— 25— Seldzuges aufgeſtellte Statiſtik. Nach dieſer ſind im Kriege in Gefechten gefallen oder ihren Wunden er⸗ legen 32,291 Mann, an Krankheit und Strapatzen geſtorben 22,599. Dies iſt ein Verhältniß von 13:9. Von den Turnern aber kamen auf 617 Opfer der Gefechte, 191 Opfer der Strapatzen. Dies iſt ein Verhältniß etwa von 13:4. Es müßten alſo die Turner entweder doppelt ſo widerſtandsfähig geweſen ſein, als die Geſammtheit, oder doppelt ſo todesmuthig, oder ſie hätten in beiderlei Beziehung etwas vorausgehabt. Jedenfalls zeigt ſich ein Verhältniß zu Gunſten derer, die geturnt hatten. Dabei iſt zu bedenken, daß die Leute, welche als Turnvereinsmitglieder mit hinausgezogen ſind, nicht alle Turner in dem Sinne waren, wie ſie es hätten ſein können. Viele waren gewiß darunter, die vielleicht nur ein Jahr oder ein halbes Jahr einem Turnvereine angehört haben. Dieſe Zahlen zeigen alſo, daß dun neden dem Vaterlande im Kriege ſeine Söhne bewahrt und erhält, oder aber ihnen den Mannes⸗ muth ſteigert.
Wie aber das Turnen in dieſer Beziehung für den Soldaten von großem Vortheile iſt, ſo iſt es auch von hohem Werthe für das moraliſche Element in der Armee. Durch das Turnen wird Selbſtvertrauen erzeugt, und dies iſt für den Soldaten unentbehrlich. Deßhalb muß auch beim Turnen auf Erweckung des Selbſtvertrauens, auf die Entſchlußfähigkeit hingearbeitet werden, zumal unſere Jugend oft kräßtig genug für eine Leiſtung iſt und ſie doch nicht wagt, da der Entſchluß fehlt. Auch der Ehrgeiz, den unſere Jugend beim Turnen zu entwickeln Gelegenheit hat, nützt für die mili⸗ täriſche Ausbildung und den Beruf des Kriegers, natürlich darf derſelbe aber nicht zu ſehr geweckt wer⸗ den. Auch im Felde haben die mitgezogenen Turner ein moraliſches Element mit in das Heer gebracht, das zu Gutem gewirkt hat; ſie wirkten, wie die einjährig Freiwilligen es gethan haben oder hätten thun ſollen, indem ſie durch ihr Beiſpiel auch die Anderen dazu antrieben, Strapatzen aller Art freudiger zu ertragen und den drohenden Gefahren muthiger in’s Auge zu ſehen.
Oft wird zwar geſagt, daß der Vortheil des Turnens für den künftigen Wehrmann überſchätzt werde, und auch preußiſche Officiere haben ſich ſchon in dieſem Sinne geäußert; ſie behaupten, daß das Turnen nur darum von Werth ſei, weil es das Selbſtvertrauen erwecke und Hinderniſſe zu überwinden lehre, im Uebrigen ſei eine Truppe, die gar nicht geturnt, gerade ſo feſt in ihrer Kriegstüchtigkeit, wie jede andere, denn die Hauptſache bei dem Soldaten ſei die ſtrenge Disciplin, die unermüdliche Thätigkeit, die Liebe zur Pflicht und die Achtung vor der Obrigkeit.
Auch wird angeführt, daß es auf die turneriſche Gewandtheit wenig ankomme. Im Kriege wür⸗ den alle geiſtigen und leiblichen Kräfte des Menſchen in Anſpruch genommen, und jeder könne da ver⸗ werthen, was er gelernt habe. Der Soldat brauche nur ein gewiſſes Maß von Gewandtheit, nicht die ſpeciſiſch turneriſche, er müſſe ſich raſch hinwerfen und aufraffen können, überhaupt fähig ſein für das zerſtreute Gefecht; dieſe deaiteen bringe ihm das Heer ſelbſt bei, die leichte Turnmanier ſei aber nach preußiſchen Begriffen unmilitäriſch. Die techniſche Erfahrung der verſchiedenen Handwerke komme dem Heere zu Gute. Zimmerleute, Maurer, Bergleute, Schmiede ſeien auch in der Compagnie unentbehrlich; Leute, die von Außen einem Gebäude anſehen, wie es innen beſchaffen ſein muß, die militäriſche Hin⸗ derniſſe, Verhaue u. ſ. f. zu beurtheilen wiſſen, ſeien vorzugsweiſe von Vortheil.
Als Beweis, daß der Einfluß des Turnens überſchätzt werde, wird geltend gemacht, daß die Franzoſen⸗ trotzdem bei ihnen das Turnen während einer ſechsjährigen Dienſtzeit mit der größten Energie etrieben werde, doch von den Deutſchen im Kampfe überwunden worden ſeien. Dagegen läßt ſich aber vorerſt anführen, daß das Turnen, wenn es den richtigen Erfolg haben ſoll, möͤglichſt früh angefangen und bis zum Eintritte in das Militär fortgetrieben werden muß. Das fehlt aber den Franzoſen, die meiſt erſt mit dem Eintritte in das Heer das Turnen betreiben, wenn der Körper theilweiſe ſchon ſteif iſt, daher hat ſich ihre Turnfertigkeit im letzten Kriege nicht ſo erfolgreich gezeigt, wie man vielleicht er⸗ wartet. Hauptſächlich aber iſt die Niederlage der Franzoſen doch dem Mangel an Disciplin und mora⸗ liſcher Kraft, einer Folge der ſittlichen Verkommenheit und Entnervung des franzöſiſchen Heeres, zuzu⸗ ſchreiben, ſowie ihrem übertriebenen Hochmuthe, der ſie verleitete, zu viel auf das Turnen allein zu halten, ſo daß ſie glaubten, jeder von zhnen könne es, weil ſie turnten, mit wenigſtens fünf Preußen aufnehmen. Wäre die Disciplin der Franzoſen eine beſſere geweſen, dann wäre der Kampf, gerade wegen des Turnens, für die Deutſchen noch ein viel heftigerer, und der Sieg ein noch viel ſchwererer geweſen.
4 Dafür, daß das Turnen von Vortheil für das Militär iſt, ſpricht das Urtheil der höchſten und


