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Philologischen Unterricht der unteren Klassen Corn. Cuntz und Jos. Roth, während die älteren Professoren allmählich ausschieden. Durch häufige Konferenzen, anfangs all- wöchentlich, wurden die Lehrer in Bewegung erhalten und mit den Grundsätzen und Plänen des Direktors bekannt gemacht. Er drang auf Durchführung der streng philologischen Methode, suchte aber auch den erziehlichen Einfluſs auf die Schüler dadurch zu heben, dafs er die Klassenordinariate einführte und dem bisher einseitig befolgten Fachlehrer- system entgegenwirkte. Auch wandte er nicht nur den Hauptunterrichtsgegenständen seine Aufmerksamkeit zu, sondern sorgte mit gleichem Eifer für die Nebenfächer. Das Turnen wurde auf seine Veranlassung zuerst von Freiwilligen betrieben und von dem Kollaborator Cuntz geleitet. Ganz besonderer Pflege hatte sich der Gesangunterricht zu erfreuen. Friedemann gewann dafür einen tüchtigen Lehrer in Heinr. Drös, schaffte einen Flügel an und veranstaltete häufige Schülerkonzerte(schon im ersten Winter 1828/29 sechs), welche im Saale des Casinos abgehalten wurden. Im Jahre 1837 bildete sich auch ein Verein für Instrumentalmusik, der bei den Konzerten mitwirkte. Zur Anschaffung der Instrumente wurden aus dem Centralstudienfond 400 Gulden bewilligt. Zu öffentlichen ufführungen gaben aufser den Konzerten noch weitere Gelegenheit der Geburtstag des Herzogs und andere für das Herzogliche Haus wichtige Ereignisse, dann das Stiftungsfest des Gymnasiums, welches auf Friedemann's Veranlassung mit Genehmigung der Landes- regierung vom Jahre 1829 an alljährlich im Juli gefeiert wurde. Ferner wurde der Ab- gang der älteren Lehrer, die Einweihung der erweiterten Räume des Gymnasiums, welche am 19. Oktober 1830 stattfand, und dgl. m. festlich begangen. Die Sammlungen der Anstalt zu vermehren, war er fortwährend eifrig bedacht. Auf die Bibliothek waren bisher 200 Gulden jährlich verwendet worden, seinen Bemühungen gelang es, daſs im Schuljahr 1829/30 1000, in den folgenden meist 600 Gulden bewilligt wurden; für Anschaffung von Gypsabgüssen im Schuljahr 1832/33 200 Gulden und entsprechende Summen auch für das physikalische Kabinet. Zur Belehrung in der Naturbeschreibung gab das Privatmuseum des Prof. Sandberger, das den Schülern offen stand, erwünschte Gelegen- heit. Die Disciplin wurde mit groſser Strenge gehandhabt. Während sein Vorgänger die Zügel nicht genug angezogen hatte, fiel Friedemann in das entgegengesetzte Extrem. Die Karzerstrafen wurden nicht selten nach langen protokollarisch geführten Untersuchungen auf ganze Tage und Nächte ausgedehnt und mulsten zuweilen bei Wasser und Brod abge- sessen werden. Auch körperliche Züchtigungen, selbst von Schülern der oberen Klassen, durch den Pedellen kamen vor. Dies erklärt sich zum Teil dadurch, daſs die Ausweisung sehr erschwert war und von der Genehmigung der Landesregierung abhing, die selten oder nie erteilt wurde.
Infolge solchen Verfahrens und der vielen Neuerungen auf dem Gebiete des Unter- richts erweckte sich Friedemann viele Feinde. Zuletzt verdarb er es auch mit einem groſsen Teile des Lehrer-Kollegiums und mit einflufsreichen Beamten der Regierung, so- dals er nach 12 jähriger, in vieler Hinsicht verdienstlicher Thätigkeit seiner Stelle ent- hoben wurde. Er legte sein Amt am 20. Juli 1840 nieder und wurde als Direktor des Landesarchivs nach Idstein versetzt. An seiner Stelle wurde Dr. G. W. Metzler zum Direktor des Gymnasiums ernannt.
Auch das Lehrerkollegium war allmählich ein ganz anderes geworden. Es bestand beim Abgang Friedemann's aus den Professoren Kreizner, Schmitthenner,


