11 Geäder der Anstalt tief und tötlich einschneidende Anordnung. Die Lehrer und nament- lich der Direktor selbst seien sich der strengsten Pflichterfüllung bewufst und bedürften bei ihrem Reichtum an Erfahrungen eines weiteren ständigen Aufsehers und Beraters nicht, zumal da sie der Überzeugung seien, dals das Gymnasium seit etwa drei Jahren in moralischer und intellektueller Beziehung ungewöhnliche Fortschritte gemacht habe u. s. w. In der That erreichte er, dafs diese aufserordentlichen Revisionen sich nicht wiederholten, während die alte Einrichtung, daſs die Schulreferenten bei der Regierung die Frühlingsprüfung abhielten, bis zur Annexion bestehen blieb.— Mit Ostern 1843 wurde die Maturitätsprüfung, der sich bisher, wie oben bemerkt, nur die auf anderen Anstalten vorgebildeten unterziehen muſsten, auch für die Schüler des hiesigen Gymnasiums ver- bindlich.*) Ein herzogl. Kommissarius wohnte jedoch derselben nicht bei.
Als neue Anordnung Metzler's erwähne ich noch, dafs er gemeinsame Andachten für alle Lehrer und Schüler an jedem Sonn- und Festtage, im Sommer um 7, im Winter um 7 ½ Uhr im Versammlungssaale des Gymnasiums einführte, bestehend aus Choral und Gebet, das der Reihe nach von den Lehrern gesprochen wurde. Wie lange diese Ein- richtung bestanden hat, vermag ich nicht anzugeben.
Mit Herbst 1843 wurde der 1. Professor Kreizner versetzt, er tauschte seine Stelle mit dem Rektor des Pädagogiums in Hadamar, Jos. Muth. Dieser war ursprünglich katholischer Theologe, hatte sich aber durch seine Schriften, insbesondere durch seinen „Abriſs einer allgemeinen Religionslehre zum Unterrichte der studierenden Jugend ohne Unterschied der Konfession“ in Widerspruch mit seiner Kirche gesetzt.**) Dies war ver- mutlich auch der Grund, dals er seine bisherige Stelle aufgeben mulste, die er nur ungern mit der neuen an dem hiesigen Gymnasium vertauschte. Er erteilte Unterricht im Deutschen und Lateinischen bis in die Prima, und übernahm mit Vorliebe die poetische Lektüre und metrischen Uebungen.
Das Jahr 1844 macht Epoche in der Geschichte des Gymnasiums, weil es von da an aufhört Landesgymnasium und die einzige höhere Gelehrtenschule des Herzogtums Nassau zu sein. Es wurden nämlich damals durch landesherrliches Edikt vom 29. Juni 1844 zwei neue achtklassige Gymnasium gegründet, eins zu Wiesbaden und eins zu Hadamar, das eine mit paritätischem, das zweite mit vorwiegend katholischem Charakter. Die Anstalt in Weilburg wurde zu einem achtklassigen Gymnasium erweitert mit vorherrschend evangelischen Lehrern. Die vier unteren Klassen wurden nach einem durch Verfügung Herzog. Landes- regierung vom 29. Mai 1844 vorgeschriebenen provisorischen Lehrplan am 13. Juni eröffnet.
Es traten 43 Schüler in dieselben ein, fast ausschlieſslich Einheimische, die bisher das Privatpädagogium in Weilburg besucht hatten.***) Für den wissenschaftlichen Unter-
*) Vergl. darüber das unten folgende Kapitel„Maturitätsprüfung“.
**) Später wurde es exkommuniziert(1852 2).
***) Als im Jahre 1817 das Gymnasium umgestaltet wurde, sollten die Weilburger für den Verlust der 4 unteren Klassen durch Errichtung einer Realschule entschädigt werden. Diese Anstalt erwies sich aber, wie andere damals gegründete z. B. das Pädagogium zu Idstein, weil man die lokalen Verhältnisse zu wenig berücksichtigt hatte, als nicht lebensfüähig. Schon im Jahre 1820 ging sie wieder ein. Dem Wunsche der hiesigen Einwohner, neben dem Gymnasium ein Pädagogium zu erhalten, wurde von der Landesregierung nicht willfahrt, doch kam man ihnen so weit entgegen, dals man eine zweiklassige latei-
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