nur der Reihe nach Jahr für Jahr angesetzt wurden, sodafs die acht Klassen erst mit Ostern 1847 vollständig vorhanden waren. Von da an sinkt die Frequenz an dem hiesigen Gymnasium wieder, namentlich auch die Zahl der Katholiken, die von nun an das Gymna- sium zu Hadamar frequentierten. Zu Ostern 1844 wurden deren noch 17 aufgenommen, Ostern 1848 nur 2.
Die Vermehrung und Umgestaltung der Gymnasien hatte bald auch die Auf- stellung eines neuen Lehrplans zur Folge. Zu dem Zwecke wurde im Herbst 1846 eine aus Lehrern der verschiedenen Anstalten bestehende Kommission nach Wiesbaden zusammenberufen, welche in den Tagen vom 30. September bis 2. Oktober unter Leitung des Regierungsrats Seebode ihre Konferenzen hielt. Von den hiesigen Lehrern nahm der Professor R. Krebs an denselben teil. Durch eine Verfügung vom 12. November 1846 wurden die Direktoren angewiesen, unter genauer und gründlicher Beratung mit dem Lehrerkollegium die Einführung des neuentworfenen Planes baldmöglichst einzuleiten. Es sollten vorzugsweise die Zielpunkte, welche durch den Gymnasialunterricht erreicht werden, in's Auge gefalst werden, im übrigen aber eine gewisse Freiheit gestattet sein. Ich be- schränke mich darauf, von den Bestimmungen des neuen Lehrplans*) folgende anzuführen. Die philosophischen Disziplinen, die früher einen so groſsen Raum einnahmen, wurden beseitigt; nur die akademische Hodegetik sollte auch künftighin, aber nur in 2 wöchentlichen Stunden, während des letzten Wintersemesters gelehrt werden. Ferner sollte der mathe-
matische Unterricht in der Prima ganz wegfallen. Überhaupt wurden für diese Klasse
nur 25 Stunden wöchentlich angesetzt, damit Mufse für Privatstudien gewonnen werde, für welche auch von Zeit zu Zeit Arbeitstage freizulassen empfohlen wurde. Im übrigen unterschied sich der neue Lehrplan von dem früheren hauptsächlich dadurch, dafs die Stunden für das Deutsche vermehrt und der Unterricht im Altdeutschen eingeführt wurde. In VIII(VI) begannen das Deutsche und Lateinische mit je 6 Stunden. Auch die Geschichte bekam mehr Stunden, während das Lateinische und Griechische 1 Stunde, das Französische 2 Stunden verlor. Ferner wurde die Dispensation vom Griechischen gestattet. Der natur- wissenschaftliche Unterricht in den Mittelklassen fiel weg. Der ganze Gymnasialkursus sollte von nun an 9 Jahre dauern und wurde für das Lateinische, Griechische und für die Ge- schichte wieder in 3 dreijährige Kurse geteilt. Schon im Jahre 1854(Verfügung vom 17. März) wurde der grammatische Unterricht in der alt- und mittelhochdeutschen Sprache wieder abgeschafft, die Mathematik in I und der naturwissenschaftliche Unterricht in den Mittelklassen wieder eingeführt, und die deutschen Stunden von 30 auf 20 herabgesetzt, die lateinischen um 4 vermehrt. Hier in Weilburg waren von Anfang an nicht alle Be- stimmungen des Planes von 1846 durchgeführt worden. Man setzte den mathematischen Unterricht in I, wenn auch nur in 2 wöchentlichen Stunden fort; dann bplieb auch der Gymnasialkursus achtjährig bis zum Jahre 1852; gleichzeitig mit der definitiven Ein- führung des neunjährigen Kursus wurde damals eine neue Instruktion für die Maturitäts- prüfung erlassen.
Das Revolutionsjahr 1848 ging nicht spurlos an dem Gymnasium vorüber. Das Lehrerkollegium wurde mit in die politische Bewegung hineingezogen und spaltete sich in verschiedene Parteien, welche sich selbst in der Presse befehdeten. Die Folge war, daſs einige jüngere Lehrer bald nachher ihren Platz räumen mufsten und durch audere ersetzt
*) Besprochen von Firnhaber in Schmid's Encyklopädie V, p. 69 ff.


