Aufsatz 
Die Vereine der fabri, centonarii und dendrophori im römischen Reich : I. Die Natur ihres Handwerkes und ihre sakralen Beziehungen : mit einem Anhang, enthaltend die Inschriften / von Hermann C. Maué
Entstehung
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Anzahl von Städten, so in der Hauptstadt selbst und in Ostia, in einer Anzahl italischer) und gallischer Städte⁰) und in Dyrrhachium, an Stelle der sonst collegia fabrum schlechthin genannten Vereine, collegia tignuariorum vorkommen und mit den collegia fabrum der übrigen Stãdte offen- bar ganz identisch sindé), teils ersehen wir dies aus der engen Beziehung, in welcher die collegia fabrum zu den collegia dendrophorum, d. h. der Holzlieferanten und-transporteurs standen. Bei der Bedeutung, welche gerade dieses überall verbreitete Bauhandwerk hatte, war ein weiterer Zusatz zu dem Namen fabri nicht notwendig. Auch die Beziehung der collegia fabrum zum Feuerlöschdienst*) weist deutlich darauf hin, daß mit den fabri der Inschriften nur die tignuarii

gemeint sein können). b. Die collegia centonariorum.

Das Handwerk der centonarii hatte bei den Römern eine große Wichtigkeit. Dasselbe war specifisch römisch¹), und die hergebrachte Ableitung des Wortes aus dem Griechischen ist, wie wir sehen werden, unberechtigt. Die centonarii sind die Anfertiger der centones, d. h. dicker Stoffe, die, wie gewöhnlich angenommen wird, durch Aneinanderflicken von wollenen Ab- fällen und Kleiderresten bereitet wurden ²). Demnach würden die centonarii, wie Blümner I. I. auch geradezu sagt, eine Art von Schneidern sein. Innere wie äußere Gründe jedoch scheinen mir darauf hinzuweisen, daß die centones in der Regel nicht durch Aneinanderreihen von Woll- abfällen, sondern durch Verarbeiten derselben zu Filzen entstanden, demnach als Filzstoffe an- zusehen sind. Nur die centones der ältesten Zeit und später nur die ganz ordinären oder geradezu gefälschten mochten wohl zusammengeflickt worden sein.

) So in Praeneste, Telesia, Alba Fucens, Allifae, Carsioli, Tolentinum, Luna und Pisaurum. 1

) In Narbo, Arelate, Lugdunum und Forum Segusiavorum. In Gallia cisalpina und in den Donau- provinzen kommt diese Bezeichnung auffälliger Weise nicht vor.

) In einer Inschr. des coll. fabr. tign. von Ostia n. 76 wird ein Chargierter des Vereins einfach de- curio coll. fabr. genannt,(obwohl es dort noch ein corpus fabrum navalium gab n. 78 u. 79). Das coll. fabr. von Pisaurum, welches n. 87 ohne den Zusatz tign. erscheint, hat diesen Zusatz in n. 88, weil es dort im Gegen- satz zu dem colleg. fabr. naval. derselben Stadt steht. In dem Brief des Sex. Fadius Secundus, der auf der Seite des Inschriftsteins aus Narbo(n. 232) eingegraben ist, wird freilich das angeredete Colleg der subaediani ein- fach collegium fabrum Narbonesium genannt, allein in der Hauptinschrift ist es bereits deutlich als das der fabri subaediani Narbon. bezeichnet.

²) Ganz ähnlich war in früherer Zeit hier in Frankfurt vor Einrichtung der Berufsfeuerwehr, welcher die vigiles in Rom entsprechen, der Feuerwehrdienst wesentlich Aufgabe der Zimmerleute und Schornsteinfeger als derjenigen Handwerker, welche durch ihre berufsmäßige Thätigkeit dazu am meisten befähigt waren.

³) Vgl. auch Marquardt, Priv. II, p. 698.

¹) Vgl. Blümner, I, p. 199. S

²) Daher die Verbindung, in welcher die centonarii an manchen Orten mit den sagarii, d. h. den Be- reitern des sagum standen, eines dicken, besonders in Gallien viel fabricierten(Or. 283; 4275= Herzog, 539. Vgl. v. Cohausen, Ann. d. Ver. f. Nass. Alterthumskde. u. Geschichtsf. Bd. XV, 1879, p. 33) u. von Arbeitern u. Soldaten vielfach getragenen dicken Lodenstoffs. So war in Lugdunum(n. 227) ein Mitglied der Corporation der sagarii zugleich Ehrenmitglied des Collegs der centonarii. Doch ist cento und sagum in der Weise von- einander unterschieden, daß abgelegte(wollene) Unterkleider und Lodenmäntel(saga) zu centones verarbeitet wurden.»Quoties cuique tunicam aut sagum dabis, prius veterem accipito, unda centones fiant«, lautet eine der ökonomischen Vorschriften des Cato(de re rust. 59). Cato(Il. l. 135) gibt an, daß in Rom die besten saga und centones verfertigt würden; daher nennt sich in Vienna Allobrogum(Or. 4275= Herzog, 539) ein Lodenverfertiger, offenbar zu seiner Empfehlung sagarius Romanensis. Die Inschrift des vestiarius centonarius(C. I. L. V, n. 50*), welche früher für die Bedeutung der centonarii häufig citiert wurde, ist nach Mommsen wahrscheinlich gefälscht.