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nicht abzuſehen iſt. Jedermann wird daher wohl einſehen, daß eine Turnhalle für Alzey unbedingt nöthig iſt. Auch ſind die Koſten einer Turnhalle nicht ſo bedeutend, und kann eine ſolche 5 leicht von ſämmtlichen Schulen, öffentlichen und privaten, benutzt werden, wie das ſogar auch in größeren Städten der Fall iſt. An Platz dazu wird es nicht fehlen; ich erinnere nur an den Paatz hinter der Realſchule, der ſtädtiſches Eigenthum iſt und der Stadt eben ſo zu ſagen gar nichts einträgt. Dieſer Raum würde bei Verlegung des Fußpfades genügend ſein zu einer Turnhalle und einem Turnplatze, der natürlich dabei nicht fehlen darf, die Lage iſt ebenfalls günſtig, dicht an der Stadt und doch ſo gelegen, daß die Bewohner nicht zu ſehr durch das frohe, jugendliche Treiben auf dem Turnplatze, das beſonders beim Spielen hervortritt, geſtört werden.
Es wird ſich nun die Frage aufwerfen, wie wohl eine Turnhalle hier beſchaffen ſein müßte, um den Anſprüchen der hieſigen Schulen zu genügen. Zu groß wird dieſelbe nicht zu ſein brauchen, da ſie nur ſo viel Platz darzubieten braucht, als nöthig iſt, um eine Claſſe auf einmal aufnehmen zu können. Nach Claſſen nämlich müſſen die Schüler möglichſt getrennt bleiben, keinesfalls darf eine zu große An⸗ zahl auf einmal unterrichtet werden. Für die Trennung nach Claſſen ſpricht ſchon, daß nur dann die richtige turneriſche Ausbildung erzielt werden kann, wenn nur ſoviel Schüler gleichzeitig turnen, daß trotz individueller Eigenthümlichkeit und Verſchiedenheit der Turnenden doch annähernd gleichmäßige körperliche Ausbildung derſelben erzielt werden kann. Je größer die Schülerzahl, deſto ſchwieriger iſt die Ueberſicht. Bei 100 Schülern kann der Lehrer bei den Gerätheübungen nur beaufſichtigen, er muß ſie alſo Vor⸗ turnern überlaſſen, die nur in den ſeltenſten Fällen die nöthige Kenntniß, Umſicht und Energie beſitzen, und es namentlich nicht verſtehen, körperlich weniger beanlagte Schüler in geeigneter Weiſe zu fördern. Frei⸗ und Ordnungsübungen aber, die ein ſehr weſentlicher Theil des Turnens ſind, müſſen vom Lehrer ſelbſt geleitet werden; bei zu großer Zahl kann er jedoch nicht Alle überſehen und die Ausführung, beſonders der Freiübungen am Orte, gehörig überwachen. In einer Stunde zu theilen, iſt unthunlich und unpädagogiſch, da dann ein Theil ganz ohne Beaufſichtigung des Lehrers iſt. Ein anderer Grund für Trennung nach Claſſen iſt aber auch der, daß nur bei geiſtig und körperlich ziemlich gleichſtehenden Schülern, wie in den anderen Lehrfächern auch, Erfolgreiches geleiſtet werden kann.
Es würde alſo für hier wohl genügen, wenn die Länge des Gebäudes 25— 27 ½ Meter, die Breite 12 ½— 15 Meter, die Höhe etwa 5 Meter betragen würde. Sonach würde die Grundfläche 312 ½— 412 ½ Quadrat⸗Meter betragen; können aber noch Nebenkammern zur Aufbewahrung von Geräthen u. ſ. f. angebracht werden, ſo würde ſich die Grundfläche etwas vergrößern. Der Dachſtuhl darf nicht auf Pfeilern nhen⸗ weil dieſe den Raum ſchmälern, ſondern muß Sprengwerk haben. In der Decke müſſen Balken eingefügt ſein, um verſchiedene Geräthe, wie Gerüſt, Kreisſchwingel, Leitern und Reck darin einlaſſen zu können. Die Fenſter müſſen eine Höhe von 2 ½— 3 Meter haben, damit der Raum, beſonders in trüben Wintertagen, möglichſt hell iſt, auch müſſen deren möglichſt viele angebracht werden. Etwas kann auch durch gute Beleuchtung nachgeholfen werden. Der Boden iſt am Beſten gedielt; geſchlagene Tenne iſt nicht ſo gut; ſie tritt ſich raſch aus, iſt zu hart und im Winter eiſig kalt. Man hat oft die Härte des Bretterbodens gemildert durch Belegen mit Sand oder Lohe. Dies iſt aber unrein und ungeſund. Unglücksfälle ſind bei methodiſchem Betriebe des Turnens, gehöriger Vorſicht und Unterdrückung der Waghalſigkeit und bei ſoliden Turngeräthen ſehr ſelten, und würden zur Ver⸗ hütung derſelben am Beſten geſteppte Matratzen von Roßhaar oder Seegras dienen. Die beſte Temperatur iſt 8 Grad, daher iſt für den Winter eine Heizungsvorrichtung nöthig. Doppelt nöthig iſt dies beim Mädchenturnen.
Die Koſten einer derartigen Halle werden, wenn ſie einfach aus Fachwerk gebaut wird, wohl ſchwerlich 6000 fl. ſehr überſteigen, ein ſchönes Aeußere wird ſich aber auch bei einem ſolchen Gebäude herſtellen laſſen..
Was die innere Einrichtung betrifft, ſo brauchen, um die Koſten nicht zu ſehr zu erhöhen, für den Anfang nur die nöthigſten Geräthe eingerichtet zu werden: Gerüſt, Reck, Kreisſchwingel, die feſt ſtehen; Barren und Springel ſind transportabel zu machen, damit ſie je nach Erforderniß bei Seite geſtellt werden können, um den Platz nicht zu verſperren. Schwingel und Bock ſind überhaupt transportabel, und würden dieſe Geräthe ausreichen; wünſchenswerth wären nur noch wagrechte Leitern(wo möglich 2), deren Geſtell ebenfalls in die Decke einzulaſſen iſt. Die ſchrägen Stangen und Leitern können im Saale


