Aufsatz 
Geschichte des Gymnasiums zu Weilburg in den letzten 50 Jahren : Festschrift zur Feier des 350jährigen Bestehens der Anstalt am 14. August 1890
Entstehung
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16 den metrischen Übungen wandte er seine Aufmerksamkeit zu und verband sie in II mit der Virgil-Lektüre. Auſser dem Lateinischen übernahm er seit 1863 auch den deutschen Unterricht in der Prima und daneben philosophische Propädeutik und Hodegetik.

Der Lehrplan von 1854 plieb bis zur Annexion in Geltung, dagegen wurde durch eine Verfügung vom 1. Februar 1861 die frühere Instruktion für die Maturitätsprüfung in wesentlichen Punkten modifizirt. Die Anforderungen an die Abiturienten wurden er- mälsigt. Die Veränderungen im Lehrerkollegium betrafen zunächst die Stelle des zweiten Mathematikers. Als Wagner Ostern 1861 abging, wurde IlIgen an die Anstalt berufen, und als dieser im Mai 1864 starb, wurde K. Schenck sein Nachfolger. Ferner wurde zu Ostern 1864 Brandscheid, im Juli Schulz und im Herbst desselben Jahres Ricker versetzt, anstatt ihrer traten Ebhardt, Hillebrand und Schmitthenner, lauter Philologen, ein. Zu diesen kam nach Ostern WöII, zunächst als Probekandidat, dann als Kollaborator. Als Francke am 1. Mai desselben Jahres starb, wurde Ebhardt an dem ÜUnterrichte in den oberen Klassen beteiligt. Im Jahre 1866 starb auch der Reit- lehrer Stroh und seine Stelle wurde nicht mehr besetzt, da zu wenige Schüler, zuletzt nur noch drei, Reitstunden nahmen. Ebenso schied auch der Tanzlehrer Liebich damals aus; er wurde pensionirt und seitdem kein Tanzlehrer mehr besoldet.

Die Frequenz nahm allmählich ab und erreichte ihren niedrigsten Stand im Schuljahr 1865/66, in welchem nur 119 Schüler die Anstalt besuchten. Was die Disziplin anlangt, so tauchen jetzt in den Programmen öfter Klagen über die zunehmende Genuſssucht der Jugend auf und über die Schwäche der Eltern, die nur zu geneigt seien, ihre Söhne an Orte mitzunehmen, wohin nur Erwachsene gehören, oder ihnen zu bereitwillig und in zu groſsem Malse die Mittel gewährten, durch welche sich junge Leute auf eigene Hand allerlei Genüsse verschaffen könnten. Die Schüler begnügten sich nicht mit den ihnen er- laubten Erholungen; doch rühmte der Direktor, dafs die Anordnungen, die er getroffen, sich als vorteilhaft erwiesen. Er gestattete den Primanern, an einem Wochentage abends unter Aufsicht der Lehrer in einem mit einer Kegelbahn versehenen Wirtshause zusammen- zukommen. Früher hatten sie die Erlaubnis, an den Sonntagnachmittagen ein benachbartes Dorf besuchen zu dürfen. Im Sommer wurden öfter Spaziergänge unternommen. Auch lud das hiesige Kasino, wie dies von jeher Sitte war, die Schüler der oberen Klassen zu ihren Wintervergnügungen ein. Die patriotischen Feste wurden wie in früheren Zeiten gefeiert, mit besonderem Glanze vom 20.— 22. August 1864 das 25 jährige Regierungsjubiläum Sr. Hoheit des Herzogs Adolf.

Am 31. Juli 1866 ging die Verwaltung des Herzogtums in die Hände eines preuſsischen Beamten über und am 3. Oktober erfolgte das Patent Sr. Majestät des Königs von Preufsen wegen Besitznahme des Landes. Damit beginnt auch für unser Gymnasium eine neue Epoche.

Am 3. Juni 1867 leisteten die Lehrer ihrem neuen Landesherrn den Dienst- und Huldigungseid, nachdem der frühere sie am 14. Mai auf ihr Ansuchen von dem ihm ge- leisteten Eide entbunden hatte.

Schon im Oktober 1866 besuchte der Geheime Oberregierungsrat Dr. Wiese, Referent für das höhere Schulwesen im Ministerium des Kultus, die Anstalt, ohne sie jedoch einer genaueren Revision zu unterwerfen. Dies that zuerst der Provinzial-Schulrat Dr. Rumpel am 3. und 4. September 1868. Durch eine Verfügung vom 14. Juni 1867 wurde den