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Es wurden Fächer in den Lehrplan aufgenommen, die man später der Universität überlieſs. Schon in Sekunda wurde Philosophie, Rhetorik, Altertumskunde und Hodegetik in je zwei Stunden wöchentlich gelehrt, in Prima ebenfalls in je zwei Stunden Philosophie, Encyklo- pädie, Altertumskunde und Asthetik. Und obwohl es in dem Edikt vom 24. März 1817 hiels:„Der Sprachunterricht macht in dem Gymnasium den eigentlichen Bildungsstoff, und sind demselben 5—8 der Lehrstunden gewidmet“, so rückten doch jene akademischen Fächer um so mehr in den Vordergrund, als der erste Direktor der Anstalt(von 1817 bis 1828), der Oberschulrat Dr. Chr. W. Snell, ein philosophischer Fachgelehrter war und jenen Unterricht selbst übernahm. Auch seine Erklärung der Schriftsteller war mehr populär philosophisch äls philologisch. Trotz seines hohen Alters wufste er aber durch seinen Vortrag die Schüler in hohem Grade zu fesseln und übte aufserdem durch seine ganze Persönlichkeit einen mächtigen Einflufs auf sie aus.
Noch einen weiteren Miſsstand, welchen die Trennung des Obergymnasiums von den Pädagogien zur Folge hatte, finde ich darin, daſs die Heranbildung tüchtiger Lehrer für die Oberklassen dadurch erschwert wurde. Die Lehrer, welche längere Zeit an den Päda- gogien gewirkt hatten, trafen später, wenn sie an das Gymnasium versetzt wurden, selten den richtigen Ton und fanden sich schwer in die nun erforderliche Behandlungsweise des Unterrichts.
Andrerseits ist nicht zu verkennen, daſs die bevorzugte Stellung, welche das Gym- nasium im Jahre 1817 erhielt, grofse Vorteile hatte. Es lag damals gewils in der Absicht der leitenden Staatsmänner, bei den künftigen Staats- und Kirchendienern dadurch, dals sie dieselben durch eine gemeinsame Schule gehen liefsen, den Grund zu gleicher politischer und religiöser Gesinnung zu legen und dadurch das Zusammenwachsen der Bewohner des bunt zusammengewürfelten Staates zu einer geschlossenen Einheit zu fördern und zu be- schleunigen. Das Zusammenströmen der Schüler aus den verschiedenen Landesteilen, aus allen möglichen Lebenskreisen und Ständen, ohne Unterschied der Konfession, war wohl geeignet, ein reges geistiges Leben hervorzurufen. Die Gegensätze, weit grölser als in späterer Zeit, rieben sich aneinander, manche Härten schliffen sich ab, man lernte sich vertragen und dulden. Im späteren Leben standen sich die Beamten und Geistlichen des kleinen Landes, weil sie eine Vorbildungsanstalt besucht hatten, in jeder Beziehung näher, und die aus denselben Jahrgängen blieben für die ganze Folgezeit als alte Bekannte mit- einander verknüpft.
Von einem Ballast an Schülern, die eine andere Berechtigung suchten als die, später studieren zu dürfen, konnte nicht die Rede sein. Vor absolviertem 4 jährigem Kursus gingen fast nur solche ab, die zur späteren Karriere im Staatsdienst kein Maturitätszengnis bedurften, wie die, welche sich dem Forstfach, Bergfach und Baufach widmeten.*) In's praktische Leben traten aus den Gymnasialklassen äufserst wenige aus. Auch die Anstalt zu wechseln und in ein anderes, auswärtiges Gymnasium überzutreten, war dadurch er- schwert, dals das Abgangszeugnis in Weilburg erworben werden mulfste. Nur vereinzelt kam es vor, dals die benachbarten Anstalten in Wetzlar, Mainz, Kreuznach, Coblenz von Nassauern besucht wurden.
Dazu trug auch der Umstand bei, dafs das Landesgymnasium reich ausgestattet war. Man kargte nicht mit den Geldbewilligungen für Bibliothek, physikalische Instrumente u. dgl.,
*) Diese bedurften erst seit 1857 eines Maturitätszeugnisses.


