Aufsatz 
Die Vereine der fabri, centonarii und dendrophori im römischen Reich : I. Die Natur ihres Handwerkes und ihre sakralen Beziehungen : mit einem Anhang, enthaltend die Inschriften / von Hermann C. Maué
Entstehung
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daß das turoov, der Stachel, das Werkzeug wüäre, womit der εeνπτιιοωινν resp. cento fabriciert wurde. Sehen wir auch hier von der kaum zu rechtfertigenden etymologischen Schwierigkeit ab. daß das Produkt des Stechens, welches etwa zev τοά⁵α zu benennen wäre, mit dem gesteigerten tyrgov bezeichnet sein würde, so steht dieser Erklärung auch der Umstand im Weg, daß das Wort etyrpoy und seine Verwandten niemals von Werkzeugen gebraucht werden. Unter allen griechischen und lateinischen Ausdrücken, welche Blünmmer I, p. 195 in dem 3. Abschnitt: Nähen, Sticken, Filzen bespricht, in welchem sämtliche Instrumente und Thätigkeiten bei der Fabrikation und Reparatur von Kleidern und bei der Ausschmückung derselben angeführt und erläutert werden, kommt kein einziger vor, der von einem dieser Worte oder überhaupt von der Wurzel kant ab- geleitet wäre). In allen stammverwandten Wörtern tritt vielmehr als Grundbedeutung, wie die zahlreichen Belege in den Wörterbüchern lehren, der Stachel in seiner Eigenschaft als Reiz- oder Quälmittel, das Stecken als Qual auf.

Wenn aber die centonarii wirklich wie Blümner angibt eine besondere Art von Schneidern waren, die nur bei den Römern bekannt gewesen zu sein scheint, und wenn ferner bei den Griechen das Nähen nicht mit æevrezv, die Nadel nicht mit εν τοον pezeichnet wurde, wenn überhaupt kein stammverwandtes Wort in der ganzen Kleiderfabrikation bei ihnen vor- kommt, so kann auch das Wort cento und centonarius nicht aus dem Griechischen entnommen sein. Umgekehrt vielmehr wird das lateinische Wort, sowohl in dem technologischen als im litterarischen Sinn, mit willkürlicher etymologischer Anlehnung an das Wort 6uroov in das Griechische auf- genommen worden sein). Denn die griechischen Anführungen für das Wort im Sinn des lateinischen cento stammen alle aus später Zeit.

Das Resultat wäre also, daß das griechische ²eeντοων mit dem lateinischen cento in der etymologischen Ableitung nichts gemein hat.

Viel wahrscheinlicher erscheint mir, daß das Wort aus dem Celtischen stammt und eine Ableitung von dem wichtigen Stamm cant ist(kymr. u. celt., vgl. Diez Etymol. Wörterbuch I. p. 108 f.)= Kreis, Rand, welcher auch in dem Griechischen(2 ˙ο⁶= Winkel des Auges, Reif um das Rad) vorkommt(daher lateinisch canthus mit letzterer Bedeutung und von Quintilian für afrikanisch oder hispanisch erklärt)*). Durch Vermittlung des Celtischen ist dieser Stamm in die romanischen(hier mit der Bedentung Ecke, Winkel, Rand, Umzüunung, Gegend, vgl. Canton) und deutschen Sprachen(Kante= Rand, Ecke, scharfe Seite) übergegangen. Den Übergang der Bedeutungen des im Celtischen wurzelnden Wortes und die Belege s. b. Diez l. l. und bei Grimm,

⁵³) Denn Galen., Gl. Hippon., p. 134 τ ½eνννυ ον, daren rodyres 0 rervtrar rr T0lε‿ν παας τ mτoν ο σσι σααασνεναεοασαν ist nur Glossem zu dem Wort 56ꝓ⁵ν ά Nadel, 3 kein technischer Ausdruck(Blümner, J. l. p. 203, Anm. 7), und ebenso ist bei Eustathios l. l. das Wort πααοαα- esvyroövrat nur Glossem, um das von ihm gebrauchte Wort zéy τοο für das lat. cento zu erklären. 4

³) Ganz zweifellos ist dies auch der Fall bei der Form zéντον*ov, welches im neueren Griech. gleich- bedeutend mit xπν(Filz) gebraucht wird. Diese Form eine ploße Graecisierung des lat. Deminutivs cen- tunculus hat das 9 nicht angenommen, d. h. bei dieser Form wurde nicht eine etymologische Anlehnung an ein vorhandenes griech. Substantiv versucht. Das griechische zεeνπιαν ist dann im spätesten Latein wieder in der Form centrum im Sinn des Wortes cento zurück entlehnt worden. S. Du Cange s. v.

¹) Nicht unmöglich wäre es, daß auch das noch nicht sicher abgeleitete Kérravoog mit diesem Stamm in Zusammenhang steht. Der Name bedeutete dann nicht»Stecher« oder garStierstecher«, sondern wäre mit unserm cento verwandt und wiese auf die Zusammensetzung aus Menschen- und Pferdeleib hin. Natürlich könnte diese Urverwandtschaft der Wörter für die Ableitung des Wortes cento aus dem Griech. nichts beweisen.