entscheiden haben.

³³) Aus der von dem inschriftl. Gebrauch abweichenden Aufeinanderfolge in der Constantinschen Ver- ordnung(Cod. Theod. XIV, 8, 1), welche Hirschfeld in seinem gleich zu besprechenden Aufsatz p. 21(257) A. 1 offenbar zu Gunsten seiner Auffassung von den centonarii hervorhebt, ist m. E. nichts zu folgern. In dem Edikt handelt es sich um die dendrophori, und da diese in der Verbindung der Collegien regelmäßig den 3. Platz einnehmen, so läßt das Edict, da einmal mit den dendrophori angefangen ist, die umgekehrte Aufeinander- folge eintreten.