Aufsatz 
Geschichte des Gymnasiums zu Weilburg in den letzten 50 Jahren : Festschrift zur Feier des 350jährigen Bestehens der Anstalt am 14. August 1890
Entstehung
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wackere Männer, die mit unermüdlicher Hingabe und seltener Gewissenhaftigkeit ihrem Berufe oblagen und in jeder Beziehung den Schülern als Vorbild dienen konnten. Den älteren Lehrern gegenüber vertraten die beiden Kollaboratoren Kirschbaum u. Schulz das bewegliche Element, die jugendliche Frische, beide sehr eifrig und strebsam. Von ganz ungewöhnlicher Vielseitigkeit war der erstere; er gab, wie bemerkt, in den oberen Klassen lateinischen und griechischen Unterricht, ferner Mathematik und Physik und aufser- dem noch philosophische Propädeutik(Psychologie und Logik). Schultz war Hauptlehrer für deutsche Sprache und Litteratur, für Geschichte und Altertumskunde. Es war die Zeit in der die Hegel'sche Philosophie in höchster Blüte stand und Gervinus' Litte- raturgeschichte ihre Wirkung auch auf den Schulunterricht ausübte. Daher ist es nicht zu verwundern, dals strebsame junge Männer ihre philosophischen Spekulationen und historisch politischen Reflexionen in ausgiebiger Weise auch in der Klasse verwerteten. Dies gilt namentlich von Schulz.— Der Lehrplan blieb im wesentlichen derselbe wie zu Friedemann'’s Zeit, auch die Methode des philologischen Unterrichts. Noch immer nahmen die philosophischen Disziplinen, daneben Altertumskunde und Litteraturgeschichte einen grolsen Raum ein, noch immer wurden die Schriftsteller lateinisch erklärt und weitläufige lateinische Einleitungen dazu gegeben, während man weniger Gewicht darauf legte, eine klassische Schrift ganz zu lesen und ihren Gesamtinhalt dem Verständnis der Schüler näher zu bringen. Auch die lateinischen Disputationen und metrischen UÜbungen wurden fortgesetzt. Auſserdem wurden aber die Schüler zur Privatlektüre angehalten und diese von den Lehrern kontroliert.

Auch im ÜUbrigen blieben die Einrichtungen Friedemann's fortbestehen. Die Turn- übungen waren noch zu dessen Zeit, im Jahre 1839, für alle Schüler verbindlich geworden. Die technische Leitung wurde nach der damals erfolgten Versetzung des Dr. GCuntz an das Pädagogium zu Hadamar dem Tanzlehrer Liebich übertragen, welcher während des Winters die Vorturner in dem Tanzsaale einübte. Im Sommer und Herbst, so lange es das Wetter erlaubte, fanden die Gesamtübungen in 2 Stunden Mittwochs und Samstags nachmittags im Freien unter Aufsicht zweier Lehrer an dem städtischen Schieſsplatze statt. Der Gesangunterricht blieb in der bewährten Hand des früheren Lehrers, auch kamen die öffentlichen Aufführungen der Gymnasiasten nicht aufser Übung, wenn auch die Zahl der Konzerte beschränkt wurde. Eine Revision der Anstalt nahm im Sommer 1842 der Regierungsrath Dr. Seebode vor, welcher nach Metzler's Ernennung zum Direktor in Weilburg zum Referenten in Schulsachen von Gotha berufen worden war. Er blieb 3 Tage und wohnte den Lehrstunden sämtlicher Lehrer bei. Es war die erste Revision der Art, denn bis dahin war es üblich, daſs die Kommissarien der Regierung nur der öffentlichen Frühlingsprüfung beiwohnten, um sich über die Leistungen der Lehrer und Schüler zu unterrichten. Die neue Art der Revision wurde von dem Direktor, welcher selbst seit 1841 korrespondierendes Mitglied der Regierung war, als eine Bevor- mundung empfunden und rief einen entschiedenen Protest von seiner Seite hervor. In einer an die Landesregierung gerichteten Beschwerdeschrift nennt er die Malsregel eine von Milstrauen und Argwohn diktierte, die Ehre und Autorität der Lehrer und der Anstalt verletzende, die feste und sichere Wirksamkeit der Lehrer störende, das innige, patriarcha- lische Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern lockernde, den Direktor in hohem Grade vor Lehrern, Schülern und dem Publikum kompromittierende, mithin in das Leben und