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Die etymologische Ableitung des Wortes ist schwer anzugeben. Gewöhnlich wird be- hauptet, cento sei etymologisch dasselbe wie das griechische eντν, welches mit zéνoν, zevrere auf die Wurzel kan, kant= stechen ³) zurückgeht. Allerdings wird auch in den Wörterbüchern (bei Stephanus, Passow u. a.) auf einige Stellen verwiesen, an welchen das Wort ⁶ντοσνν, außer der Bedeutung»Spitzbube, der die Stachelknute verdient« die Bedeutung habe ⁴):»ein aus ver- schiedenen Stücken zusammengeflickter Lumpenrock«(so Passow, soll wohl eher nach den Stellen statt»Rocke heißen:»Stoff, Zeug«). Allein wenn wir auch ganz von dem sonderbaren Verschwinden des g in der lateinischen Wortbildung cent-o(n) absehen, so sind doch noch schwerwiegende Gründe genug vorhanden, die uns berechtigen den Zusammenhang zwischen dem griechischen und lateinischen Wort in Abrede zu stellen. Denn offenbar ist an den citierten und in der Anmerkung mitge- teilten Stellen das griechische zergoy nur eine Graecisierung für das lateinische cento. Ein innerer begrifflicher Zusammenhang zwischen cento und εντοοmν ließe sich nur in der Weise denken,
³) Vaniéek, Etymol. Wörterb. p. 36.
¹) Einige Scholien zu Aristoph. Nub. 449 scheinen das lat. Wort cento zu kennen. Im Text ist das Wort zéναςσσν gebraucht im Sinn von»verschlagener, durchtriebener Mensch«, der nach unserm vulgären Ausdruck»mit allen Hunden gehetzt ist«. So wird auch richtig das Wort im ersten Scholion erklärt. Alsdann aber folgen— ganz ohne Zweck für die Stelle— noch mehrere andere Scholien, die offenbar bemüht sind, den Begriff des lat. Wortes cento, welches in der damaligen(byzantin.) Zeit mit Angleichung an das ihm ganz fremde Wort zéντ⁵αων ins Griech. bereits aufgenommen war, mit der eigentlichen Be- deutung des griech. Wortes zεeντιν zu vereinigen. Denn im 3. u. 4. Scholion heißt es: 6ντυν Ʒει εασσσ r5 ᷣνπαόσααασσ⁴μ⁵έμνο ττςι eνουσι έτ¶mηαμν Qα ιόφοωσν οσυνορισρρνμνς οσσ᷑φάησνειων. 2A⁴*ν Erαωmααμ τν υοωνν. Anders ist diese Hereinziehung der Esel, die sich auch noch in den folgenden Scholien fortsetzt, gar nicht zu verstehen. Die Grundbedeutung des wirklich griech. Wortes ist»stacheln, prügeln, peinigen«; der lat. cento aber bezeichnet eine unschuldige Decke, die mit Quälen nichts gemein hat. Da erinnert sich der Scholiast, vielleicht schon infolge einer bei einem Wort mit der Grundbedeutung»prügeln« sehr natürlichen Ideenasso- ciation, daß die Centonen auch als Packtücher gebraucht wurden, um die Lasten auf den Saumtieren zusammen- zuhalten und gegen die Witterung zu schützen. Da nun die Lasten auf die Esel drücken, so findet er darin eine Erklärung für die Anwendung des Wortes 2dvroowes, dessen eigentliche Bedeutung ihm wohlbekannt ist, auf unsere»Lappendecken«. Eine ganz ähnliche Vermengung der beiden Wörter ⁵ντεων= verbero und ⁶ν ν[ν = latinisiertes cento mit Angleichung an das erstere findet sich dann in dem folgenden Scholion: AXAXGOG: ol rν πλιꝛ enSgolαmραιμ̈νο εᷣxεενν oνα νσα τοτι μmeεμνυννιοιι ανπσ⁵εμεμνναια νκαοανντα ντεε*. Eine zweite Stelle findet sich bei dem Mathematiker Biton, der um 239 v. Chr. lebte, in der Beschreibung einer Belagerungsmaschine(Mathem. vett. p. 109):&o ꝓπε½ν⁴μ τ ε ν ντπ% ον νm½ 5valvp, eTra&⁴νο 6ννντνων Gειν‿ νπρτοι εμααμιιοι. Schon Stephanus bemerkt zu dem Citat: ubi verba Sro ᷣαααταασμος ex glossemate addita esse censet Wessel. ad Diodor. vol. 2, p. 472. Sicherlich mit Recht, und zwar sind wir um so eher zu dieser Annahme berechtigt, als sonst in der ganzen älteren griechischen Litteratur eνντεοσ in diesem Sinn nicht vorkommt und also auch hier gewissermaßen als Fremdwort erscheint. Die ganze oben mitgeteilte und voraus- gehende Stelle jedoch stört im Zusammenhang um so auffälliger, als am Schluß der Beschreibung, und zwar da am richtigen Ort, von dem Schutz der Maschinen durch Wollfließe gesprochen wird. Der ganze Satz kann daher sehr wohl ein späteres Einschiebsel— vielleicht nach Caes. b. civ. II, 9— sein.— Endlich findet sich das Wort noch bei Eustathios, dem gelehrten Erzbischof von Thessalonike,(im 12. Jahrh.), in dem Sinn des lat. cento, und er gebraucht es auch für die litterarischen Potpourris, die unter dem Namen centones bekannt sind. Die Stellen sind p. 1308 extr.: Toð zé ou αρνυνιυμοσν εέ̈νκνμes ol re απσηασ⁴⁶εμ⁵ενοιεαι oi Tααςρεμνο νπα emπάσσ 1y e doαeνεs παρανκάν εοννναι ϑμ⁶οο ταοσσ uᷣcασσυάμυσνν ⁷ρασσάσς πααοαστSeνται τοαωι- rov αeερασνκνεαμαμααιο æͥᷣο eon ornu⁴eενων ναα σeσσιν ³πιν eνν⁵α, α*ldl râ gvrsöSe AnSévτα oουννμάeυμεεαναερα outoπσι o OQungizoh xεντεαανεs. Vgl. ähnl. p. 1099, 51. Ein Zeugnis aus dieser Zeit aber kann, nachdem das Wort in der angegebenen Weise in das Griech. aufgenommen war, für die Etymologie
nichts beweisen.— 2


