Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
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sind die Leute, die sich in einen Wolf verwandeln können, die Werwölfe.

Uber den Ursprung des Namens Werwolf sagt Andree (Ethnologische Parallelen und Vergleiche, Stuttgart 1878, S. 63):Was den Namen Werwolf betrifft, so gibt gegen- über vielen falschen Deutungen Hertz die richtige. Wer heißt Mann(altsächsisch, angelsächsisch, althochdeutsch wer, gaelisch vair, lateinisch vir), ein Wort, noch erhalten in unserem Wer- geld; daher Werwolf ein Mannwolf, ein Wolf, der eigentlich ein Mensch ist.

Der Glaube an Werwölfe oder, besser gesagt, an Men schen, die der Verwandlung in ein reißendes Tier fähig sind, gehört dem ganzen Erdkreis an. In andern Ländern treten Löwe, Tiger, Hyäne, Jaguar usw. für den Wolf ein. Wir haben es hier also mit einem menschlichen Elementargedanken zu tun, wie Bastian solche allverbreiteten Ideen nennt. Darum gebührt diesem Glauben eine universelle Behandlung, und es muß als verfehlt gelten, wenn Mannhardt den deutschen Wer- wolf aus dem oben erwähnten Korn- oder Roggenwolf ableiten will und Krauß sich ihm in seinem Buche über den Volks glauben der Südslawen anschliebbt. Über die Erklärung des Werwolfglaubens wird später zu reden sein. Den Glauben an Menschen, die sich in einen Wolf verwandeln können, teilen alle europäischen Völker, und er geht weithin ins nördliche Asien hinein.

Uber die Art, wie sich ein Mensch in einen Wolf ver wandelt, herrscht keine einheitliche Meinung. Bald wird ge- glaubt, daß es jedermann kann, der sich das Mittel dazu verschafft, bald wird zu solcher Verwandlung eine angeborene Gabe vorausgesetzt. Das Mittel zur Verwandlung ist der Wolfs- gürtel oder das Wolfshemd, das schon in der nordischen Mytho- logie seine Rolle spielt. Der Wolfsgürtel besteht aus Wolfs oder Menschenhaut, besonders soll die Haut eines Gehenkten dafür brauchbar sein. Die Schnalle des Gürtels hat nach weit verbreiteter Volksmeinung sieben Zungen und auf dem Gürtel sollen die zwölf Himmelszeichen eingewirkt sein(s. Wuttke,

Abschnitt 407). Zumeist wird angenommen, daß der Wolfs- gürtel auf den bloßhen Leib anzulegen ist, nach anderer Meinung