Einleitung.
Mit der Ausführung der neuen Lehrpläne vom 31. März 1882 beginnt für den naturwissenschaftlichen Unterricht an den preussischen Gymnasien eine neue Aera. Denn wie es in der betreffenden Verfügung selbst heisst, liess sich von diesem Unterricht ein befriedigender Erfolg bis dahin nicht erwarten, da durch die Lehreinrichtung von 1856 derselbe in Quarta unterbrochen wurde und selbst für Sexta und Quinta ein gänzliches Aufgeben dieses Unterrichtes gestattet war.*) Eine methodische und dadurch wirklich erfolgreiche Durchführung des naturkundlichen Unterrichts ist überhaupt jetzt erst mög- lich geworden, nachdem durch die neuen Lehrpläne jeder der acht Klassen zwei Stunden wöchentlich für denselben gewährt worden sind.
Wie zu erwarten stand, macht sich seitdem eine gesteigerte Thätigkeit bemerk- lich, darauf gerichtet, dureh Wort und Schrift der Methode des naturkundlichen Unter- richts zu einer immer höheren Stufe der Ausbildung zu verhelfen. So sollen denn auch die folgenden Zeilen dazu bestimmt sein, bezüglich des naturwissenschaftlichen und ins- besondere des botanischen Unterrichtes eine Verständigung über Zweck, Ziel und Inhalt, sowie die Verteilung des Lehrstoffs anbahnen, besonders aber auch die allseitige Durch- führung einer klar ausgesprochenen Methode fördern zu helfen. Nicht als ob jetzt erst das richtige Lehrverfahren zu entdecken wäre; schon lange haben einsichtsvolle Schul- männer Darlegungen der Behandlung dieses Lehrgegenstandes gegeben, die den besten Kusserungen der Gegenwart zur Seite gestellt werden können. Ebenso ist auch an manchen höheren Schulen schon längere Zeit der Unterricht in diesem Sinne wirklich erteilt worden. Aber die Möglichkeit einer planmässigen Durchführung war doch eben nur da gegeben, wo, wie jetzt an den preussischen Gymnasien, die unerlässliche Vorbe- dingung erfüllt war, dass der Unterricht ein durch alle Klassen im Zusammenhang fortgeführter sein konnte. Wenn an einer grösseren Zahl von Anstalten derselbe wirklich auch nach weniger empfehlenswerten Grundsätzen ertheilt wurde, so mag sich dies ja teilweise daraus erklären, dass in der That die Aufgabe der höheren Schulen und insbe- sondere diejenige des naturkundlichen Unterrichts falsch aufgefasst wurde, in der Mehr- zahl der Fälle aber möchte es daher rühren, dass man auf irgend eine Weise doch etwas Positives, ein handgreifliches Ergebnis durch den Unterricht zu erzielen suchte, da
*) Speziell für unsere nassauischen Anstalten liegt die Sache etwas anders. Denn schon vom Jahre 1817 an waren dem naturwissenschaftlichen Unterricht in jeder der vier Pädagogialklassen und von 1854 an in allen acht Klassen der Gymnasien wöchentlich zwei Stunden zugeteilt, während vorher in Tertia oder Sekunda dieser Unterricht hier und da ausgefallen war; und, als im Jahre 1869 der Lehrplan der alten Provinzen auf die nassauischen Gymnasien übertragen wurde, behielt wenigstens an einigen der- selben doch auch die Quarta den naturwissenschaftlichen Unterricht mit mindestens einer Stunde bei.


