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wohl noch eine Monarchie, aber eine ſolche, die man gewöhnlich„Tyrannis“ nennt; und daß bei Hobbes Tyrannis und Monarchie ziemlich identiſch ſind, beweiſt Kap. XXI p. 141, wo er unter andern ſagt:„nam qui monarchae irati sunt, tyrannum appellant.“ Was unter dieſen Umſtänden, wo der Souverän thun darf, was er will, Hobbes noch unter Staatsver⸗ faſſung verſtanden haben mag, iſt mindeſtens zweifelhaft. Weit milder faßt Spinoza das Ver⸗ hältnis des Oberherrn den Geſetzen gegenüber auf. Auch er ſagt, daß die Geſetze die höchſte Gewalt nicht binden könnten, aber— und dies muß jedem einleuchten— es liegt doch im Intereſſe eines jeden Souveräns, die Geſetze unverletzt zu erhalten, um die Bürger nicht zu Erbitterung aufzureizen und auf dieſe Weiſe ſeine eigene Stellung zu untergraben; ferner, überhaupt nur ſolche Geſetze zu geben, von denen er im Voraus überzeugt iſt, daß ſie dem Wahte tler angemeſſen ſind.— Man muß freilich zugeben, daß damit etwas Beſtimmtes nicht geſagt iſt.
§ 10. Nachdem der status naturalis der einzelnen Menſchen dadurch beſeitigt iſt, daß ſich eine gewiſſe Anzahl zu einem„status civilis“ zuſammenthat, folgt unmittelbar daraus, daß ſich nun die einzelnen Staaten zu einander verhalten, wie vordem die einzelnen Individuen,)
d. h. zwei Staaten ſind von Natur Feinde oder, wie Hobbes(XIII p. 101) direkt ſagt:„Die
Könige ſind unter ſich Feinde, ſie leben in einem„bellum omnium contra omnes.“ Demnach hat alſo kein Staat Verpflichtungen dem andern gegenüber, jeder vertritt nur ſeinen eigenen Nutzen; demnach darf auch jeder Staat zu jeder Zeit den Frieden brechen und mit einem andern Krieg anfangen.(ei sufficit eius rei habere voluntatem; Spin.). Hieraus iſt freilich eine ſehr verderbliche Konſequenz zu ziehen: es könnte ſomit jeder Staat, ſobald es dem Ober⸗ herrn einfiele, den Nachbarſtaat überfallen, und die einzelnen Staaten müßten ſomit ſtets auf einen Krieg gefaßt ſein. Hobbes ſtellt ſich dies auch in der That ſo vor, wenn er ſagt:„Die Könige müſſen einander immer im Auge behalten, ſie müſſen gewappnet ſein wie Gladiatoren, die Augen offen und die Waffen in Bereitſchaft.“ Dies hatte er freilich als Engländer, auf ſeinem von der Natur wohlbefeſtigten Vaterlande leicht ſagen. Anders iſt es aber auf dem Feſtlande. In jeder geordneten Staatengeſellſchaft, wie z. B. auf dem europäiſchen Kontinent, wird ein ſtillſchweigendes Übereinkommen, oder wenn man ſo will, ein Vertrag beſtehen, wor⸗ nach ſich gegebenen Falls jeder einzelne Staat zu richten hat, ſo daß z. B. keiner einen Krieg anfangen kann, ohne vorherige Kriegserklärung, daß die Neutralität eines Staates von allen andern garantirt wird u. dgl. m.
Während das Recht, Krieg zu beginnen, nach Hobbes und Spinoza in dem Gutdünken eines einzigen Staates liegt, ſind zwei oder mehr Staaten nötig, um Frieden zu ſchließen. ²) Was Spinoza pax nennt, ſtimmt aber nicht mit unſerm Frieden zuſammen; der Ausdruck folgt aber direkt aus ſeiner Anſchauung. Er nimmt, wie wir oben geſehen haben, an, daß die Staaten urſprünglich im Kriegszuſtande leben; wenn nun zwei oder mehrere aus dieſem Zu⸗ ſtande heraustreten, ſo treten ſie in den Zuſtand des Friedens, d. h. ſie ſchließen ein Bündniß (freilich nicht in heutigem Sinne). Wir haben alſo hier pax in dem Sinne von foedus zu nehmen, welchen Ausdruck Spinoza auch mehrmals gebraucht.3) Auch dieſes Bündnis darf nun ein Staat, ſobald er es nicht mehr nötig hat, und ſobald es ihm keinen Nutzen mehr bringt, brechen, ohne ſich dadurch der Treuloſigkeit ſchuldig zu machen. In dieſer Hinſicht hat Spinoza auch vollkommen recht. Die Politik iſt im Grunde genommen nichts als eine Kriegsführung, teils blutig, teils unblutig; jeder iſt ſich hier ſelbſt der nächſte und Hobbes“
¹) Cf. Tr. pol. III, 11.
9 Tract. pol. III, 13..
³) Auerbach überſetzt pax ſtets mit Frieden; ſeine Überſetzung iſt überhaupt, wie auch ſchon Erdmann (a. a. O. II p. 50) bemerkt, in vieler Beziehung mangelhaft; er verfällt in benjelben Fehler, den Simrock bei ſeinen Überſetzungen der mittelhochdeutſchen Dichter gemacht, er überſetzt zu ſehr den Worten gemäß. Hierher
* Patte auch, daß er immer kamilia mit Familie überfetzt, während der Begriff bei Spinoza doch viel weiter iſt.
eerner würde bei dem Pantheiſten Spinoza Deus immer beſſer durch„Natur“ wiedergegeben werden.


