Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
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Krauß von diesem Glauben der Südslawen urteilt: Der Hexen- glaube der Südslawen gleicht einem Wiener Kehrichthaufen, in dem Abfälle aller möglichen Art kunterbunt eingeworfen werden. Was für lose umeinandergeschichtete und durch- einandergemengte religiöse Vorstellungen begegnen sich nicht im Hexenglauben! Rein der Kehricht eines alten, in Auflösung begriffenen Volksglaubens(Krauß, S. 114).

Wie die Hexen, so haben auch(nach den Oldenburgern) die Freimaurer ihre Künste vom Teufel, und borgen von ihm, mit dem sie im Bunde stehen, die Kunst, sich in Störche zu verwandeln; als solche halten sie dann Versammlungen ab.

Der Volksglaube kennt auch Mittel zur Verwandlung, die nicht direkt durch einen Bund mit dem Bösen bezogen sind oder bei denen wenigstens die Herkunft dunkel bleibt. Ihrer aber sind sehr wenige. In der reichen Schatzkammer Wuttkes vom deutschen Volksaberglauben finden sich als Mittel zur Verwandlung nur angegeben ein Riemen, der nach Mecklen- burger Volksglauben von einem Zauberer besprochen sein mußte und der zur Verwandlung in einen Hasen verhilft. Dann ist nur noch der früher schon erwähnte Blendstein da, der oft in Zeisignestern gefunden worden und nach schlesischem, böh- mischem und tirolischem Glauben zur Verwandlung sowohl, wie auch zum Unsichtbarmachen taugen soll. Wir sehen, dab das eine recht geringe Ausbeute ist, und das mag sich wohl daher erklären, daß der Volksphantasie die Verwandlungskunst anrüchig und gefährlich erschien. Letzteres auch darum, weil, wie wir später sehen werden, der Mensch in der Verwandlung sich allerlei unliebsamen Abenteuern aussetat. Dem Glauben an das Unsichtbarmachen stand der primitive deutsche viel näher, das beweisen die Menge von Mitteln, die dafür ersonnen worden sind.

Wenden wir uns nun zu denjenigen Verwandlungen, die weniger auf Grund erlernter Kunstfertigkeit als vielmehr auf Grund innewohnender Fähigkeit dazu vorgenommen werden. Ubrigens lassen sich Motive der verschiedenen Verwandlungen nicht scharf nach erlernter Kunstfertigkeit, natürlicher Fähig- keit und passivem Erdulden eines Zwanges trennen. Diese Motive treten meist bei allen Verwandlungsvorstellungen