13 war, wie auch die praktische Verwendbarkeit mußte eine Herstellungsweise von Tuchen zum persönlichen Gebrauch ausschließen, welche zum Princip machte, was sonst nur Not und Armut entschuldigen ließ. In älterer Zeit mögen ja die centones wirklich so entstanden sein, und manche Nachricht(s. u.) weist auch auf ein Aneinandernähen der einzelnen Lappen hin; allein für die Kaiserzeit möchte ich annehmen, daß die gewebten Lappen auseinander gezettelt und die so gewonnene Wolle ohne jedes Gewebe ineinander gefilt wurde. Damit ist nicht ausgeschlossen, daß centones, bei welchen es auf gefälligeres Kußere nicht ankam, so z. B. die- jenigen zum Löschen von Bränden, noch in der alten einfacheren Weise durch Aneinandernähen ²⁰) oder auch durch sackartiges Aufeinandernähen von zwei Teilen, zwischen welchen eine Füllung lag ²¹), hergestellt wurden. Die Technik des Filzens ist aber ebenfalls eine einfaché und uralte. Freilich sind wir über diese Technik bei den Alten sehr mangelhaft unterrichtet 22). Doch wird diese Ansicht auch noch durch manche Ausdrücke in unsern Berichten über die centones unter- stützt. Der technische Ausdruck für das Durcheinanderarbeiten der Haare zu Filzen ist»cogere«, daher diese Kunst»ars coactiliaria«?2s8). Diesem terminus entspricht vollkommen der im ange- führten Scholion zu Aristophanes gebrauchte Ausdruck: ol εꝓν τπα⁴αειινν συωσνν˙εσσσιιιινο‧ der zwar vom Scholiasten auf Personen bezogen, jedoch von der Sache, den Centonen, erst auf dieselben ſibertragen ist. Dieses Wort, welches Stephanus s. v. mit»concretus, conglomeratus« glossiert, wird in einer ganz analogen Verbindung vom Zusammenballen der gekrempelten Wolle zu einem Knäuel gebraucht ²4). Ebenso ist der Ausdruck bei Columella I. I.»centonibus confectis« sicherlich nur eine dem gewöhnlicheren»coactis« synonyme Variation. Wäre das Aneinandernähen die regelrechte HHerstellungsweise, und wäre diese Vorstellung von der Bereitung mit dem Begriff cento verbunden gewesen, so hätte Apuleius a. d. ob. a. St. nicht»sutilis« zu centunculus hinzuzufügen brauchen. Auch spricht die Angabe an der oben genannten Stelle des Columella, daß die centones vor dem Regen schützen, also wasserdicht sein müssen, entschieden für die filzartige Beschaffenheit des Stoffes. In dieser Hinsicht stehen nach der angef. St. die centones den Lederkamisolen und Lodenkapuzen gleich.
Den sichersten Beweis für unsere Annahme von der Bereitung der centones liefert die Thatsache, daß in allen alten Glossarien ²⁵) das Wort cento selbst wie seine Nebenformen centrum und centunculus mit filtrum, felt, feutre oder drapel a fole d. i. Filz erläutert wird. Das Wort reνoueloy des Neu-Griech. ist nach den bei Du Cange angeführten Stellen gleichbedeutend mit Filz²⁰).
²⁰) Freilich würde auch hier eine Filzdecke wegen ihrer größeren Dichtigkeit den Zweck besser erfüllen-
²1¹) Vgl. die ob. citierte Stelle b. Vitruv. 10, 14.
²²) Vgl. Blümner I, p. 211 f. Marquardt, Priv. II, p. 485 f. Das Handwerk der centonarii ähnelte also sehr einem wichtigen Teil der Thatigkeit der fullones(vgl. Blümner I, 157 f.), und wie diese zum Verfilzen der Gewebe viel Wasser bei ihrem Handwerk brauchten(Frontin. de aq.§ 94) und sich daher zu Brunnencollegien zusammenthaten(s. Blümner I, 161, A. 6, Marquardt, Privatl. p. 513), so brauchten auch die centonarii zum Filzen viel Wasser, und dies war vielleicht noch ein anderer Gesichtspunkt, von welchem aus sie zum Löschdienst mit herangezogen wurden.
²³) S. die Stellen bei Blümner I. l. u. Marquardt I. J.
²⁴) Aristoph. Lys. 584 f. derν μd rouro dvτνν το dτανμα dα⁵ναας dεν ν⁴eνdᷣ έᷣeν να Gνπανιε σ⁶ςεαν εd Bv, ædππeεᷣπτυι πτοανπσσασ τοναιααιννν ue†⁴αeνλσην ν&ο raαυμ̈ns Aiuc ateraαy ö†iva.
²⁸) S. die Stellen bei Du Cange, Glossarium mediae et infimae Latinitatis, Neue Ausg. v. L. Fayre, Niort 1882 f. Bd. II, p. 264 s. v.
²⁶)„Kérrovælov, recentioribus Graecis est lana vel vestis coactilis, quam Graeci τνον vocant. Lexicon Graec. Mss. Reg. sign. 2062: IIIAo, r ν τονενον. AOv*αl˙ τπκmα⁴ιαιοσ, ˙5 evrobxoνεε u. s. w. So wird ein Filzzelt genannt: xeᷣvra drd sroνeƷov.


