Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
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uns eingehend mit der Ursache des Tierverwandlungsglaubens befassen. Auch wäre das angesichts des lückenhaften Materials eine kaum zu lösende Aufgabe. Wenn es aber erlaubt ist, wenigstens einer Vermutung Raum zu geben, so möchte ich annehmen, daß der, welcher den Tierverwandlungsglauben uni- versell behandeln will, schwerlich am Totemismus vorbeikommt. Theoretisch läßt sich kaum viel gegen die Möglichkeit ein- wenden, daß der Tierverwandlungsglaube darin seine Erklä- rung finden mag, dab man unter der Herrschaft des Totemismus annimmt, ein Mensch brauche nicht notwendig bis zum Tode zu warten, um zu seinem Totemtiere zu werden. Ahnliche Ideen sind uns ja bekannt. Wir haben z. B. gesehen, daß der Mensch den Glauben an das Unsichtbarmachen entwickelt, weil ihn, wie ich überzeugt bin, dazu der Gedanke verlockte, schon im Leben die machtverleihende Form des Seelenmenschen oder Gespenstes annehmen zu können; und weiter lermten wir die Meinung kennen, die Scele habe nicht bis zum Tode des Menschen zu harren, um aus ihrem Leibe herauszugehen, wo- durch die verschiedenen Wahnvorstellungen vom Ausfahren der Seele aus dem Lebenden entstanden. Daß der Totemismus die Idee erzeugen kann, mit überirdischer Hülfe sei eine Ver- wandlung zum Totemtiere schon vor dem Tode zu erreichen, ist als durchaus möglich zu erwarten. Aus dieser Wurzel mögen dann solche Gebilde, wie die Werwolfssage, aufwachsen. Doch möge dies nur als das, was es sein soll, als Vermutung auf gefabht werden.

Im norddeutschen Aberglauben kennt man noch schließlich als verwandlungsfähige Leute die Nachtwandler. Das sind Menschen, die in Form von Gespenstern oder in irgend welcher Verwandlung in der Nacht umherschweifen, andere Menschen quälen, aber selbst großbe Leiden zu dulden haben. So z. B. müssen sie mit bloßen Händen Dornen abreißen, durch breite Wasser hindurchschwimmen oder sich in Feuer stürzen. Zu meist erscheinen sie in der Verwandlung als Katzen oder als Tonnenreifen, die sich schnell drehen und, ohne daß sie ge- hascht oder aufgehalten werden können, viele Meilen Weges zurücklegen. Von ihnen sagt Wuttke, S. 276:Durch die nächtliche Quälerei, von der die Unglücklichen selbst oft nichts