Lehrerbibliothek der Oberrealschule Giessen
₰— Vorwort.
Zuerst wollte ich die von Dr. Schöner im 3. Bande von Starcks Blättern für hessische Volkskunde veröffentlichten Er- zählungen des alten Mannes von Eschenrod mit Parallelen be- legen und ethnologisch erläutern. Auf diese Absicht bezog sich der ursprüngliche Titel meiner Arbeit:„Hessischer Volks— glaube in ethnologischer Beleuchtung“. Es zeigte sich aber bald, daß die beabsichtigte Arbeit bei einigermaßen eingehen- der Behandlung des Stoffes allzuweit über den Rahmen einer Programmarbeit hinauswachsen würde, eine knappe Behandlung ihr aber einen skizzenhaften Charakter aufgeprägt hätte. So beschränkte ich mich auf die Untersuchung des in der 16. Er- zählung gegebenen Problems vom Verwandlungsglauben. Um ihn zum Verständnis zu bringen, mußte ein Bild primitiven Geisteslebens entrollt werden, wodurch auch hier eine Menge von Stoff zu bewältigen war, so daß angesichts der Begrenztheit der der Schule zum Druck der Arbeit zur Verfügung stehenden Mittel aufs sparsamste mit dem Raum umgegangen werden muſßte. Hierdurch erklärt sich das Bestreben nach möglichster Kürze und die Knappheit in der Verwendung der Belege. Ich habe mich aber nach Kräften bemüht, die Klarheit des Aus- drucks nicht dabei zu Schaden kommen zu lassen, was um so bedauerlicher wäre, als ich der Arbeit das allgemeine Ver— ständnis sichern wollte, denn nach meiner Ansicht hat eine Programmarbeit nur dann noch eine rechte Bedeutung, wenn sie popularisierende Tendenzen verfolgt.
Zur Vermeidung von Mißverständnissen möchte ich noch zufügen, daß der Verwandlungsglauben nur als Bestandteil des praktischen Volksaberglaubens behandelt wurde. Im übrigen beruht meine Arbeit in der Hauptsache auf den Forschungen Bastians, des Altmeisters ethnologischer Forschung, der in diesen


