Aufsatz 
Ein Beitrag zur Förderung des Turnunterrichtes an der Großherzogl. Realschule, den Stadtschulen und Privatschulen zu Alzey
Entstehung
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der Knabe das Pflichtgefühl beweiſen, hier muß er erzogen werden zu unbedingtem, ſchweigendem Gehor⸗ ſame und reſpectvoller Haltung..

Naächſtdem iſt die moraliſche Erziehung im Auge zu behalten. Mäßigkeit iſt eine Hauptſtütze für den Krieg, Genußſucht ſchadet vielfach, ruft Krankheiten hervor und führt zu Ueberſchreitungen der militäriſchen Ordnung. Dieſe Mäßigkeit muß gefördert und gehoben werden, auch durch Eurnachrne, aber durch ſolche, bei denen der Knabe an Ertragen von Hunger und Durſt gewöhnt wird, denn dies kommt dem ſpäteren Soldaten zu Gute. Endlich müſſen die Weichlichkeit und das Laſter durch das Turnen vertrieben werden, indem die weichlichen Schüler müde gemacht und dadurch vor Abwegen be⸗ wahrt werden. Vor Allem aber iſt die Vaterlandsliebe zu wecken; leicht vergißt ein Volk die erduldeten Leiden, die Jugend aber darf nicht vergeſſen, wofür gekämpft wurde, ſie muß ſich bereit machen, das Errungene zu behalten.

Auch ſchon Guts Muths hebt den Vortheil der Gymnaſtik für die Wehrhaftigkeit hervor, indem er ſagt:

Tüchtigkeit des Heeres iſt Hauptſache; die Vertheidigung der Freiheit und Selbſtändigkeit eines Volkes beruht nächſt Gott auf der körperlichen und geiſtigen Kraft und der ächt vaterländiſchen Gemüths⸗ art, die Vertheidigung kann aber nicht nur mit Kopf und Herzen geführt werden, ſondern auch mit dem Leibe. Sagt man, die Noth lehrt von ſelbſt die Waffen ergreifen, ſo iſt zu entgegnen, die Noth ſoll nicht wieder ins Land gelaſſen merden, ſie ſoll abgewehrt werden. Um aber die obige Bedingung zu erreichen, muß der Jugend eine vaterländiſche Erziehung für den Geiſt und eine ächt körperliche, zur Waffentracht vorbereitende, für den Leib gegeben werden; auch für den Leib, denn ſicherer und entſchei⸗ dender tritt ein körperlich ſtarkes und gewandtes Volk, begabt mit Muth und vaterländiſchem Sinne, vor den Riß, als ein vaterländiſch geſinntes, aber körperlich ungeübtes und ſchwaches. Nur ein Menſch, der durch Erzichung die ächten Bedingungen der Tapferkeit und des Muthes, nämlich Kraft und Gewandtheit erhalten hat, kann ein tüchtiger Streiter ſein; Tüchtigkeit der Einzelnen bildet aber die Tüchtigkeit, die Güte des Heeres. Wenn auch die kriegeriſchen Uebungen vollkommen alle nöthige Vorbereitung zur ganzen Tüchtigkeit des Wehrmannes haben ſollten, ſo iſt hier die Rede von Vorübungen, von beſon⸗ derer Tüchtigmachung des Vaterlandsvertheidigers zu den eigentlichen Waffen⸗ übungen, von Vorübungen, die ihm den Waffendienſt erleichtern ſollen. Dies gilt ſowohl für den Landmann, als für den Städter. Der Knabe auf dem Lande erlangt Kraft, und ſofort tritt Arbeit im Hauſe und Felde neben die Schule. Aber dieſe einfachen, oft ſchweren immer wiederholten und oft lang anhaltenden Arbeiten können zwar Stärke und Dauer geben, aber Gewandtheit weder geben noch laſſen. Vielmehr gewöhnt ſich dadurch der Körper an gewiſſe Bewegungen, er erſtarrt darin durch lange Wieder⸗ holung, er wird darin ſteif, ſchwerfällig und zu jeder raſchen, flinken Bewegung ungeſchickt und unauf⸗ gelegt, er erhält die Langſamkeit des ſchwer belaſteten knarrenden Wagenrades. Daher ſchon der aus⸗ zeichnende Gang dieſer Menſchen, wenn ſie weiter emporgewachſen. Im zwanzigſten, oft ſchon im achtzehnten Jahre ſind dieſe braven Menſchen in ihrer Geiſtes⸗ und Körpergewöhnung mehr oder weniger ſteif und ſtarr. Sie jetzt von Neuem umzuſchaffen iſt ſchwer, am ſchwerſten für ſie ſelbſt; das wißſen alle die, welche ſie zu den Waffenübungen abzurichten haben. Ebenſo iſt es mit dem Städter. In der höheren, gebildeten Claſſe tritt das geſtörte Gleichgewicht zwiſchen Leib und Geiſt deutlicher hervor; der ver⸗ zärtelte Leib hat ſeine Kraft ſcheinbar abgegeben an den Geiſt, jener ſchmachtet, dieſer ſchwelgt in Ge⸗ lüſten. Dieſe Körperſchwäche drängt den Geiſt in das Luftſchiff der Phantaſie. Die Leibeserziehung der Städter jeder Claſſe ſteht unter der des Landmannes, inſoferne ſie mehr, als dieſe, ſchädlichen Ein⸗ flüſſen ausgeſetzt iſt. Reine Luft und freier Spielraum ſind zwei wichtige Dinge. Dieſe gewährt mehr das Dorf, als die Stadt. Hier wächſt die Jugend heran mehr eingeſchloſſen, häufig ſogar in dumpfen Wohnungen, und wechſelt täglich die Schulluft mit der Luft der Werkſtätte und der Kinderſtube. Zum Herumtummeln im Freien fehlt es oft an Raum, und in die freie Natur gelangt ein Knabe aus größeren Städten ſchon ſelten, um ſo ſeliener, je ſorgfältiger die Eltern in ſittlicher Hinſicht wachen, um der Straßenerziehnng auszuweichen. Bei dieſer Stu enerziehung iſt aber wenig an Kraftentwicklung des Lebens zu denken. Nach der Schulzeit iſt dann der größte Theil in Werkſtätten aller Art beſchäftigt. Da gewinnen nur die Glieder Kraft, die zur Arbeit gehören, dieſe erſtarren nach und nach in der ge⸗ wöhnten Beſchäftigung, die übrigen werden wenig gebraucht, ihre Muskeln erſtarken nie durch Uebung,