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wurden. Am meisten beteiligte sich an der Agitation für die Freiheit der Konrektor Schulz. Er wurde auch in die Nationalversammlung zu Frankfurt gewählt, nahm aut der Linken seinen Platz und zog auch mit dem Rumpfparlament nach Stuttgart. Während seiner Abwesenheit wurde er, wenigstens vom 1. Juli bis Ende December 1848, von dem späteren Direktor des Gymnasiums, Professor Schmitt, vertreten. Daſs in solcher Zeit auch andere Störungen in der Schule nicht ausblieben, ist selbstverständlich. Die Schüler der oberen Klassen wurden einexerziert und der Bürgerwehr einverleibt. Doch kamen gröbere Excesse nicht vor; auch wandten sich die hiesigen Primaner nicht, wie die des Gymnasiums zu Wiesbaden an das Ministerium mit einer Petition, in der sie verlangten, das Gymnasium solle künftig nur Unterrichts- nicht mehr Erziehungsanstalt sein; dann ferner, man möge ihnen einen anderen Direktor geben und verfügen, dafs sie mit„Sie“ und nicht mehr mit „Du“ angeredet würden.*)
Zu erwähnen ist auch noch, dafs in den Pfingstferien des Jahres 1848 eine Versamm- lung nassauischer Lehrer aller Kategorien(110 im ganzen) in Wiesbaden stattfand, an welcher sich auch die jüngeren Lehrer des hiesigen Gymnasiums beteiligten. Es wurde 3 Tage über alle möglichen Schulangelegenheiten verhandelt und auf Grund der dort gefaſsten Beschlüsse später mit Genehmigung des Ministeriums und der Regierung von den Lehrern des Landes eine Kommission gewählt, um Vorschläge zu einer Neugestaltung des Schulwesens zu machen. Diese Kommission trat in Wiesbaden zusammen und brachte einen Entwurf, die Revision des Gesetzes über den öffentlichen Unterricht und die Reorgani- sation des Gesamtschulwesens betreffend, zu Stande. In demselben wurde für die Gym- nasien u. a. verlangt, dals in den Lehrplan wieder Encyclopädie und Einleitung in die Philosophie, ferner griechische und römische Litteraturgeschichte, Altertumskunde, Asthetik und Kunstgeschichte eingeführt werde, dafs für den konfessionellen Religionsunterricht be- sondere Lehrer, welche innerhalb des Lehrerkollegiums ständen, angestellt würden; ferner dass der Direktor primus inter pares sei; dass die Lehrerkollegien das Recht der Ausweisung aus der Anstalt erhielten u. dgl. Einen praktischen Erfolg hatten diese Anträge nicht.
Von dem Jahre 1846 bis 1852 traten noch mehrere Veränderungen im Lehrer- kollegium ein, namentlich wechselten die Hilfslehrer. Zickendraht wurde Weihnachten 1849 quiesziert, Seyberth im Herbst desselben Jahres an das Gymnasium nach Wiesbaden versetzt; Fleckeisen, der im Februar 1846 eintrat und sich von hier aus durch seine Plautinischen Studien bekannt machte, wurde auf Ritschl's Empfehlung hin im Oktober 1851 an das Vitzthum'sche Gymnasium in Dresden berufen; Gallo, im Oktober 1849 eingetreten, wurde im Januar 1852 entlassen, weil er, ein Katholik, durch unvorsichtige Xusserungen im Geschichtsunterrichte Anstoſs gegeben und den Bischof von Limburg ver- anlaſst hatte, auf seine Entfernung zu dringen; Otto, der von Herbst 1850 an sein Probejahr ableistete und später als Kollaborator in den unteren Klassen verwandt wurde, blieb, bis er Ostern 1859 in eine einfluſsreichere Stellung nach Wiesbaden berufen wurde. Einen zweiten Mathematiker erhielt die Anstalt Ostern 1848 an Wagner. Dadurch wurde dem Übelstande abgeholfen, dafs sich die Philologen an dem mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen beteiligen mulsten. Wagner verliels freilich die Anstalt wieder im Herbst 1850 und erst nach einem Jahre bekamen
*) In den nassauischen Gymnasien blieb das„Du“ bis zur Annexion üblich; in Weilburg trat das „Sie“ erst 1875 an seine Stelle.


