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eher entbehrt werden, und das Turnen an dieſen auf den Sommer beſchränkt bleiben, zumal dieſelben ſehr viel Platz einnehmen, und darauf zu ſehen iſt, daß die Geräthe möglichſt wenig Platz verſperren. Natürlich müſſen die Geräthe in gutem Zuſtande erhalten werden, und wäre es deßhalb nöthig, daß jedes Jahr zur Unterhaltung derſelben eine beſtimmte, hinreichende Summe ausgeſetzt würde.
Allerdings wird nun die Hauptfrage entſtehen, wie das Geld zum Bau aufgebracht werden ſoll. Jedenfalls wird die Gemeinde das Capital aufbringen müſſen; da dieſelbe aber ſchon ſo vielfach in An⸗ ſpruch genommen iſt, würde es gut ſein, ihr die Laſt der Abtragung dieſes Capitals und der Zinſen abzunehmen und zwar durch Beiträge, die jeder Realſchüler und die Schülerinnen der Privatanſtalten zu⸗ nächſt für Benutzung des Locales geben. Wenn jeder Schüler und jede Schülerin etwa 1 fl. das Jahr Beitrag gibt, ſo wird das nöthige Geld ziemlich zuſammenkommen, ohne daß die Volksſchule weiter zu beläſtigen iſt. Dem Princip des Turnens widerſtrebt es zwar, für den Turnunterricht beſonderes Unterrichtsgeld zu erheben, hier würde das Geld aber nicht für den Unterricht gegeben werden, ſondern es würde nur eine entſprechende Miethe für Benutzung des Locales ſein. Dieſe Einrichtung findet ſich auch an anderen Orten, ſogar an Gymnaſien in Berlin. Zugleich wird dann auch, wenn man den Unterricht in die regelmäßige Schulzeit einfügen könnte, wie es der Fall ſein ſollte, vielleicht den auswärtigen Schülern der Realſchule Gelegenheit geboten ſein, am Turnunterrichte regelmäßig Theil zu nehmen, die jetzt, wegen der Lage der Stunden außerhalb der Schulzeit, leider vielfach davon dispenſirt werden müſſen.
Außerdem würde es aber ſehr von Bedeutung ſein, wenn der Turnverein, der ja früher hier beſtand und der vollkommen eingeſchlafen zu ſein ſcheint, auch wieder ins Leben träte! Sind zwar viel⸗ fach früher die Turnvereine nur zuſammengetreten, um politiſchen Zwecken zu dienen und nur nebenbei die Pflege der Leibesübungen zu betreiben, ſo dürfte es doch wohl als ſicher anzunehmen ſein, daß, nach⸗ dem das deutſche Kaiſerreich wieder erſtanden und die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, dieſe Vereine noch viel nöthiger ſind, wie früher, abgeſehen von den Vortheilen, die ſie ihren Mitgliedern in Beziehung auf Geſundheit u. ſ. w. bringen. Es wird deßhalb hoffentlich nur einer Anregung bedürfen, damit auch hier der Turnverein wieder in's Leben tritt, und könnte hierzu, wie ſchon erwähnt, der Kriegerverein bedeutend mitwirken. Gewiß ſind noch viele junge Männer hier, die gern wieder den Verein ins Leben rufen würden. Wenn dieſer Verein dann ebenfalls die Turnhalle benutzen und zu den Koſten beitragen würde, würde auch dadurch die Gemeinde eine bedeutende Erleichterung genießen. Auch für die Feuer⸗ wehr, die ja meiſtens mit den Turnvereinen verbunden iſt, würde eine Turnhalle in vielfacher Beziehung eine gute Uebungsſtätte ſein. Schließlich könnte man auch ein ſolches Local zu Verſammlungen ver⸗ ſchiedener Art, ohne daß natürlich dadurch der Unterricht Noth leiden dürfte, benutzen, zumal es hier doch an einem größeren Saale für allgemeine Zwecke fehlt.
Möchte deßhalb die Nothwendigkeit und der Nutzen des Turnens an entſprechender Stelle einge⸗ ſehen werden, möchten Gemeinden und Lehrer Luſt erhalten, ſich der Sache der Leibesübungen anzu⸗ nehmen und ſie immer mehr und mehr in Fleiſch und Blut des deutſchen Volkes übergehen zu laſſen, möchten auch die Erwachſenen, für die das Turnen ebenſo nützlich und förderlich, wie für die Jugend iſt, von Neuem dazu angetrieben werden, möchten ſie Turnvereine bilden, die gewonnenen Fertigkeiten zu erhalten und weiter auszubilden, und möchten ſie vor allen Dingen denken, daß das, was Deutſchlands tapferes Volk in dem letzten Kriege mit vielen tauſend Opfern errungen hat, durch unſere Jugend er⸗ halten werden muß, daß es aber dazu nothwendig iſt, die Jugend nicht in Träume und Siegeshoffnungen einzulullen, ſondern ihr ernſt und klar vor Augen zu ſtellen, wie es ihr dereinſt nöthig ſein wird, die koſtbaren, mit theuerem Blute erkauften Erwerbungen des deutſchen Volkes:„Das Kaiſerthum und. das wiederaufgeblühte deutſche Reich“ zu erhalten. Dies möge der deutſchen Jugend und den Eltern der deutſchen Jugend ſtets vor Augen ſchweben. Dazu aber trägt das deutſche Turnen viel, ſehr viel bei, und dies ſollten alle Freunde des deutſchen Reiches und des deutſchen Volkes beherzigen und bethätigen!
Weber’'ſche Buchdruckerei in Alzey.


