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bedeutendſten Feldherrn, wie der höchſten Behörden, die jedenfalls umfaſſende und genaue Unterſuchungen angeſtellt haben, und denen tiefgehende Erfahrungen zu Gebote ſtehen. Hier iſt zuerſt der Kaiſer ſelbſt zu erwähnen, der, wie der Kronprinz, ſich ſtets vortheilhaft über den Einfluß des Turnens ausgeſprochen, ebenſo Prinz Friedrich Karl; deßhalb wird das Turnen auch bei dem preußiſchen Militär ſo eifrig be⸗ trieben. Wie dieſe, ſo ſprach ſich auch zu wiederholten Malen General Werder, der früher Director der Centralturnanſtalt war, aus, ebenſo General von Boſe und manche andere bedeutenden Perſönlichkeiten, ſo Major von Stocken, der eine Reihe von Jahren als Dirigent an der Centralturnanſtalt gewirkt hat, der Herausgeber der Uebungstabellen, die in der ganzen deutſchen Armee geltend ſind. 1872 erſchien ein neuer Aufſatz von ihm, in dem er von den wunderbaren Reſultaten des Turnens in der Armee ſpricht. Viele Officiere legen aber auch dem Turnen der Jugend eine gar nicht zu unterſchätzende Bedeutung für das Militär bei. Was die leitende Behörde darüber denkt, wird wohl aus nachſtehendem Erlaſſe aus Caſſel, vom 24. März 1871, über den Betrieb des Turnens in den Elementarſchulen des Regierungs⸗ bezirkes Caſſel hervorgehen. Derſelbe lautet:
„Für die älteren Provinzen beſtehen Beſtimmungen, daß der Unterricht in gymnaſtiſchen Uebungen ein integrirender Beſtandtheil des Volksſchulunterrichtes für die männliche Jugend ſei. Hiermit überein⸗ ſtimmend enthält auch die revidirte Schulordnung für die Volksſchulen in Nieder⸗ und Oberheſſen An⸗ ordnungen, nach welchen für die Knaben allenthalben Turnübungen einzurichten ſind. Dies iſt nicht überall geſchehen und wird dieſes gemißbilligt. An ſich iſt ſchon geregelte Leibesübung für ethiſche und phyſiſche Erziehung der Jugend unzweifelhaft wichtig; dazu kommt, daß die gymnaſtiſche Ausbildung im engeren Zuſammenhange ſteht mit der Wehrhaftigkeit uuſeres Volkes und dieſer letzteren dienſtbar iſt. Sie hat alſo zugleich eine nationale Bedeutung, deren Tragweite in den großen Ereigniſſen der letzten Zeit für jedes Auge erkennbar geworden iſt. Hiernach iſt die Einführung derſelben Pflicht, und die Hin⸗ derniſſe ſind zu beſeitigen. Oft wird geſagt, auf dem Lande und in kleinen Städten ſei eine methodiſch geordnete Leibesübung entbehrlich, weil ſonſt körperliche Bewegung und Uebung der Körperkräfte in Feld⸗, Garten⸗ und Hausarbeit da ſei, die ebenſo kräftigend wirke. Dies iſt falſch, es entſteht dadurch nur eine einſeitige Ausbildung einzelner Glieder; Bewegung aller Muskeln und daraus hervorgehende Gewandtheit und Gelenkigkeit des ganzen Körpers wird nicht erzielt. Dies zeigt ſich deutlich bei Ein⸗ übung der jungen Mannſchaften, da die ländliche Jugend ſchwerfälliger als die ſtädtiſche und zurückſteht an Geſchick, Zähigkeit und Ausdauer.“
So ſpricht ſich die Behörde aus und widerlegt damit zugleich den Einwurf, der ſo oft gemacht wird, daß für die Städte vorzugsweiſe das Turnen nöthig ſei, die Jugend auf dem Lande aber daſſelbe eher entbehren könne.
Die practiſche Seite der Frage über die Bedeutung des Turnens für das Militär iſt aber wohl die, ob durch das Turnen Abkürzung der Dienſtzeit und Erleichterung der Militärpflicht erreicht werden kann. Um dieſe Frage zu löſen, ſcheint es nöthig, die Erfolge des Turnens nach zwei Richtungen hin auseinanderzuhalten. Vorerſt hat nämlich das Turnen unmittelbare körperliche Erfolge, die wir meſſen können. Durch das Turnen wird eine gewiſſe Springfähigkeit, eine gewiſſe Ausbildung der Beuge⸗ und Streckmuskeln des Armes erzielt u. ſ. f. Dies iſt die directe Wirkung des Turnens. Dieſe meßbaren Wirkungen ſind nun allerdings auch nicht bedeutungslos für die militäriſchen Verhältniſſe; es iſt ja weſentlich, ob Jemand Muskelkraft in den Armen und in den Beinen hat, denn dadurch wird ſeine Leiſtungsfähigkeit erhöht. Trotzdem iſt dies aber nicht das Hauptſächlichſte für das Militär, das Turnen hat auch mittelbare Wirkungen; dieſe ſind eine allgemeine körperliche Gewandtheit und Anſtelligkeit, grö⸗ ßere Ausdauer, und dann ſind es ſittliche Wirkungen: Wirkung auf die Geiſtesgegenwart, auf geiſtige Ausdauer, Selbſtbeherrſchung und Muth. Die mittelbaren Wirkungen ſtehen für die militäriſche Fähigkeit des jungen Mannes ungleich höher, als die unmittelbaren. Jedenfalls müſſen die Wirkungen und Erfolge des Turnens auf irgend eine Art gemeſſen werden, wenn daraus eine Abkürzung der Dienſtzeit hergeleitet werden ſoll. Dieſe Prüfung iſt aber ſchwer anzuſtellen. Die wichtigſten Wirkungen, die mittelbaren, kann man nicht meſſen, die meßbaren aber können keinen Ausſchlag geben, denn keinesfalls hat Jemand, der eine Uebung zwölf Mal machen kann, mehr geiſtigen Muth, als derjenige, der ſie nur drei Mal fertig bringt. Dabei iſt zu beachten, daß der verſchiedene Bildungszuſtand eines Menſchen für die Aus⸗ bildung der körperlichen Wirkungen nicht gleichgültig iſt, und daß dieſer nicht einmal nach der Höhe der


