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organe bis zum Ersticken zusammenzupressen, so daß der Ge— marterte nicht einmal schreien kann.— Uralte menschliche Vorstellungen führt aber noch der Trudenglauben dort mit, wo geglaubt wird, daß die Trude in ihrer wahren Menschen- gestalt durch die Dorfgassen schleicht und beim Einschlüpfen in ein Haus als Geist ihr Seclengehäuse durch den Mund ver-— lähht, es an die Hauswand lehnt und als Seele ins Haus ein— dringt. Wir haben des Glaubens, daß die Trude, wie ja auch die Hexe, ihren Leib willkürlich verlassen kann, um rein als seelisches Wesen handelnd aufzutreten, schon früher Erwähnung getan, und in diesem Punkte hat auch der deutsche Volks- aberglaube, wie auch im früher erwähnten Seelenglauben, die der ganzen primitiven Welt angehõrige Vorstellung, daß der menschliche Organismus nur ein loses, leicht trennbares Ge— füge von Leib und Secle sei, treu festgehalten. Ja, auch eine Erinnerung an die urmenschliche Traumsecle liegt noch vor, wenn Wuttke folgende Volksmeinung berichten kann: „Währenddessen(d. h. während der Zeit, wo die Truden- seele draubéen ist) liegt der seclenlose Leib wie im tiefen Schlafe, und diese Irrfahrt kommt dem Menschen beim Er-— wachen wie ein Traum vor“. Wuttke, Abschn. 405.— Im Salzburger Glauben bricht die Seelenhülle der Mahre zusammen, wenn man sie anrührt oder anredet; dann stößt die Mahre drinnen im Hause einen fürchterlichen Schrei aus.
Durch die Tätigkeit der Mabre, des Alps erklärt sich das Volk alle die Erscheinungen der Atemnot, der Brust-— beklemmungen, die man jetzt als asthmatisch zu bezeichnen pflegt und die sich aus verschiedenen Ursachen herleiten können.
Die alle Wahngestalten der primitiven Welt beerbenden Hexen haben an vielen Orten die Rolle der Truden über- nommen; wo beide noch auseinandergehalten werden, wird oft insofern zwischen ihnen ein Unterschied gemacht, als man glaubt, daß die Trude einem übermächtigen Drang nachgibt, der sie oft ganz gegen ihren Willen zu ihrem Tun treibt, während die Hexe nur ihrer grundschlechten Natur folgt.
Neben Hexen und Truden, die aller möglichen Ver-— wandlungen fähig sind, glaubt das Volk noch an Menschen, die nur eine einseitige Verwandlungsfähigkeit besitzen. Es


