Aufsatz 
Ein Beitrag zur Förderung des Turnunterrichtes an der Großherzogl. Realschule, den Stadtschulen und Privatschulen zu Alzey
Entstehung
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werden müſſen. Natürlich muß aus dem Gebiete dieſer Turnart eine ſorgfältige Auswahl für den Turn⸗ unterricht in der Volksſchule getroffen werden.

Waos die Uebungen an den Geräthen betrifft, ſo iſt die Sache hier ſchon eine ſchwierigere, da eine große Menge von Geräthen zu koſtſpielig ſein würde, und auch zu große Mannigfaltigkeit der Turnübungen für die Volksſchule nicht geeignet iſt. Doch werden Schwebeübungen ſehr leicht zu bewerkſtelligen ſein, da ja gefällte Hölzer und Bäume bei jedem Dorfe liegen und nur eines Untergeſtelles bedürfen, um einen Schwebebaum daraus zu machen. Ein Reck wird wohl überall leicht herzuſtellen ſein, da es ein einfaches Geräth iſt, deßgleichen können alle Springübungen, beſonders die Freiſprünge, gepflegt werden, ebenſo alle Laufübungen. Koſtbare Klettergeräthe werden allerdings nicht angeſchafft werden können, es kann aber ein Tau, an dem Aſte eines Baumes herunterhängend, genügen. Einige dünne Stangen für den Anfang im Stangenklettern ſind wünſchenswerth, die dicken erſetzen die Bäume. Auch ſind Wurfübungen für Alle, und Schwingübungen für ſolche, die einſt zur Reiterei übergehen, weſentlich. Welche Geräthe zu beſchaffen ſind, hängt von den localen und finanziellen Verhältniſſen der betreffenden Volksſchule ab. Hauptſache bleibt es, daß Turnvorrichtungen vorhanden ſind, welche der Entwickelung der Beuge⸗ und Stemmkraft des Schülers dienen. Es muß ſomit ein Schüler der Volksſchule bis zu ſeinem 14. Jahre gelangt ſein:

1. zur ſicheren und gewandten Ausführung der geeignetſten Freiübungen, in Verbindung mit den Ordnungsübungen, welche in der Tactik nach den Forderungen des Exercirreglements ſpäter zur Ver⸗ wendung kommen;

2. zur Ausdauer in Schnell⸗ und Dauerlauf;

3. zum regelrechten Springen auf Weite, Höhe und Tiefe;

4. zur ſicheren und leichten Ausführung der landläufigen Turnübungen, welche im Streck⸗ und Beugehang, in Streck⸗ und zum Theil auch Knickſtütz, an einem der gebräuchlichen Hang⸗ und Stemm⸗ geräthe der deutſchen Turnſchule dargeſtellt werden. Wünſchenswerth ſind dann noch die Schwebeübungen, Seilübungen, Wurf⸗ und Ringübungen und die Turnſpiele. Um dieſe Fertigkeiten zu erlangen, iſt aber unbedingt nöthig:

1. ein freier Platz zur Aufſtellung einer Schulclaſſe für den Betrieb der Freiübungen;

2. eine überdeckte Turnhalle oder ein Turnhaus für die Turnübungen bei ſchlechtem Wetter und im Winter;

3. einfache Springvorrichtungen;

4. Hang⸗ und Stemmgeräthe.

Für kleine Orte ſind dieſe Dinge allerdings ſchwerer zu beſchaffen, wie für große, beſonders ein Turnhaus wird nicht leicht zu beſchaffen ſein. Größeren Städten iſt dies ein Kleines, und geht darin Dresden mit gutem Beiſpiele voran. Dort ſind für die Volksſchulen 12 Turnhallen projectirt, und waren im vorigen Jahre 7 davon bereits fertig und im Gebrauche. Auf dem Lande wird aber bei gutem Willen auch zu helfen ſein, da ſich eine Tenne oder ein Schuppen wohl ermitteln und für Turnzwecke herſtellen laſſen wird. Auch läßt es ſich vielleicht ermöglichen, da die meiſten Dörfer doch Spritzenhäuſer gebrauchen, dieſe in Zukunft etwas größer anzulegen und dadurch eine ländliche Turnhalle zu gewinnen; während des Turnens könnten dann die Spritzen entfernt werden, um Raum zu gewinnen; im Nothfalle könnten ſich auch mehrere kleine nahe bei einander liegende Ortſchaften vereinigen, um eine gemeinſame Turnanſtalt zu gewinnen.

In Anbetracht der Nothwendigkeit des Turnunterrichtes in der Volksſchule hat denn auch die letzte Turnlehrerverſammlung folgende Theſen angenommen:

1. Für den Turnunterricht in der Volksſchule, welcher für das Alter von 8 bis 14 Jahren obli⸗ gatoriſch iſt, ſind wöchentlich 2 Stunden einzuräumen.

2. Zu den nothwendigen Unterrichtsräumen gehören mindeſtens:

a. ein freier Platz und ein bedeckter Raum zur bequemen Aufſtellung einer vollen Schulclaſſe; b. Vorrichtungen für die Springübungen; c. das Nothwendigſte von Hang⸗ und Stemmgeräthen.

3. Für die deutſche Volksſchule iſt das auf Grund der Vorarbeiten von Friedrich Guts Muths

und Ludwig Jahn fortentwickelte Turnſyſtem von Adolf Spieß das am meiſten geeignete.