Aufsatz 
Die Vereine der fabri, centonarii und dendrophori im römischen Reich : I. Die Natur ihres Handwerkes und ihre sakralen Beziehungen : mit einem Anhang, enthaltend die Inschriften / von Hermann C. Maué
Entstehung
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Livius ¹²) erwähnt. Vielleicht waren diese centunculi, wie Rich(Römische Altertümer s. v.) meint. Unterdecken unter dem Sattel, um zu verhindern, daß der Rücken der Tiere wund gescheuert wurde.

Im Kriege bediente man sich ihrer häufig, um Belagerungsmaschinen und Holzbauten ¹³). auch Schiffe ¹⁴) vor Zerstörung durch Geschosse und Feuer zu schützen. Aber auch zum Schutz gegen Durchzug, als Portieren wurden centones angebracht ¹⁵) und beim Fischfang sollten sie auf dem Boden des Kahnes den Schall der zappelnden Fische dämpfen, damit die andern Fische nicht die List des Fischers merkten ¹⁶). Die oben angeführten Stellen aus den Scholien zu Aristophanes scheinen darauf hinzudeuten, daß den Scholiasten Centonen bekannt waren, die als Packtücher zum Schutz der Lasten der Saumtiere gebraucht wurden.

Die häufigste Verwendung jedoch fanden die centones in jedem bürgerlichen Hause als Schutzmittel gegen Brand. Jeder sorgsame Hausvater besaß unter seinem Hausgerät auch einige centones und hatte immer Essig bereit stehen, um etwa entstehendes Feuer mit diesen essigge- tränkten Decken zu ersticken. Ulpian giebt an ¹⁷), daß nach Ansicht der meisten Rechtslehrer und auch des Pegasus der Essig, desgleichen die centones, Druckpumpen(siphones, eine Art Feuerspritzen), Stangen und Leitern, alles Geräte zum Löschen, zu dem instrumentum, d. h. zu dem notwendigen und bleibenden Zubehör eines Hauses gehörten. Auch zu den Löschapparaten der vigiles, der Feuerwehr in Rom, gehörten centones ¹⁸).

Nach dieser ausgedehnten Verwendung der centones ist die Häufigkeit der collegia der centonarii, der Verfertiger derselben, in Italien und den augrenzenden Provinzen selbst in kleinen Landstädtchen leicht begreiflich. Es fragt sich aber: sind Stoffe, die aus aneinander genähten, in Größe, Gewebe, Dicke und Farbe ganz verschiedenen Lappen zusammengesetzt sind, im stande, alle die im vorigen angegebenen Zwecke in entsprechender Weise zu erfüllen. Diese Frage darf wohl von vornherein verneint werden für die centones als Kleiderstoffe, in ihrer Ver- wendung als Schutzdecken für Soldaten und Pferde und als Bettdecken. Wohl mochten die Armen im Altertum so gut wie heutzutage zerrissene und vielfach geflickte und gestückte Kleider getragen haben ¹⁹), aber das einfachste Schönheitsgefühl, welches bei den Alten so stark entwickelt

1d ¹²) VII, 14:»mulis strata detrahi iubet, binisque tantum centunculis relictis agasones... imponit«. ¹3) Caes. bell. civ. II, 10 bei der Beschreibung einer Minirhütte:»Coria autem, ne rursus igni ac lapidibus corrumpantur, centonibus conteguntur«. Caes. bell. civ. II, 9:»eamque contabulationem summam lateribus lutoque constraverunt, ne quid ignis hostium nocere posset, centonesque insuper iniecerunt, ne aut tela tormentis immissa tabulationem perfringerent, aut saxa ex catapultis latericium discuterent«. Veget. de re mil. IV, 15: »extrinsecus autem(vineae), ne immisso concrementur incendio, crudis ac recentibus coriis, vel centonibus operiturs. Nach Vitruvs Beschreibung(10, 14,(20)) verwandte man als Centonen doppelte frische Häute, die aneinander genäht und mit essiggetränktem Seegras oder Spreu gestopft wurden; so dienten sie dem doppelten Zweck: »ita ab his reicientur plagae ballistarum et impetus incendiorums.

¹⁴) Sisenna bei Nonius p. 91:»poppis aceto madefactis centonibus integuntur, quos supra perpetua classi suspensa cilicia obtenduntur«.

¹5) Petron. Sat. 7:»Ut in locum secretiorem venimus, centonem anus urbana reiecit«. Iuven. Sat. VI, 121; »intravit calidum veteri centone lupanar«. Bei Martial I, 35 steht in demselben Sinn»velum« dafür.

¹6) S. die ausführliche Beschreibung bei Plin. N. H. IX, 59(85):»alio intus excipiente centonibus raptum(piscem sc.), ne palpitatio ulla aut sonus ceteros abigat«.

¹7) Digg. 33, 7, 12, 18.

¹18) Vgl. St.-V. II, p. 484, A. 6.

¹⁰) So heißt bei Apul. Metam. I, 6 ein scissile palliastrum einige Zeilen weiter: sutilis centunculus, weil bei dem vielfach geflickten Rock, die Elemente eines cento oder eines Filzrocks, d. h. die einzelnen Lappen, sichtbar sind. Weil diese Lappen aber nicht zu Filz verarbeitet, sondern aneinander genäht sind, steht ausdrücklich sutilis dabei.