Aufsatz 
Die Vereine der fabri, centonarii und dendrophori im römischen Reich : I. Die Natur ihres Handwerkes und ihre sakralen Beziehungen : mit einem Anhang, enthaltend die Inschriften / von Hermann C. Maué
Entstehung
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Deutsches Wörterbuch s. v. Auf diese Herkunft weist für unser Wort meines Erachtens ein- mal die celtische Abstammung des sinnverwandten Wortes sagum hin), anderseits aber paßt die Bedeutung des Wortes vortrefflich. Der cento würe danach schon durch das Wort charak- terisiert als ein Tuch, das nicht ein zusammenhängendes Gewebe darstellt, sondern wegen seiner Zusammensetzung aus vielen einzelnen Lappen eine Menge von Rändern oder Kanten er- kennen läßt. Denn bei der ältesten Bereitung der centones, welche durch Zusammennähen statt- fand, mußzten die einzelnen Ränder noch deutlich sichtbar sein, und diese Berandung war das charakteristische Kennzeichen gegenüber dem ein Ganzes bildenden gewebten Tuch. Daß diese Berandung für die Benennung maßgebend war, dafür zeugt auch der Gebrauch des Wortes Kante für den Rand am Stück Tuch, s. Grimm s. v., und auch der Gebrauch desselben für Spitzen (Brüsseler Kanten) weist auf»Rand« hin.

Im Celtischen muß dieser Wortstamm von großer Bedeutung gewesen sein, das zeigt das Vorkommen desselben in einer Reihe von Namen, die m. E. auf diesen Stamm zurückgehen: so Cantium(Kent= das an der Kante oder Grenze liegende Land), vielleicht auch Centrones (die gleichfalls an der äußersten Grenze des bewohnbaren Alpenlandes wohnten). Eine Reihe von Töpferstempeln, die auf gallischem Boden gefunden sind, weisen Namen auf, die sicherlich zu diesem Stamm gehören: aus Britannien: Canto(C. J. L. VII, 1330, 8); Cantaius(ibid. 1336, 225); Cintirio(ibid. 1336, 310): Cintugenus(ibid. 314); Cintusmus(ib. 315 318): Cintu... (ib. 311); in unsrer Gegend häufiger vorkommend: Cintugnatus.

Betrachten wir zunächst die mannigfaltige Verwendung der centones und vergleichen wir dann, ob diese verschiedenartigen Verwendungen sich vereinen lassen mit der gewöhnlichen Annahme uber die Herstellungsweise.

Eine häufige Verwendung fanden sie als Kleiderstoffe vorzugsweise für das untere Volk, welches bei seinen Arbeiten den Wechselfällen der Witterung besonders ausgesetzt war und daher eines wetterfesten Stoffes bedurfte ²). Seine Festigkeit und Dicke machte den Stoff aber auch besonders geeignet zum Schutzmittel in allen möglichen Verhältnissen, im Krieg und im Frieden. Caesar berichtet(bell. civ. III. 44), daß seine Soldaten vor Dyrrhachium zum Schutz vor dem lästigen Pfeilregen der zahlreichen Pompejanischen Bogenschützen sich Tuniken und Mäntel von centones machten. Auch Pferde erhielten zum Schutz gegen Geschosse Panzerdecken aus Centonen ¹⁰).

Doch dienten dieselben auch einfach als Decken in Betten, und zwar sowohl als Unter- lage, wie als Oberdecke). In der Deminutivform centunculi werden sie als Pferdedecken bei

*) Bei Cato de re rust. 135 werden auch beide Tuche nebeneinander genannt in der Nachricht, daß man in Rom die besten Kleiderstoffe resp. Kleider kaufe. Ebenso finden sich centones u. saga nebeneinander genannt bei Columella de re rust. I, 8, 9.

*) Columella de re rust. I, 8, 9:»Cultam vestitamque familiam magis utiliter quam delicate habeat, munitamque diligenter a vento, frigore pluviaque; quae cuncta prohibentur pellibus manicatis, centonibus confectis,

vel sagis cucullis«. Cato de re rust. 135(vgl. vor. Anm.):»Romae tunicas, togas, saga, centones, sculponeas«. ¹⁰) Vgl. Vegetius, ars veterinar. II, 59. ¹1) Seneca epistol. XI, 1, 8:diurnum accipit, in centunculo dormit«. Cato de re rust. 10 u. 11 in

einer Aufzählung des nõtigen Inventars für eine Olpflanzung von 240 Juchert und für eipen Weinberg von 100 Juchert je 6 centones pueris. Nach einem Vers des Lucilius bei Nonius p. 35:»Culcitulae accedunt privae centonibu' binis« scheinen 2 centones für eine Matratze nötig gewesen zu sein. Vgl. auch Jo. Gottl. Schneider z. Cato I. I. Lipsiae 1794, p. 55. Macrob. Lat. I, 6 fin.»Scrophae cadaver sub centonibus collocat, super quos uxor cubabat«. Cato b. Festus s.»prohibere«:»servi, ancillae, si quis eorum sub centone crepuit, quod ego non sensi, nullum mihi vitium facit«.