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Lehrern dringend empfohlen, bei ihrem Unterrichte das Lehrziel derjenigen Klassen, an deren Absolvierung Berechtigungen geknüpft seien, im Auge zu behalten. Doch blieb der Lehrplan noch bis Ostern 1868 unverändert, von da an wurde der preufsische Normalplan mafsgebend.*) Eine Abweichung war es, daſs der naturhistorische Unterricht in IV, der nach dem preulsischen Lehrplan ganz cessierte, fortgesetzt wurde, wenn auch nur in einer Stunde wöchentlich.— Die Dispensation vom Griechischen hörte allmählich ganz auf, weil nach der Militär-Ersatz-Instruktion des Norddeutschen Bundes den vom Griechischen dis- pensierten Schülern nur dann ein Schulzeugnis für den einjährig-freiwilligen Militärdienst erteilt werden durfte, wenn sie die ganze Sekunda absolviert hatten.— Die preuſsische Prüfungsordnung für die Abiturienten kam Ostern 1869 zum ersten mal zur Anwendung.— Für die Disziplin war es von Wichtigkeit, dals von nun an den Lehrern das Recht der Ausweisung eines Schülers zustand.— Die Benennung der Klassen nach der in den alten Provinzen herrschenden Sitte wurde schon 1867 angeordnet. Der Name Septima fiel weg, statt dessen trat neben die Ober- und Unter-Prima und Sekunda auch eine Ober- und Unter- Tertia, welche jedoch vom Schuljahr 1869/70 bis 1875/76 gemeinsam unterrichtet wurden, während die bisher vereinigten beiden Sekunda nunmehr getrennten Unterricht erhielten.
Veränderungen im Lehrerkollegium gab es in den ersten Jahren nach der Annexion sehr wenige. Ostern 1869 trat Dr. B. Spiefs als Religionslehrer in das Kollegium ein und damit hörte die Einrichtung, dafs Ortsgeistliche den evangelischen Religionsunterricht erteilten, auf. Ostern 1870 kam ein zweiter Elementar- und technischer Lehrer an die Anstalt, A. Brückel, welcher einerseits den im Dezember 1869 gestorbenen Zeichenlehrer Beyer ersetzte, andrerseits den Turnunterricht übernahm, der seit 1866 keinen Vertreter mehr im Kollegium gehabt hatte. Aufserdem wurde im Juni 1868 und dann wieder im Herbst 1869 ein Probekandidat dem Gymnasium zugewiesen. Dagegen verliels Schmitt- henner im Juli 1869 die Anstalt.
Es kamen die Kriegsjahre 1870 und 71, deren Ereignisse hier wie überall Jung und Alt in beständiger Aufregung erhielten. 13 Primaner und Ober-Sekundaner traten im Herbst 1870 als Freiwillige in die Armee. An dem wiederholten Siegesjubel, wie an der Feier des Friedensfestes nahm die Schule selbstverständlich teil; auch zur Pflege der Ver- wundeten wurden Gymnasiasten mit herbeigezogen. Dafs unter solchen Umständen häufiger Unterbrechungen und Störungen des Unterrichts vorkamen, ist nicht zu verwundern; ebenso wenig, daſs unter der Nachwirkung der gewaltigen Ereignisse die Aufrechthaltung der Zucht schwieriger wurde. Dazu kam, daſs seit der Einverleibung des Herzogtums in die preuſsische Monarchie eine grölsere Zahl Schüler aus entfernteren Gegenden die Anstalt besuchten, und unter diesen manche von zweifelhafter Vergangenheit auch hier einen nach- teiligen Einfluſs ausübten. Es war die Zeit, in der auch an vielen anderen Gymnasien das Verbindungswesen Eingang fand und um sich griff, infolge dessen studentisches Treiben bei den Schülern einrifs. Um dem unerlaubten Wirtshausbesuch zu steuern, wurde am 2. Januar 1875 hier eine Polizeiverordnung erlassen, welche die Wirte der Stadt und der umliegenden Dörfer mit Geldstrafe bedrohte, wenn sie Schülern des Gymnasiums ohne Bei- sein der Eltern oder Lehrer geistige Getränke verabreichten.
Im Herbst 1875 wurde der Direktor Schmitt auf sein Ansuchen in Ruhestand ver- setzt. Er stand damals im 67ten Jahre, war aber geistig und körperlich noch rüstig, nur
*) Zur Vergleichung sind die Lehrpläne weiter unten mitgeteilt.


