Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
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einfahren kann, um danach erst wieder in ihren eigenen Leib zurückzukehren, so können alle Geistwesen der Erde in fremde Objekte einfahren. Sie können dabei beliebige Gegenstände wählen, denn alle sind beseelt und auf Geisterbesuch ein- gerichtet. Daß ein mächtiges Wesen in irgend einem Gegen- stande einsitzt, ist dem nicht anzusehen, nur aus den von ihm ausgehenden Wirkungen ist es zu erschließen. Wollen sich die Götter und Dämonen in ältester Zeit in der Erscheinungs- welt den Menschen kundtun, so müssen sie sich zunächst eine Hülle suchen, d. h. irgend einen belebten oder toten Gegen- stand wählen, in dem sie Aufenthalt nehmen und vor dem dann ihre Anbeter die ihnen gebührende Anbetung verrichten können. Wo dieser Gedanke im primitiven religiösen Leben vorwiegt, wird sich die Tierverehrung mächtig entwickeln. Der Naturmensch bleibt aber nicht dabei stehen, seine Götter nur als geistige Wesen anzusechen, die fremder Hüllen be dürfen. Die selbständig auftretenden Menschenseelen und die nach ihnen gebildeten Numina sind dem Naturmenschen um ihrer Fremdartigkeit und Obersinnlichkeit willen mächtige Wesen, die mehr verstehen als der einfache Mensch. Als ein Ausfluß ihrer überlegenen Fähigkeiten wird es angesehen, daß sie nicht in eine einzige Erscheinungsform gebannt sind, daß sie nach ihrem Belieben andere Formen annehmen, sich um- gestalten können; die Menschenseele kann das tun, alle Götter und Dämonen tun es ihr gleich. Ist die primitive Phantasie, ihre einfachen Grundvorstellungen weiterspinnend, bis zu diesem Punkte gekommen, dann braucht nichts auf Erden mehr das zu sein, was es scheint. Es kann dann z. B. ein Mensch, der da gerade vorübergeht, ein Gott sein, der in dieser Verwandlung auf die Erde niederstieg, es kann ein Dämon des Feldes, Waldes, Wassers, Berges in menschlicher Gestalt sein; es kann ein Tier sein, das sich vorübergehend zum Menschen ver wandelt hat. Ein Tier kann die Erscheinungsform einer von ihrem Körper zeitweilig getrennten Menschenseele sein, dann der Träger oder Wirt eines eingefahrenen mächtigen Geistes, es mag auch die Verkörperung oder Maske eines Uberirdischen vorstellen, es kann schließlich ein früherer Mensch sein, der in solcher Tierform sein Leben fortsetzt.